Geschichte des Fachbereichs KMUB
Am 1. August 1971 wurde der in der Bundesrepublik gänzlich neue Fachbereich Technisches Gesundheitswesen" (TG) gegründet.Bis heute handelt es sich um einen in der Bundesrepublik Deutschland singulären Fachbereich. Das Gießener Modell TG hat aber im Laufe der Zeit maßgeblich zur Entwicklung ähnlicher Studiengänge oder Studienschwerpunkte an anderen Fachhochschulen beigetragen.
Die Idee, einen Ausbildungsgang für Gesundheitsingenieuere an der damaligen Ingenieurschule Gießen einzurichten, geht bis in das Jahr 1965 zurück. Damals wurde die Notwendigkeit gesehen, zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben auf den Gebieten der Umwelthygiene und der Hygienetechnik das Berufsbild eines "Gesundheitsingenieurs" zu entwickeln. Im Vordergrund der Überlegung stand die Auffassung, daß ein großer Bedarf an technisch-wissenschaftlichen Mitarbeitern und Beratern bei allen Dienststellen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, insbesondere in den Gesundheitsämtern, bestehe. An Arbeitsmöglichkeiten in Industrie und Wirtschaft wurde zwar gedacht, es war aber nicht abzusehen, daß gerade in diesen Bereichen die meisten Absolventen später ihren Arbeitsplatz finden würden.
An der Entwicklung des Berufsbildes und des Studienprogramms waren in den Jahren von 1965 bis 1969 neben den Vertretern der Staatlichen Ingenieurschule Gießen maßgeblich Vertreter des Hess. Ministeriums für Arbeit, Volkswohlfahrt und Gesundheitswesen, des Hess. Kultusministeriums, der Medizinischen, der Veterinärmedizinischen und der Naturwissenschaftlichen Fakultäten der Justus-Liebig Universität Gießen
sowie Vertreter verschiedenster Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesen, der Industrie, der Deutschen und der Hessischen Krankenhausgesellschaft beteiligt. Zu erwähnen sind dabei Herr Ob. Reg. Med. Rat. Dr. Dr. Traenckner vom HWAVG und Herr Priv. Doz. Dr. Knoll als Vertreter der JLU; Herr Prof. Knoll war lange Jahre als Honorarprofessor am Fachbereich TG tätig.
Die Ansiedlung eines Studiums für Gesundheitsingenieure an der Ingenieurschule Gießen bot sich wegen der notwendigen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den technischen Ausbildungsgängen mit den o.g. Fakultäten der Universität fast von selbst an.
Ab WS 1970/71 wurden die drei Ausbildungsgänge Biomedizinische Technik (BMT), Krankenhausbetriebstechnik (KBT) und Technische Hygiene (TH) zunächst an der Abteilung "Elektrische Nachrichtentechnik" eingerichtet. Am 1.8.1971 wurde dann der selbständige Fachbereich Technisches Gesundheitswesen für diese drei Ausbildungsgänge eingerichtet. Daraus erklärt sich auch die eigentlich merkwürdige Tatsache, daß der Fachbereich TG in diesem Jahr zwar 25 Jahre besteht, man aber schon seit 26 Jahren "Technisches Gesundheitswesen" studieren kann.
Der Leiter des Sonderlehrgangs Kerntechnik der Ingenieurschule, OBR Dr. phil. nabil. Kömmnick, maßgeblich an der Entwicklung des Studierprogramms beteiligt, wurde der erste beauftragte Fachbereichsleiter des Fachbereichs TG. 1972, also ein Jahr nach der Gründung, hatte der Fachbereich TG vier hauptamtliche Hochschullehrer, eine Halbtagsekretärin und einen Laboringenieur.
Das interdisziplinäre Studienprogramm konnte von Anfang an nur durch eine enge Zusammenarbeit mit der medizinischen, der veterinärmedizinischen, der naturwissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Fakultät der Justus-Liebig Universität Gießen (JLU) eingeführt und aufrecht erhalten werden. Die Zusammenarbeit findet bis heute ihren Ausdruck in der Übernahme einer Vielzahl von Lehraufträgen und durch die Betreuung von zahlreichen Diplomarbeiten durch Professoren und Mitarbeiter der JLU.
Im WS 1970/71 begannen 38 Studierende ihr Studium TG. Bereits im Sommersemester 1973 verließen die ersten Absolventen als Diplomingenieure des Technischen Gesundheitswesens die Fachhochschule Gießen.
Die Studienrichtung "Technische Hygiene" wurde bereits bei der ersten Anpassung des Studienprogramms im Oktober 1973 in "Umwelt- und Hygienetechnik" (UHT) umbenannt.
Im Oktober 1983 trat erstmals eine Prüfungsordnung mit festen Regularien sowie ein Jahr später eine insbesondere der Entwicklung der Umwelttechnologie angepaßte Studienordnung in Kraft.
Der Andrang zum Studium des Technischen Gesundheitswesens war von Anfang an so groß, daß schon von Beginn an eine Aufnahmebeschränkung durch eine Aufnahmeprüfung eingeführt werden mußte. Später erfolgte die Studienplatzvergabe unter Anwendung eines Numerus clausus durch die zentrale Studienplatzvergabe in Dortmund. Seit WS 1984/85 wurde die Aufnahme unter Beibehaltung des NC von der Fachhochschule Gießen-Friedberg selbst durchgeführt.
Angeregt durch die Nachfrage aus der Industrie und infolge der inzwischen eingetretenen technologischen Entwicklung wurde zum WS 1986/87 als vierte die Studienrichtung "Biotechnologie" (BT) eingerichtet; damit wurde diese Technologie erstmals in Gießen eingeführt.
Mit dem WS 1995/96 trat eine neue Studien- und Prüfungsordnung in Kraft, die sowohl das Lehr- und Studienangebot den neuen technologischen Entwicklungen und Bedürfnissen anpaßte als auch dem Studium eine neue Struktur gegeben hat. Dabei wurde das Studium auf 8 Semester inklusive eines berufspraktischen Semesters umgestellt, so daß auch die formale Voraussetzung für eine europaweite Anerkennung der Diplome geschaffen worden ist.
Mit dem WS 1997/98 wurde ein neuer Studiengang "Orthopädie und Rehatechnik" eingeführt, der erstmals innerhalb der Studienordnung die Verbindung mit einer entsprechenden Meisterausbildung herstellt.
Die inzwischen geknüpften und gefestigten Auslandskontakte und Kooperationen in den Programmen ERASMUS und SOKRATES nach Frankreich, Spanien, Schweden, Großbritannien, Finnland, Irland, Belgien und Luxemburg stellen eine Bereicherung des Ausbildungsangebotes dar.
Wie die bis heute hohen Bewerberzahlen zeigen, ist das Interesse am Studium im Fachbereich nach wie vor ausgesprochen groß. Im Mittel wurden in den vergangen Jahren je Semester 95 Studentinnen und Studenten aufgenommen, wenngleich seit Sommersemester 1996, wie allgemein, die Bewerberzahl zurückgegangen ist.
Bis zum Beginn des Sommersemesters 1996 haben 2071 Albsolventen den Fachbereich TG als Diplomingenieure bzw. Diplomingenieurinnen verlassen, und zwar 841 die Studienrichtung BMT, 380 die Studienrichtung KBT, 712 die Studienrichtung UHT und 138 die Studienrichtung BT.
In der Gründungsphase war geplant gewesen, daß die Ingenieure der drei Ausbildungsgänge ihre Aufgaben und Tätigkeiten außer in Gesundheitsämtern gemeinsam an großen Krankenhäusern finden würden. Heute ist dies eher die Ausnahme; in einem Krankenhaus wird in der Regel nur jeweils ein Ingenieur für Technisches Gesundheitswesen in entsprechender leitender Funktion beschäftigt.
Diplomingenieure des Fachbereichs Technisches Gesundheitswesen (heute KMUB) sind darüber hinaus in einem weiten Berufsfeld tätig; sie finden ihre Aufgaben
- in der Industrie: Geräteentwicklung, Verfahrensentwicklung, Applikation, Produktionskontrolle, allgemeine Qualitätssicherung, Zulassung- und Patentwesen, Produktmanagement, Projektmanagement, Technische Dokumentation, Schulung/Training, Techn. Service, Marketing, Vertrieb;
- dem Dienstleistungsbereich: Krankenhausbau und -ausstattung, Medizintechnik-Planung, Umweltberatung/Öko-Audit, Umweltanalytik, Techn. Überwachung, Technischer Krankenhausbau, Energieversorgung;
- im Krankenhaus: Techn. Management, Qualitätssicherung, Instandhaltung, Betrieb medizintechnischer Geräte und Anlagen, Arbeitsicherheit, Strahlenschutz, Klinikökologie, Energiemanagement;
- in Behörden: Gesundheitsamt, Umweltamt, Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik, Amt für Immisions- und Strahlenschutz, Wasserwirtschaftsamt, Regierungspräsidium, Ministerium, Energieversorgungsbetriebe.
Tätigkeitsschwerpunkte sind für BMT-Ingenieure die Med. Geräteindustrie, für KBT-Ingenieure Krankenhäuser und Planungsbüros, für BT-Ingenieure die Chemische/Pharmazeutische Industrie und für UHT-Ingenieure die Kommunen mit den Schwerpunkten Umwelt- -und Abfallmanagement.
Die Absolventen des Fachbereichs TG (heute KMUB) haben ihren Platz am Arbeitsmarkt gefunden und behauptet; sie haben weiterhin -wenn auch je nach Studienrichtung unterschiedliche- allgemein gute Berufschancen. Dennoch ist außer in Fachkreisen der Name Ingenieur des „Technischen Gesundheitswesens" weitgehend unbekannt geblieben. Auch paßt die Studienrichtung Biotechnologie nicht unter diesen Namen. Der Fachbereich hat deshalb am 20.6.1995 beschlossen, sich in "Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie" (KMUB) umzubenennen sowie den Studiengang ebenfalls in KMUB umzubenennen, so daß die Studienrichtungsinhalte bereits im Namen des Fachbereichs Ausdruck finden.
Mit dem WS 1999/2000 wurde ein neuer internationaler Studiengang "Clinical Engineering" mit dem Abschluß Bachelor of Science (hons) als vom DAAD gefördertes Projekt eingeführt.
Im November 1999 hat der Fachbereich beschlossen den Studiengang KMUB aufzulösen und die bisherigen Studienrichtungen mit modifizierten Studienprogrammen in Studiengänge umzuwandeln. Gleichzeitig wurden 3 neue Studienprogramme - Bioinformatik, Biopharmazeutische Technologie und Medizininformatik - eingeführt.
Der Studienbetrieb in diesen 7 Studiengängen begann zum WS 2000/2001.


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