
Herr Mang hat vom Wintersemester 1976 bis 1980 Energie- und Wärmetechnik in Gießen studiert und ist einer der führenden Spezialisten im Bereich der nachhaltigen Sanitärversorgung und in Biogas mit 44 Jahren Berufserfahrung.
Lebenslauf
Heinz-Peter Mang ist Gastprofessor für die Themen umweltfreundliche und nachhaltige Sanitärversorgung und Biogas an der University of Science and Technology Beijing, China, und Technischer Direktor bei UPM Umwelt-Projekt-Management GmbH, Deutschland.
Herr Mang ist Fachmann mit 44 Jahren Berufserfahrung und eine der führenden Personen im Bereich der nachhaltigen Sanitärversorgung. Er ist auch technischer Leiter eines multidisziplinären, internationalen Beraterteams für UPM Umwelt-Projekt-Management, das derzeit in Deutschland, China, Bangladesch, Frankreich, Nepal und Lesotho tätig ist. Sein Fachwissen begleitet Investitionen in Bioenergie, Umwelthygiene und Abwasserentsorgung, konzeptionelle und technische Gestaltung von Projekten, sowie Machbarkeitsanalysen. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen ökologische Abwasserentsorgung, Klär- und Fäkalschlammmanagement und Stromerzeugung auf Biogasbasis.
Er studierte an der Fachhochschule in Gießen Energie- und Wärmetechnik. Nach seinem Abschluss 1980 war er als Planungsingenieur für landwirtschaftliche Biogas- und naturnahe Kläranlagen in Norddeutschland tätig. Danach begann er 1982 seine Laufbahn in der Entwicklungszusammenarbeit mit Langzeitaufenthalten in Burkina Faso, Burundi, Bolivien, Kuba, China und Lesotho. Mehrere Jahre (1989 bis 1992 und 2002 bis 2004) koordinierte er in der Zentrale der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den deutschen Beitrag zur Umsetzung innovativer Biogas- und Öko-Sanitärtechnologien in Afrika, Lateinamerika und Asien.
Heinz-Peter Mang ist Mitbegründer mehrerer Fachverbände, darunter das World Toilet College im Rahmen der World Toilet Organization, der Fachverband Biogas e.V., die Fördergesellschaft für nachhaltige Biogas- und Bioenergienutzung e.V. und die German Toilet Organization e.V. Er ist Mitglied in der International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM), der International Ecological Engineering Society (IEES), dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI), der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser- und Abfall (DWA) und der International Water Association (IWA). In der DWA ist er seit 2011 Mitglied im Fachausschuss für ressourcenorientierte Sanitärsysteme, insbesondere für das Thema landwirtschaftliche Verwertung von Rezyklat.
Fragenkatalog
Mein Studium an der THM habe ich begonnen, weil …
Eigentlich wollte ich nach der Fachhochschulreife im sozialen Bereich studieren, habe aber eingesehen, dass es im technischen Bereich interessante berufliche Chancen gibt, ohne die Menschen zu vergessen. Ich habe mich also bei der "Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen" (ZVS) beworben. Die ZVS hat dann Gießen ausgewählt.
Wichtig war für mich, dass ich von Frankfurt aus hinfahren konnte.
Als ich das erste Mal an die Hochschule kam …
habe ich gleich Freunde gefunden aus Palästina und dem Iran. Wir haben alle in der letzten Bank gesessen und einer hat in den Vorlesungen mit Kohlepapier mitgeschrieben. Dadurch hatten wir gleich Durchschläge und man musste nicht alles selbst mitschreiben.
Mit deutschen Kommilitonen hatte ich eigentlich weniger Kontakt, weil die internationale Lerngruppe aus der letzten Reihe von Anfang an sehr gut funktionierte.
Denke ich an Gießen denke ich sofort an...
... die gute Job-Situation für Studenten. Man konnte vieles ausprobieren so z.B. mit dem Umladen von Zeitungen oder Obst. Oder mein Aushilfsjob an einer Tankstelle mitten in Gießen. Dort habe ich einen VW-Bus T1 Samba gekauft, den ich noch heute habe. Inzwischen ist er als Oldtimer restauriert.
Ein unvergessliches Erlebnis während der Studienzeit war …
Exkursionen zur Kläranlage waren sehr interessant und ich habe viel gelernt.
Deshalb wollte ich auch nach dem Studium in dem Bereich weiterarbeiten und mich weiterbilden.
Man hat gelernt über den Tellerrand hinaus zu sehen und konnte sich dadurch immer in andere Bereiche einarbeiten. – Anfang der neunziger Jahre habe ich noch einen "Klärwärter-Schein" gemacht und z.B. 30 Jahre später von der GIZ einen Auftrag bekommen, Kläranlagen in Jordanien hinsichtlich des Anfalls und der Verwertung von Klärschlamm zu überprüfen.
Weitere interessante Einsätze und Erlebnisse im Berufsleben:
- In Burundi wurden in Internatsschulen mit durchschnittlich 1000 Schülern Biogas-Sanitäranlagen gebaut. Mit dem Biogas konnte Holz in den Küchen eingespart werden.
- In Burundi wurden die Projekt-Buchhaltungen auf EDV umgestellt und wir haben uns darum beworben, von Anfang an dabei zu sein. Allerdings: wir hatten keinen Strom … Ich habe erklärt, dass wir ein Schweißaggregat haben und wenn wir eine Batterie mit Inverter dranhängen, haben wir den benötigten Strom. Die Schulung für die Software wurde dann in Deutschland durchgeführt und wir waren das erste Team, das „im Busch“ mit EDV die Buchhaltung für die GIZ, damals GTZ, durchführte.
Unvergessen bleibt für mich Prof./Dozent …
... Prof. Katz (Klima-Kammer) er war einer meiner Lieblingsprofs.
Mein Schwerpunkt war jedoch Klärschlamm-Biogas.
… während das Fach Statik ein Problem war.
Vom Lernen konnte man mich sehr gut abhalten mit …
... der sehr guten Kneipenszene in Gießen, was sehr angenehm war ...
Wenn ich heute noch einmal entscheiden könnte, würde ich …
... das Gleiche wieder machen und hätte kein Problem damit.
Gerne wiedersehen würde ich …
... einige der Studierenden von damals. Oder zumindest erfahren, was aus ihnen geworden ist.
Wie haben sie das Studium empfunden?
Die Zeit im Asta als studentischer Fachbereichsvertreter war sehr interessant - gerade auch politisch. Auch der Austausch mit der Uni lief prima. Es gab praktisch keine Konkurrenz. Und wenig Zeit- und Leistungsdruck im Vergleich zur Schule.
Ich habe während des Studiums an der Straßenverkehrsschule in Gießen den LKW-Führerschein gemacht und dann beim Transport-Ring Talk Gießen gejobbt, zumeist Obst-und Gemüsekonserven oder Gail-Keramik ausgefahren … im letzten Studienjahr habe ich dann Ferien-Jobs als LKW-Fernfahrer zur Aushilfe von Frankfurt nach Frankreich und zurück gemacht.
Als Tipp für Studierende um die Studienzeit optimal zu erleben …
... man sollte die Zeit nutzen nicht nur das Kernfach zu studieren, sondern zumindest in den Semesterferien auch andere Tätigkeit kennenlernen.
Ein Hobby, das mich im Studium weitergebracht hat / sich dort entwickelte ist …
... mein Beruf geworden.
Von meiner Hochschule bzw. dem Alumni-Management wünsche ich mir ...
... die internationale Vernetzung als wichtige Aufgabe zu erkennen, das sollte die Hochschule fördern.
Allgemeines
Die Welt habe ich inzwischen viel bereist, aber in Gießen bin ich fast nur Fahrrad gefahren.
Der erste Flug im Leben war der Flug damals 1982 nach China von Frankfurt mit Umsteigen in Kopenhagen und Bangkok und Kanton bis nach Chengdu.
Nach dem Studium kam in 1981 wieder die Bundeswehr-Frage, die ich dann in Frankfurt mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr in 1981/82 beantwortet habe, im Beratungsdienst für Männer (Obdachlose Bürger in Frankfurt) als erster „Streetworker“ und bald dann schon der erste Kontakt zur GIZ.
Einige interessante Projekte:
- Ende 1982 Bau von Familienbiogasanlagen in China, Fortbildung als „Barfuss-Biogastechniker“
- 1983 – 1989 Planung und Bau von Schulsanitärbiogasanlagen in Burundi
- 1993 – 1999 Mitwirkung an der Verbreitung von Erneuerbaren Energietechnologien in bolivianischen Amazonasdörfern
- 1993 – 1997 regelmäßige Biogasberatungen für das nationale Schweinezuchtinstitut in Kuba
- 2004 Überwachung eines Forschungs- und Anwendungsprogramms für Radiotracer zur Überwachung der Effizienz von anaeroben Abwasserbehandlungsanlagen in der kubanischen Rum-Industrie
- 2007 - 2019 regelmäßige Einsätze zur Planung und Bauüberwachung von dezentralen Abwasseranlagen in Nord-Korea
- 2007 - 2008 Evaluierung des nationalen Biogasprogramms in Nepal
- Seit 2011, fachliche Unterstützung des nationalen Biogasprogramms in Bangladesch
- Seit 2011, beteiligt an der Entwicklung und dem Testen von autarken Sanitärsystemen in China, Namibia, Botswana, Südafrika, Thailand, Bangladesh und Lesotho
- 2011 - 2012 Schulungen für Naturpark-Ranger für Ökotoiletten im Süden von Chile
- 2012 - 2015 Entwicklung und Testen von nachhaltigen Sanitärsystemen für die Ger-Zeltstädte ringsum die Hauptstadt Ulaanbaatar in der Mongolei
- 2015 - 2017 Unterstützung bei der Entwicklung von Biogasanlagen in Samoa
- 2023 für Mekka neue Toilettenanlagen geplant, die dann auch gebaut wurden und ab Mitte 2024 eingesetzt wurden.
Was war für Sie die größte Umstellung in China?
Die Sprache – auch nach 300 Stunden mit einer Lehrerin ist es noch immer nicht perfekt, aber es reicht, um durch das Land zu reisen. Um diese Sprache zu lernen, muss man sich mit der Geschichte, Kultur und der Kunst des Landes befassen. Das hilft sehr.
Allgemein im Berufsleben waren für mich meine Sprachkenntnisse immer hilfreich. Meine Arbeitssprachen sind Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Dadurch werde ich bis heute in internationale Projekte eingebunden so z.B.
- In Burkina Faso, Burundi, Bolivien, Lesotho, Senegal und so bisher in 80 Ländern
- Mit einer Partnerhochschule in Kuba (ist aktuell schwierig) habe ich in der Nähe von Havanna in einer Destillerie die Abwasseranlage berechnet
Ich werde weltweit angefragt und kann eigentlich auswählen, wo und mit wem ich arbeiten möchte. Aber ich möchte nun auch gerne eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für meine Stelle in Deutschland einarbeiten.
Wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?
Durch die Corona-Zeit ist online-Arbeit auch weltweit sehr gut entwickelt worden.
Im Februar 2020 wollte ich von Bangladesch nach China reisen, aber die Grenze war bereits wegen Corona geschlossen. Daraufhin bin ich nach Deutschland und erst 2022 wieder zurück nach China.
Anmerkung des Alumni-Managements
Im Jahr 2024 wurde er über eine Bürgeriniative in den Ortschaftsrat seines Dorfes gewählt.
Er ist außerdem Tenorsänger im örtlichen Gesangsverein FROHSINN im selben Ort, Boxtal.
Wir schauen mal, ob wir in 2025 nicht ein Alumni-Treffen in Gießen organisieren mit möglichst vielen Kommilitonen seines Studiums.