
Eigentlich wollte Dr. Christian Köbel 2006 vor allem Auslandserfahrung sammeln. Neue Menschen kennenlernen und einen Blick über den Tellerrand wagen. Dass aus der Begegnung mit seinem „Buddy“ Dr. Javier Muñoz Alvarez eine Freundschaft für das ganze Leben werden würde, ahnte er nicht. 20 Jahre später sitzen die beiden wieder gemeinsam am Friedberger Campus der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) – Köbel vor Ort, Muñoz Alvarez digital zugeschaltet.
Aus den Studenten von damals sind längst zwei Männer mit Karriere und Familien geworden. Doch die Verbindung zwischen ihnen ist geblieben.
„Motiviert hat mich damals die Möglichkeit, mein eigenes Auslandssemester vorzubereiten und natürlich auch neue Leute kennenzulernen“, erinnert sich Köbel. Muñoz Alvarez, der 2006 aus Havanna für drei Monate an die damalige Fachhochschule Gießen-Friedberg kam, nahm spontan am Programm teil: „Ich wurde gefragt: Hey, willst du teilnehmen? Ich habe einfach ‚Ja‘ gesagt.“
Das International Buddy Programme (IBP) bringt seit 2006 jedes Semester internationale Studierende, sogenannte „Newcomer“, mit erfahrenen Studierenden, den „Oldies“, zusammen. Gemeinsam erkunden sie die Hochschule, die Region und das Studi-Leben.
Für Muñoz Alvarez war die Zeit in Deutschland eine völlig neue Erfahrung. Durch die Kontakte im Buddy-Programm verbesserte er seine Sprachkenntnisse und lernte die deutsche Kultur kennen. „Wir haben beide sehr schnell gemerkt, wie viel wir voneinander lernen können“, sagt er. Gemeinsam verbrachten die beiden viel Zeit im Studentenwohnheim, gingen aus und unternahmen Ausflügen.
Auch Köbel lernte viele neue Perspektiven kennen. Während seines späteren Auslandssemester an der Technischen Universität Havanna blieb ihm vor allem die Gelassenheit der Kubanerinnen und Kubaner positiv im Gedächtnis, mit der sie mit Problemen umgingen: „Die Menschen, die ich kennengelernt habe, waren sehr flexibel und haben viel um die Ecke gedacht.“ Internationale Erfahrungen seien sehr wertvoll – nicht, weil etwas „besser oder schlechter“ sei, sondern, weil sie neue Perspektiven eröffneten.
Die Verbindung der beiden „Buddys“ endete mit dem Semester nicht. Köbel promovierte später in Havanna im Bereich Telekommunikation und arbeitet heute bei Honda R&D Europe als Teamleiter im Bereich digitale Lösungen für Energiesysteme. Muñoz Alvarez kehrte zunächst nach Kuba zurück, wo er als Doktorand an der Technischen Universität Havanna arbeitete und 2010 promovierte. Vier Jahre später zog er nach München. Seit 2018 arbeitet Muñoz Alvarez als Softwareentwickler.
Ein weiteres Highlight der Geschichte: In Kuba lernt Christian Köbel seine Frau, Maria Uriarte, kennen, die später mit nach Deutschland kommt und an der THM einen Master in Architektur macht.
Dass sich die Wege des Kubaners und des Deutschen überhaupt kreuzten, ist der langjährigen Kuba-Kooperation der THM zu verdanken. Bereits 2001 brachte Prof. Dr.-Ing. Wolf-Rainer Novender die Kooperation mit der Universität in Havanna auf den Weg. Über die Jahre entwickelte sich ein reger Austausch, der zahlreiche Studierende und Hochschulangehörige nach Deutschland und Kuba führte.
Damit solche Begegnungen auch heute möglich werden, dafür sorgt Lawen Oweissi, die das Buddy-Programm seit sechs Jahren organisiert. „Ich bin ganz begeistert von der schönen Geschichte von Javier und Christian.“ Zum Jubiläum hat Anke Roos vom Alumni-Management die Verbindung zwischen den beiden ehemaligen Buddys wiederhergestellt. Sie hält seit Jahren den Austausch zwischen ehemaligen Studierenden und der Hochschule lebendig.
So schließt sich ein Kreis: Die Kuba-Kooperation ermöglichte den internationalen Austausch, das Buddy-Programm machte aus einer Begegnung eine Freundschaft und das Alumni-Management brachte die Geschichte zurück an die THM. „Ich war immer gerne an der THM und würde gerne mal wieder zurückkommen“, sagt Muñoz Alvarez, als er sich aus dem Zoom-Call verabschiedet.