THM

Studiengang Orthopädie- und Rehatechnik

Anwendungsgebiete und Berufsfeld der Orthopädie- und Rehatechnik

In Deutschland gibt es rund 1600 orthopädietechnische Betriebe, in denen etwa 13000 Fachkräfte arbeiten. An diese Zielgruppe ist das Angebot gerichtet, sich durch ein sehr praxisnahes Studium für Führungsaufgaben in mittelständigen Firmen oder der Industrie, in Verbänden oder der Ausbildung, in Kliniken oder anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens zu qualifizieren. Bedarf dazu besteht: Die Zahl von körperlich behinderten Personen, für die eine spezielle Technik der Rehabilitation notwendig ist, steigt auch bedingt durch die Änderung der Altersstruktur ständig. Die bisher angebotenen Ausbildungsgänge genügen diesen Anforderungen nicht mehr vollkommen, da neben dem handwerklichen Können theoretisches Wissen zur Bearbeitung der Aufgabenstellung notwendig ist. In Deutschland kann eine Fortbildung zum Handwerksmeister im Bereich des Orthopädie, Chirurgiemechaniker  und Bandagistenhandwerks abgeschlossen werden. Außerhalb Deutschlands liegt diese Ausbildung jedoch im Hochschulbereich. Ein solches Studium verbessert also auch mit Blick auf den europäischen Markt die Berufsperspektiven der Absolventen. Beispielsweise wird die Orthopädietechnik in Großbritannien und Skandinavien schon an den Hochschulen gelehrt, und andere EU Staaten werden diesem Beispiel folgen.

Da von den Absolventen dieses Studienganges nicht nur theoretisch wissenschaftliches Fachwissen im späteren Berufsleben erwartet wird, sondern sie   bedingt durch die Eigenart des Berufsbildes   auch direkt am Behinderten, Versehrten, Geriatriker usw. arbeiten werden, sind auch handwerkliche Fähigkeiten unabdingbar. Deshalb werden als Studienvoraussetzungen neben der Fachhochschulreife eine abgeschlossene Ausbildung (Gesellenbrief) als Orthopädiemechaniker/Bandagist gefordert. Dies ist auch eine Voraussetzung, dass die Studierenden die praxisnahe Ausbildung an der Bundesfachschule für Orthopädietechnik in Dortmund erfolgreich absolvieren können, da dort der Praxisbezug auf dieser Grundlage noch weiter vertieft wird. Nach erfolgreichem Abschluss der Studienphase in Dortmund wird gleichzeitig das Europazertifikat der Internationalen Berufsorganisationen INTERBOR und ISPO (Joint Education Committee) erworben. Dieses Zertifikat wird in allen europäischen Ländern anerkannt und u.a. auch von der University of Stratheclyde/Glasgow verliehen. Erfüllen die Studierenden darüber hinaus noch die Voraussetzungen im Handwerk, so kann gleichzeitig in Dortmund noch der Meisterbrief erworben werden. Haben die Studierenden bereits den Meisterbrief vor Beginn des Studiums in Dortmund erworben, werden zwei Semester anerkannt.

Neben der Verbindung von handwerklicher und akademischer Ausbildung besteht eine weitere Besonderheit dieses Studienangebotes darin, dass hierbei eine staatliche Hochschule und die Bufa als ein privates Lehrinstitut zusammenarbeiten und dabei die Landesgrenze zwischen Hessen und Nordrhein Westfalen überbrücken. Weiterhin ist auch die Universität in Gießen eingebunden. Das Studium an der FH und den Universitäten ist gebührenfrei, während die Ausbildung an der Bufa ca. 9000 € pro Person und Jahr kostet. Diese Kosten übernimmt jedoch der Bundesinnungsverband für Orthopädietechnik, so dass die Studierenden die finanzielle Belastung nicht tragen müssen.

Der Studiengang hat auch ein positives Echo in der Presse gefunden. So hob u.a. die "Frankfurter Allgemeine" am 26.07.97 auf ihrer Seite "Beruf und Chance" hervor: „Der Diplomingenieur FH für Orthopädie  und Rehatechnik wird als Berufsziel möglich, es ist ein sehr praxisnaher Dipl. Ing.. Bei dem Vorhaben werden Beruf und Studium in einer völlig neuen Weise miteinander verquickt."

Studienorganisation

Nach den mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen im ersten Studienjahr bietet das zweite Studienjahr die ingenieurwissenschaftlichen Fächer. Im dritten Studienjahr werden die berufspezifischen Fächer angeboten, die aus organisatorischen Gründen an der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund zu absolvieren sind. Im 7. Semester werden die berufsspezifischen Fächer vertieft und im 8. Semester folgt die Diplomarbeit. Die Wahlpflichtfächer können aus einem Katalog des Fachbereiches, der Fachhochschule Gießen-Friedberg oder der Universität Gießen gewählt werden.
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