20 Jahre TZM

"Der Bau von Luftschlössern kostet nichts, aber ihre Zerstörung ist sehr teuer."

Getreu der Erkenntnis von François Mauriac steht das Transferzentrum Mittelhessen (TZM) als gemeinsame Einrichtung der drei mittelhessischen Hochschulen seit seiner Gründung im Jahr 1991 für einen aktiven Technologietransfer. Erhebung, Aufbereitung und Bereitstellung von Informationen über Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bilden zusammen mit der Vermittlung von Kontakten zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Durchführung von Pilotprojekten und Fachveranstaltungen die Arbeitsschwerpunkte.


Trotz allem Bemühen um Kooperation gibt es aber immer noch die volkstümliche Vorstellung, dass Hochschulen auf ihrem Wissen sitzen und dieses wie auf Halden horten, ohne sich darum zu bemühen, diese Schätze an Bedürftige abzugeben.

Dieses Bild ist aus zwei Gründen falsch. Zum einen sind die Halden kleiner, als viele denken. Zum anderen besteht die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft (Industrie) und Hochschulen schon sehr lange. Die Industrie hatte schon immer ein ausgesprochen großes Interesse an den Ergebnissen der Hochschulforschung, während die Hochschulen immer schon Fragestellungen von Gesellschaft und Wirtschaft bearbeitet haben.

Natürlich ist auch etwas Wahres an dem oft geäußerten Vorwurf, die Hochschulen kümmerten sich nicht intensiv genug darum, ihre Ergebnisse in verwertbare Verfahren und Produkte umzusetzen. Demgegenüber glauben die Hochschulen, kleine und mittelständische Unternehmen seien nicht weitblickend genug, um auch bei einem guten Ansatz Entwicklungsforschung zu betreiben. Zwar liegen Forschungsergebnisse in der Regel nicht in Form von fertigungsreifen Produkten oder Produktideen vor, sie sind jedoch oft von erheblichem Interesse für die Wirtschaft.

Was liegt also näher, als gemeinsam auf der Basis von Grundlagenwissen anwendungsorientierte Lösungen zu erarbeiten. Und wie die Vergangenheit zeigt, haben alle Partner von einer effizienten Zusammenarbeit profitiert.

Statt Wissen ist Macht sagt man deshalb heute besser Knowhow ist Erfolg. Richtig ist beides. Und das Wissen wird schließlich der Gesellschaft auf vielfältige Weise zur Verfügung gestellt. In erster Linie über qualifiziert ausgebildete Absolventen, aber auch durch Beratung, Auftragsforschung und Weiterbildung.

In Zeiten sich rasant ändernder Rahmenbedingungen hat das Transferzentrum Mittelhessen vor allem mit seinen innovativen Projektideen und der konsequenten Umsetzung von Leitprojekten über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit und Respekt erworben. Bereits zeitlich weit vor der Einführung der Greencard Informatik hat das Transferzentrum Mittelhessen die virtuelle Messe konzipiert, hat Transparenz und Kompetenz mit Branchenreports offengelegt oder neue Arbeitsplatzkonzepte mit der Einführung der Telearbeit erstritten. Innovativ, und deshalb manchmal unbequem. Aber erfolgreich. Denn eine Voraussetzung muss zwingend gegeben sein: die Rahmenbedingungen müssen Kooperationen fördern und nicht behindern.

So hat das TZM und seine Förderer modellhaft bewiesen, dass mit der Gründung der TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH und ihren nach dem Vorbild der Steinbeis-Zentren entwickelten inzwischen über 100 TransMIT-Zentren und Projektbereichen sowie der in Hochschulen und Wirtschaft arbeitenden Patent- und Innovationsberatung sowie der Gründerberatung auch mit bescheidenem Mitteleinsatz beachtliche Resultate zu erzielen sind. Diese Aufbauleistung kann man gar nicht hoch genug bewerten, da sie in Zeiten „schwieriger Haushaltslage“ und „allgemeiner Mut- und Ratlosigkeit“ erfolgt ist.

Mit dem Projekt Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelhessen (EC-M), einem Förderprojekt des BMWi, hat das TZM darüber hinaus auf der Grundlage eines bundesweiten Wettbewerbs ein Kompetenzzentrum eingerichtet, das seit 1998 gezielt kleine und mittelständische Unternehmen in der Region bei der Einführung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien berät und unterstützt.

Das TZM hat dabei nicht als Einzelkämpfereinrichtung fungiert, sondern im Verbund der mittelhessischen Hochschulen und mitgetragen von den regionalen Gebietskörperschaften und Industrie- und Handelskammern. Erfolge des TZM sind somit Erfolge der Region.

Und wie ein Blick in die TZM-Historie zeigt, beweist die Modellregion Mittelhessen so ihre Praxistauglichkeit – und dass der Ansatz des aktiven Transfers erfolgreich ist.

Die in den zurückliegenden zwanzig Jahren durch das TZM initiierten und bearbeiteten Projekte können sich ausnahmslos sehen lassen -sie waren nicht nur innovativ, sie waren sogar erfolgreich.

Perlenkette (Lothar Klemm, Hess. Staatsminister a.D.) und Mittelhessischer Leuchtturm (Roland Koch, Hess. MP a.D.) sind zwei Begriffe, welche stellvertretend für viele Aussagen die Arbeit des TZM und die damit verbundenen Ergebnisse umschreiben.

Und: bisher haben alle ehemaligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in den Projekten des TZM beschäftigt waren, im Anschluss an ihre Tätigkeit problemlos eine Anstellung in der freien Wirtschaft gefunden – oder haben als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kanzler oder Professor ihren Weg zurück zur Hochschule gefunden.

Getreu dem Sprichwort von Laotse, dass auch ein langer Wege mit dem ersten Schritt beginnt, belegen die bisherigen Ergebnisse eindrucksvoll die Richtigkeit der 1991 auf Anregung des Gießener Regierungspräsidenten eingeschlagenen Entwicklung.


Heinz Kraus

Geschäftsführung des TZM

Trotz seines geringen Alters kennzeichnet das Transferzentrum
Mittelhessen ein gutes Image und eine beachtenswerte Bekanntheit...

Sowohl bezüglich seiner außergewöhnlichen Personalstärke als auch
organisatorisch stellt das Transferzentrum Mittelhessen als gemeinsame
Gründung der Universitäten und der Fachhochschule bundesweit eine
Besonderheit dar..."

Prof. Dr. Rolf Sternberg
Universität zu Köln, Wirtschafts- und Sozialgeographisches Institut

Auszug aus der gutachterlichen Stellungnahme
im Rahmen der BioMIT-Initiative, 1996