50 Jahre Ingenieur;
60 Jahre Maschinenbau
Die Technische Hochschule Mittelhessen hatte Ihre Absolventen des Maschinenbaus von 1966 zum 50-jährigen Ingenieur-Examen empfangen und zu diesem Anlass die Teilnehmer mit dem "Goldenen Diplom" geehrt.
Prof.Dr. Gollnik (im Bild rechts) Dekan des Fachbereichs Maschinenbau der Technischen Hochschule Mittelhessen überreicht mit einem Händedruck das Goldene Diplom an Prof.Dr. Lössl von der Hochschule Rosenheim.
Während der Feier erinnerte man sich an 1966:
- Ludwig Erhard wurde als Wirtschaftwunder- und Maßhaltekanzler von Kurt G. Kiesinger abgelöst.
- Dortmund hat den damaligen Europacup gewonnen, die Löwen waren Deutscher Meister, die Deutsche Fußballnationalmannschaft schrammte im Endspiel gegen England über das „Wembley-Tor“ an der Weltmeisterschaft vorbei.
- Die Rolling Stones brachten ihr Album „Got Live If You Want It“.
- Die Beatles hatten eine Deutschlandtournee.
Geschichte eines Alumnus
Für die Maschinenbaustudenten der Staatlichen Ingenieurschule Giessen war natürlich ihr Ingenieurexamen das wichtigste Ereignis im Jahre 1966.
Einer der Studenten war offensichtlich von den Lehrenden der Ingenieurschule Gießen stark beeindruckt. Die Bauräte Ehrenberger, Lang, Karg und alle weiteren gelang es nicht nur die Fachinhalte zu vermitteln, immer standen sie hinter der Technik mit ihrer Persönlichkeit.
Welche Voraussetzungen waren für ein Ingenieurstudium damals erforderlich?
Ein technischer Beruf war von Vorteil. 1956 begann nach der Aufnahmeprüfung der Start der Maschinen-Schlosser-Lehre von Günter Lössl in der Alzmetall Bohrmaschinenfabrik in Altenmarkt. Es galt die 48 Stundenwoche, 40 DM pro Monat gab es im 1. Lehrjahr. Werkstattreinigung und Berichtsheft wurden nicht während der Arbeitszeit ausgeführt. Nach der Facharbeiterprüfung wurde Günter Lössl von der Firma übernommen und nach drei Gesellenjahren war das Ingenieurstudium finanziell vorbereitet.
Die lehrinhaltliche Basis für den Studienplatz schuf die Berufsaufbauschule in Traunstein - parallel zur Akkordarbeit während der Woche, immer samstags bis 17:00 Uhr. Die Lehrer dort waren unglaublich engagierte Vorbilder.
1963 wurde der Studienplatz in Gießen aber erst über eine mehrtägige Aufnahmeprüfung vergeben:
ca. 100 Kanditaten, die sich beworben hatten aber nur 30 Studienplätze, die vergeben wurden.
Wie ging es weiter?
Als Jahrgangsbester konnte er nach der anerkannten praktischen Ingenieurausbildung in Gießen an der Technischen Hochschule München den Maschinenbau auch wissenschaftlich studieren und mit dem Examen abschließen. Immer wieder war es für ihn faszinierend, wieviel es zu Wissen gab. Die in der Ausbildung im Maschinenbau engagierten Professoren der TH-München (ab 1970 TU-München) wie z.B. Grigull, Truckenbrodt, Bayer u. v. a. m. spannten ein unglaubliches Potential des Wissensgebietes Maschinenbau auf und haben so den Studierenden ihre Zukunftsperspektiven aufgezeigt.
Die Betreuung des Praktikums von Maschinenbaustudenten der Technischen Universität München, die ihm 1972 übertragen wurde, stellte eine unbestrittene fachliche Basis dar. Natürlich auch wegen der zwei absolvierten fundierten Maschinenbaustudien, praktisch in Gießen an der Lahn (nicht zu verwechseln mit dem Fertigungsverfahren Giessen) und wissenschaftlich in München an der Isar.
An der Technischen Universität München reichte Günter Lössl 1978 seine Promotionsschrift ein, die am Institut für Werkzeugmaschinen bei Prof. K.G. Müller erarbeitet und von den Prüfern mit Auszeichnung bewertet wurde.
Im folgenden industriellen Einsatz bei der Getriebe- und Werkzeugmaschinen Firma Hurth in München, gehörte ein Projekt zur Berechnung, Konstruktion, Fertigung und Umstellung auf digitale Datenverarbeitung von Verzahnungs-Werkzeugen zur Getriebeproduktion zu seinen Aufgaben. Die Fertigung war in Brasilien, der Lizenzgeber in Italien. Dr.-Ing. Lössl beschaffte die geeignete Hardware und entwickelte die Software. Der Einsatz war, wie man so sagt, global erfolgreich.
Nachhaltige, erneuerbare Energien mit Schwerpunkt Solartechnik, insbesondere die Konstruktion vom Maschinen für diese neuen Produkte der Siliziumbearbeitung führten ihn zur Wacker Chemie nach Burghausen. Technisch betreute er eine Produktlinie innerhalb der Chemitronic für polykristalline Solarzellen.
Die Begeisterung und die Freude an der Vermittlung für das Wissensgebiet des Maschinenbaus auch aus seiner eigenen Studienzeit haben ihn dazu bewogen eine Lehrtätigkeit an einer Hochschule zu suchen.
Während der Anstellung in Burghausen erfuhr er von Ausschreibungen für die Professorenstellen zum Studiengang Produktionstechnik an der Fachhochschule Rosenheim. Er durchlief das Berufungsverfahren und wurde im im Oktober 1983 im Studiengang Produktionstechnik für die Fachgebiete Maschinenlehre, Konstruktion und Mechanische Antriebstechnik an die Fachhochschule Rosenheim berufen. Dort gab Herr Professor Dr. Lössl 24 Jahre lang seine Erfahrungen an Studenten der Studiengänge Produktionstechnik, Kunststofftechnik und Wirtschaftsingenieurwesen im Fachbereich KWP (Kunststofftechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Produktionstechnik) weiter.
"Zwischendurch war ich auch in der Selbstverwaltung als Leiter des Studienganges Produktionstechnik und als Dekan des Fachbereiches KWP engagiert und vertrat meinen Fachbereich im Senat."
Menschen, die besonders prägend waren oder die besonders wichtig für das eigene Leben sind
Rückblickend gesehen waren es viele, sehr viele Menschen, die seinen Lebensweg kreuzten, zeitweise den gleichen Weg hatten und meistens einen positiven Beitrag dazu leisteten:
Angefangen von den Eltern und Geschwistern und den Lehrern und Mitschülern der Volksschule Chieming. Die Ausbilder und Mitarbeiter in der Firma Alzmetall und die Lehrer und Mitschüler der Berufsschule Trostberg, sowie der Berufsaufbauschule in Traunstein.
Natürlich auch die Lehrenden der Ingenieurschule Gießen und die Mitstudenten. Im Folgenden auch alle Kontakte im Zusammenhang mit dem Studium und der wissenschaftlichen Aufgabe an der Technischen Universität, dem Arbeitsplatz und der Promotion; selbstredend auch bei den Firmen Hurth in München und der Wacker Chemie in Burghausen.
Auch die vielen Studenten, das Kollegium und die Mitarbeiter der Fachhochschule Rosenheim und
insbesondere die eigene Familie.
Anmerkung der Redaktion
Herrn Prof. Dr. Lössl lernte ich erstmals bei seinem 50jährigen Abschlussjubiläum in Gießen kennen:
Ein strahlendes Lächeln, freundlich dreinschauende Augen und stolz mit bayerischer Lederhose.
Aufgrund dieser Hose habe ich ihn kurzerhand zum Alumni-Treffen auf der Wiesn in München eingeladen, zu der er auch kam .
Dies war eines der schönsten Netzwerk-Treffen in München bei dem aus vielen Studienrichtungen, Abschlussjahrgängen und Berufswegen die Gemeinsamkeit THM/FH/Ingenieurschule alle einte.
Ob auf der Wiesn, einem Absolvententreffen wieder in Gießen oder einer Alumni-Wanderung - ich freue mich auf das nächste Wiedersehen.