So jung und schon so viele Erfahrungen gesammelt: Frau Jacquelin Hansel zeigt, dass es wichtig ist, offen für Neues zu sein. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, was es alles zu entdecken gibt, wenn man offen in die Welt schaut. Es bleibt spannend.
Kurz-Lebenslauf
Hi, ich bin Jacquelin und derzeit arbeite ich als Product Manager bei Google in NYC und verbessere die Musik-Experience auf YouTube für Milliarden von Usern. Ich leite ein Team, das für Music Search, Voice und Conversational Experiences bei YouTube verantwortlich ist und an cutting-edge Technologien wie Large Language Models arbeitet.
Nach meinem dualen Bachelor-Studium in Wirtschafts-ingenieurwesen an der THM in Wetzlar und einigen Auslandserfahrungen während des Studiums in Schottland und den USA, habe ich mich dazu entschieden, meinen gesamten Master in den USA zu absolvieren. In 2016 bin ich dann in die Nähe von San Francisco gezogen und habe meinen Master in Industrial Engineering mit Fokus auf Data Analytics an der University of California, Berkeley gemacht.
Meine Tech-Karriere in den USA startete bei dem Ridesharing-Unternehmen Lyft in San Francisco, wo ich als Data Analyst Billionen von Daten analysierte. Während meiner Zeit bei Lyft war das Unternehmen im Hyper Growth, das heißt wir sind innerhalb von 1.5 Jahren von knapp 1000 auf 4000 Mitarbeiter gewachsen, und ich konnte sehr viel über das Skalieren von Unternehmen lernen.
Nach Lyft bin ich dann für einen neuen Job bei Palantir nach NYC gezogen und habe mit einigen der größten Unternehmen aus den USA, Deutschland und der Schweiz zusammengearbeitet, um deren digitale Transformation voranzutreiben. Nach Palantir, habe ich den Sprung zu einem early-stage Startup im Creator Economy Bereich namens Pico gewagt, das die Art und Weise überdenkt, wie Creator Geld verdienen und mit ihrem Publikum kommunizieren. Und jetzt bin ich seit fast einem Jahr bei Google!
Fragenkatalog:
- Mein Studium an der THM habe ich begonnen, weil...
....die THM eine super Hochschule in der Region ist! Ich komme ursprünglich aus der Nähe von Gießen und wollte ein möglichst praxisorientiertes Studium beginnen, was auch finanziell stemmbar ist. Durch das duale Studium konnte ich schon früh Erfahrungen im Unternehmen sammeln und mein eigenes Geld verdienen.
- Denke ich an Gießen/Wetzlar, denke ich sofort an...
... die leckere Curry-Wurst in der Nähe des Wetzlarer Campus, die Nächte im Haarlem & das Studieren in einer kleinen, engen Gemeinschaft in Wetzlar.
- Ein unvergessliches Erlebnis während der Studienzeit war...
... ganz klar mein Auslandssemester in Edinburgh. Es war das erste Mal, dass ich alleine so weit weg gezogen bin und Leute aus ganz anderen Kulturen kennengelernt habe. Ich bin so dankbar, dass die THM mein Auslandsstudium unterstützt und ermöglicht hat, weil es für mich wirklich ganz neue Möglichkeiten im Leben eröffnet und mein Leben langfristig verändert hat!
- Wenn ich heute noch einmal entscheiden könnte, würde ich ... studieren/oder ... werden.
Wahrscheinlich was etwas technischeres wie Informatik. Ich habe zwar viel on the job gelernt und kann auch etwas coden, aber mir fehlen oft die Grundlagen und im Beruf hat man doch dann meist nicht genügend Zeit, die noch alle zu lernen.
Manchmal denke ich aber auch darüber nach, noch Biochemie oder Medizin zu studieren und könnte mir gut vorstellen, das noch in den nächsten paar Jahren anzufangen. Das Wichtigste für mich ist, immer weiter neue Sachen zu lernen und offen zu bleiben für neue Möglichkeiten!
- Als Tipp für Studierende, um die Studienzeit optimal zu erleben...
Die Studienzeit ist da, um euch auszuprobieren und herauszufinden, was ihr mögt! Besucht verschiedenste Kurse, geht euren Hobbies nach, macht Praktika bei verschiedenen Unternehmen, plant Unternehmungen mit euren Freunden und falls ihr könnt, macht ein Auslandssemester. Aber das Wichtigste ist: Macht euch nicht so viel Stress! Nach dem Studium hat man immer noch die Möglichkeit, seine Richtung oft zu verändern und Sachen auszuprobieren.
- Wie war es, im Ausland zu studieren?
Die beste Entscheidung ever. Egal ob Auslandssemester, Summer School, Auslandspraktikum oder ein ganzes Studium im Ausland - wenn ihr die Möglichkeit habt, macht es! Man lernt einfach so viel über sich selbst, sammelt so tolle Erfahrungen...und es macht auch einfach Spaß.
Mein Studium in Berkeley hat mich enorm vorangebracht und war mein erster Schritt zur Karriere in den USA. So ein Auslandsstudium ist natürlich auch teuer, aber es gibt mittlerweile viele Stipendien, die einem finanziell unter die Arme greifen können. Ohne Stipendien hätte ich auch nicht im Ausland studieren können.
- Wie viel von deinem Studium nutzt du aktuell in deinem Job?
Mehr als ich gedacht hätte. Manche der Inhalte, wie z.B. die Grundlagen der Elektrotechnik oder Analogtechnik, benutze ich jetzt weniger, aber besonders die Herangehensweisen, das logische Denken und das wissenschaftliche Arbeiten nutze ich jetzt im Job noch täglich.
Tech-Unternehmen arbeiten sehr datenbasiert und alles fängt mit einer Hypothese an - das ist also sehr ähnlich wie im Studium.
Außerdem sind in meiner Rolle Projektmanagement und soziale Kompetenzen sehr wichtig, und da bin ich dankbar, dass das auch ein großer Bestandteil meines Studiums an der THM war.
- Was genau machst du eigentlich in deinem aktuellen Job?
Als Product Manager bei einem Tech-Unternehmen bin ich zuständig für die Vision, Strategie und den Umsetzungsplan für ein Produkt. Ich muss also entscheiden, was wir als nächstes entwickeln sollen, wie wir das ganze umsetzen und wie uns das am Ende zu unserem Ziel führt. Ich leite ein Team von 20 Software-Ingenieuren und arbeite eng mit Designern, Marketing und Data Analysten zusammen.
- Was hält dich in den USA? Was zeichnet das Arbeiten dort aus?
Im Vergleich zu Europa dominiert die USA die Tech-Branche noch sehr (was sich hoffentlich immer mehr ändert und in den letzten Jahren sieht man da schon einen leichten Shift). Mir gefällt, dass die Unternehmen hier risikobereiter sind, Innovation ein ganz großer Teil der Unternehmenskultur ist und dass es völlig ok ist auch mal Fehler zu machen. Ich habe auch das Gefühl, dass ich hier als Frau ernster genommen werde und mehr Möglichkeiten habe.
- Hast du einen Tipp für Studierende, die vielleicht auch ins Ausland wollen?
Mein größter Tipp ist: Einfach mal machen. Hört sich ein bisschen banal an, aber oft denkt man über solche Entscheidungen viel zu viel nach und unterschätzt sich. Ich hätte auch niemals gedacht, dass ich an der UC Berkeley angenommen werde oder mal in Tech-Unternehmen in den USA arbeiten werde, wo doch alle so schlau sind und die
Einstellungsinterviews so hart sind. Aber sobald man dann selbst mal durch den Prozess gegangen ist, merkt man, dass dort auch ganz normale Leute arbeiten, die gar nicht solche Super Brains sind, wie man das vielleicht vorher erwartet hat!
- Was machst du so neben deinem Hauptjob?
Neben der Arbeit setzte ich mich sehr dafür ein, die Tech-Branche zu einem vielfältigeren und bunteren Ort zu machen. Als Frau ist man leider noch oft in der Minderheit in dieser Branche, was dringend geändert werden muss, um nachhaltig bessere und gesamtheitliche Produkte zu bauen.
Außerdem bin ich selbst Content Creator (@datadrivenjac) und baue eine Community von Tech-Interessierten auf, veranstalte Tech-Events und bin gerade dabei, ein Stipendium für unterrepräsentierte Gruppen zu launchen.
- Wenn ich mich in 5-10 Jahren sehe, sehe ich...
... mich in einem Van durch die Welt reisen und dabei mein eigenes Business aufbauen. Oder als Politikerin in Deutschland. Oder mit einer kleinen Bäckerei in Berlin. Oder als Forscherin im Bereich Autoimmunkrankheiten.
Short answer: I have no idea!
Ich war noch nie jemand, der seine Karriere groß geplant hat und weit in die Zukunft gedacht hat. Während meines Bachelor-Studiums wusste ich nicht mal, was Data Analytics ist und ein Jahr später habe ich als Data Analyst gearbeitet. Hätte mir jemand vor 5 Jahren erzählt, dass ich mal bei Google arbeite, hätte ich nur ungläubig gelacht. Das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm gehabt.
Was ich damit sagen will: Das Leben kann sich schnell ändern. Neue Möglichkeiten, an die wir gar nicht gedacht haben, tauchen auf und dann ist es wichtig, offen zu sein und einfach mal Sachen auszuprobieren. Und da sehe ich mich auch in 5-10 Jahren: Ich möchte immer wieder neue Sachen ausprobieren!
Anmerkung der Redaktion
Ich freue mich schon sehr auf den Alumni-Talk mit Frau Hansel im Frühjahr und bin gespannt wo ich Frau Hansel in 5 Jahren antreffe und wieder sehen werde.
Frau Hansel ist eines der besten Beispiele wieso Alumni-Arbeit wichtig ist und auch noch Spaß macht. In Verbindung bleiben - ein Leben lang.