THM

Mit dem Mut zur Integration

Für die Iranerin Sameneh Emami bedeutet Ankommen in Deutschland auch, keine Scheu vor Weihnachtsbäumen zu haben„Im Iran hatte ich gehört, die Deutschen sind kalte, harte Menschen. Aber seitdem ich hier bin, mache ich ganz andere Erfahrungen. Uns wurde viel Vertrauen und Respekt entgegengebracht. Wir haben inzwischen viele deutsche Freunde.“

Das erzählt Sameneh Emami, die an der Technischen Hochschule Mittelhessen Biomedizinische Technik studiert. Die THM hat ihr den Reza-Mehran-Preis 2011 zuerkannt, eine mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung, die an ausländische Studierende für hervorragende fachliche Leistungen und soziales Engagement vergeben wird. Der ebenfalls aus dem Iran stammende Preisstifter Dr. Reza Mehran, ehemals Professor in Friedberg, will damit vor allem motivierend dazu beitragen, dass Studierende aus anderen Ländern ihren Abschluss schaffen.

Die höhere Qualität der Hochschulausbildung und die besseren beruflichen Perspektiven nennt Sameneh Emami als Gründe, ihr Heimatland zu verlassen und nach Deutschland zu kommen. Sie stamme nicht aus einer Akademikerfamilie, aber ihre Eltern hätten trotz aller Sorgen Verständnis für diesen Schritt gezeigt. Gemeinsam mit ihrem Mann reiste sie im August 2008 nach Hannover, ein Ziel, das sie wählten, weil dort schon Bekannte aus dem Iran lebten. Sie absolvierte ein Studienkolleg, um die Zugangsvoraussetzungen zu deutschen Hochschulen zu erfüllen. Danach galt es einen Studienort zu finden, der auf beider Interessen zugeschnitten war. Während er zur Betriebswirtschaft neigte, zog es sie zur Medizintechnik, ein Fachgebiet, wo sie ihre Stärken in Mathematik und Physik einbringen kann. So kam das Paar nach Gießen.

Integration, so die Preisträgerin, verlange auch, auf die Einheimischen zuzugehen. Die 30-Jährige, die sehr gut Deutsch spricht, hält nichts davon, sich nur mit Leuten aus ihrem Kulturkreis zu umgeben. Über die Auszeichnung freut sie sich sehr: „Das zeigt mir, auch als Ausländerin wirst du hier wahrgenommen und positiv beurteilt.“ Besonders dankbar ist sie Prof. Dr. Hans-Rudolf Metz, der sie für den Mehran-Preis vorgeschlagen hatte und von ihrer fachlichen und sozialen Befähigung überzeugt ist. Deshalb hat der Mathematiker ihr auch die Aufgaben einer Tutorin anvertraut. So engagiert sich die Iranerin als Betreuerin von größtenteils deutschen Studierenden im Fach Mathematik. Das imponierte der Preis-Jury ebenso wie ihr mutiger Einsatz in einem Verein, der für die Wahrung der Rechte von Frauen in ihrer Heimat eintritt.

Wegen der fehlenden deutschen Staatsangehörigkeit ist sie von vielen Möglichkeiten der Studienförderung ausgeschlossen. Sameneh Emami verschweigt nicht, dass ihr Leben in Deutschland eine finanzielle Gratwanderung ist: „Ich bin bereit zu jobben, aber das darf nicht zur Hauptsache werden. Deshalb ist mir auch das Geld willkommen, mit dem der Preis verbunden ist.“

Vor acht Monaten hat sie Töchterchen Ayleen zur Welt gebracht und deshalb zwei Semester mit dem Studium ausgesetzt. Sie hofft, dass sie ihre verschiedenen Aufgaben als Studentin, Mutter und Dazuverdienerin so miteinander vereinbaren kann, dass sie zügig ihren Bachelorabschluss an der THM schafft und danach noch einen Masterkurs anschließen kann. Doch das sind Fernziele, zunächst stehen Feiertage auf dem Programm: „Ich bin als Muslima aufgewachsen, da gab es kein Weihnachten. Aber wir sind gerne dabei, wenn unsere deutschen Freunde unter dem Tannenbaum feiern.“ 

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