Dr. Michael Kreutzer: Vom Diplom-Abschluss an der FH Gießen-Friedberg über den Master-Abschluss an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) zum Doktorgrad der Ingenieurwissenschaften der Technischen Universität Clausthal.
Dr. Michael Kreutzer (Jahrgang 1977) begann im WS 2000/01 sein Informatik-Studium. Während des Studiums arbeitete er im DFG-Projekt „Sicherheit in der Informations- und Kommunikations-technik“, bei Prof. Dr. A. Beutelsbacher (JLU) und nach dem Diplomabschluss als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technik & Informatik (THM). Parallel dazu studierte er im Master-Studiengang Informatik.
Seit 2012 ist er im Studiengang Ingenieur-Informatik der THM in der Lehre tätig und konnte so auch seine Doktorarbeit in den Ingenieurwissenschaften an der TU Clausthal schreiben. Im Juli 2016 erlangte er dort den Doktorgrad.
Interview
Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium an der Technische Hochschule Mittelhessen anzutreten?
Ich war zwar damals im Besitz der allgemeinen Hochschulreife, jedoch konnte mich der Informatikstudiengang der Uni-Marburg durch seine Praxisferne nicht wirklich überzeugen. Ich war jung und wollte etwas in der Welt bewegen. Ein Besuch der Hochschul-Informationstage der THM, ein erstes Kennenlernen der Lehrkräfte und die Besichtigung der Gebäude, hinterließen bei mir einen bleibenden Eindruck, an den ich mich heute noch gut erinnere. Das hier war ein Laden wo angepackt wird und auch einmal Späne fallen, wenn es sein muss. Somit war die Entscheidung gefallen, die beschwerliche Zugfahrt von Marburg auf mich zu nehmen.
Können Sie sich daran erinnern, als Sie das erste Mal an die Hochschule kamen?
Ja, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Der ölige Geruch der Roboter und Werkzeugmaschinen, der aus den Laboren bis in die Gänge zwischen den Hauptgebäuden vordrang, liegt mir noch in der Nase. Die Vorlesungssäle wirkten im Stile der 70er Jahre sehr zweckoptimiert. Jedoch versprühten sie Charme. Man hatte nicht nur den Eindruck, dass hier bereits Generationen von Ingenieure ausgebildet worden sind, man fühlte sich auch schnell dazu gehörig und als Teil der Familie. So hab ich es damals als junger Mensch zumindest empfunden.
Denke ich an Gießen, denke ich sofort an...
Elefantenklo und den Biergarten beim Ulenspiegel, wo man als Student laue Sommernächte verbringen durfte.
Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?
Das war die Cebit 2003, auf der ich zusammen mit der Arbeitsgruppe in der ich damals mein Praxisseminar absolvierte, ein Projekt vorstellen durfte.
Was war Ihr Lieblingslokal oder Ihr Lieblingsort in Gießen/Friedberg?
Der Ulenspiegel
Was hat Sie besonders geprägt: Welcher Dozent/Professor, welches Studienangebot?
Besonders geprägt haben mich die Professoren Klaus Wüst, Klaus Rinn und Oliver Zirn, deren Einfluss einige Jahre später in einer Promotion auf dem Gebiet der Robotik und der 3D-Bildverarbeitung enden sollte.
Als Studienangebote haben mich damals die Lehrveranstaltungen zur Robotik und Bildverarbeitung besonders begeistert. Insbesondere Robotik war damals eine gemeinsame Veranstaltung der Informatik und der Elektrotechnik, die von den charismatischen Professoren Klaus Wüst und Oliver Zirn angeboten wurde. Als Informatikstudent empfand ich das als besondere Bereicherung, über den Tellerrand hinaus einen Blick in die E-Technik und den Maschinenbau werfen zu dürfen.
Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?
Ich war schon immer begeisterter Hobbymusiker.
Eine Bandprobe oder der Auftritt einer guten Band im Irish-Pub verleiteten einen schon auch einmal dazu den Griffel hin zu legen.
Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?
Ich würde es tatsächlich noch einmal genau so machen. Das ist auch nicht einfach so dahin gesagt, man beachte, dass ich Informatik studiert, aber dann in den Ingenieurwissenschaften promoviert habe. Für mich bedeutet das, ich konnte mich frei entfalten.
Haben Sie ein Lebensmotto und wenn ja verraten Sie uns dieses?
Ja, es ist ganz einfach. „Und beutelt Dich das Leben noch so sehr, dem Informatiker und Ingenieur ist nichts zu schwer!“
Welchen Ort in Gießen würden Sie gerne einmal wiedersehen?
Ich bin zwar immernoch oft in Gießen, aber tatsächlich würde ich gerne mal wieder auf der Lahn Kajak fahren und auf den Gießener Lahnwiesen grillen.
Welchen Tipp haben Sie für Studierende um die Studienzeit optimal zu erleben?
Pendeln Sie nicht, sondern suchen Sie sich eine schöne WG in Gießen, um das Studentenleben in allen Facetten zu genießen. Sie werden die Qualitäten der Stadt schätzen lernen!
Wie haben Sie studiert und Ihre Studienzeit erlebt? (Wie war die Wohnraumsituation?)
Ich wohnte zu Anfang noch am Stadtrand von Marburg und hatte täglich eine lange Anfahrt nach Gießen. Glücklicherweise fand ich kurze Zeit später eine sehr schöne Studentenbude in Laufweite der THM.
Heute würde ich jedem Studenten empfehlen, für die Zeit des Studiums nach Gießen zu ziehen und dort die gemeinsame Zeit mit den Kommilitonen zu genießen. Gießen mag im Vergleich zu anderen Städten auf den ersten Blick unattraktiv sein, hat aber für Studenten eigentlich viel zu bieten.
Gibt es ein Hobby, das Sie im Studium weitergebracht hat oder das sich aufgrund des Studiums entwickelte?
Ja, ich habe tatsächlich eine Prüfung zum Funkamateur abgelegt. Es ist ein Hobby, das auf den ersten Blick altbacken wirkt, das aber gerade durch die Informatik einen neuen Frühling erlebt. Heute ist ja fast alles wire-less und funktioniert über Funk-Technologien.
Was machen Sie aktuell beruflich?
Ich bin Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der THM. Im Bereich Forschung bin ich aktuell stellvertretender Geschäftsführer des Instituts für Technik & Informatik des Fachbereichs MNI.
Was wünschen Sie sich von Ihrer Hochschule bzw. dem Alumni-Management?
Ich wünsche mir einen engen Kontakt zwischen Hochschule und Wirtschaft. Einerseits, damit unsere Studenten einen guten Einstieg ins Berufsleben finden. Andererseits sorgt ein enger Kontakt, z.B. im Rahmen von Forschungsprojekten und Abschlussarbeiten, für einen Wissensaustausch, der die bedarfsgerechte Ausbildung der Studenten fördert, da die Studieninhalte mit aktuellen Anforderungen der Wirtschaft optimal abgeglichen werden können. Die Partner aus der Wirtschaft, häufig kleine bis mittelständige Unternehmen aus der Umgebung, profitieren ihrerseits durch den Transfer neuesten Silicon-Valley Wissens, verpackt in gut ausgebildete Nachwuchskräfte.
Gibt es ein besonderes Buch, das Sie empfehlen können?
Gute Frage, ich glaube jeder Informatiker sollte das Buch "Numerical Recipes - The Art of Scientific Computing" im Regal stehen haben. Ich wüsste zumindest nicht, wie man ohne überleben sollte.
Was sind Ihre nächsten Pläne (Beruflich, Reisen, ..…)
Ich würde gerne zusammen mit den Kollegen das Institut für Technik & Informatik und den Studiengang Ingenieur-Informatik weiter ausbauen, was uns zur Zeit schon ganz gut gelingt. Auch würde ich gerne einmal den asiatischen Kontinent kennenlernen.
Haben Sie noch Kontakt mit Ihren Mitstudierenden aus Ihrer Zeit, und wenn ja, wie oft?
Ja natürlich, mit manchen sehr oft.
Was denken Sie, wenn Sie sich vorstellen in Ihrer Zeit hätten Sie die Erfahrungen heutiger Studierenden (Online-Vorlesungen usw.) erlebt?
Die Situation hat Vor- und Nachteile. Einerseits stelle ich mir vor, dass der reine Online-Unterricht riesige Schäden an den zwischenmenschlichen Kontakten und dem Sozialleben der Studenten auslöst. Auch ist es problematisch, dass die Studenten ihre Labor-Arbeiten nicht durchführen können.
Andererseits wurden in der Lehre plötzlich Dinge möglich, die schon seit Jahren verschleppt wurden und überfällig waren. Dazu gehört z.B. dass Veranstaltungen auch von Zuhause oder dem Auslandssemester besucht werden können. Aber auch Dinge wie die asynchrone Lehre, bei der Videos und andere Materialien neben oder statt einer Vorlesung bereitgestellt werden.
Was für eine Veranstaltung sollte vom Alumni-Management organisiert werden?
Ich denke es ist interessant die Menschen, die die Inhalte der Studiengänge planen mit denjenigen zusammen zu bringen, die die Studenten später einmal einstellen. Dies gilt besonders für die schnelllebigen Studiengänge wie die Informatik, die in einem kontinuierlichen Anpassungsprozess ist.
Schön wäre es auch, wenn die Wirtschaft die Studiengänge, deren Absolventen für sie interessant sind mehr fördern würde, beispielsweise durch Sachspenden oder Stipendien für begabte Studenten und Doktoranden.
Welche Features wollen Sie im Alumni-Portal sehen?
Ich könnte mir vorstellen, dass für Außenstehende eine Übersicht über die Kompetenzzentren und Forschungs-Institute der THM interessant wäre.
Anmerkung der Redaktion
Michael Kreutzer kennen wir schon aus seiner Studienzeit. Stets ruhig, immer sachlich und freundlich, zurückhaltend. Auch beim Interview wollte er sich eher zurücknehmen zugungsten anderer Alumni. Wir freuen uns und sind stolz darauf, dass Dr. Michael Kreutzer an unserer Hochschule geblieben ist, und den Studiengang weiterbringt. Gerade auch seine Erfahrungen aus dem eigenen Studium hier sind sicher eine gute Unterstützung.