Herr Christiansen hält es für wichtig, Studierenden bzw. Studieninteressierten aufzuzeigen, dass sich das Studium mit seinen Strapazen und theorielastigen Grundlagen lohnt und beste Karrierechancen eröffnet. Schauen Sie sich seinen interessanten Werdegang an: Nach dem Diplom in Elektrotechnik (FB) und dem Ergänzungsstudium Strahlenschutz und -messtechnik (GI) hat er berufsbegleitend einen Masterabschluss an der TU Kaiserslautern erworben und promoviert derzeit an der Uni Lübeck.
Lebenslauf
1996 Abitur an der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim, anschließend Zivildienst beim DRK Kreisverband Friedberg (Ausbildung zum Rettungssanitäter; bis über das Studium hinaus nebenberuflich ausgeübt), während dieser Zeit Entscheidung für Studium der Elektrotechnik an der damaligen FH Gießen-Friedberg. Zum SS 1998 Studienbeginn, nach dem Grund-studium die Entscheidung für die Fachrichtung „Nachrichtentechnik“, Abschluss (Diplom) im Jahr 2003. Im Rahmen einer Jobmesse am Standort Gießen bin ich auf den Ergänzungsstudiengang „Strahlenschutz und -messtechnik“ (SM) aufmerksam geworden und es stand schon vor der Diplomarbeit fest, dass ich diese Zusatzqualifikation noch „hintendranhänge“. Nach dem Diplom Weiterbeschäftigung im Labor für Optische Nachrichtentechnik, um die Zeit bis zum WS 2004/2005 zu überbrücken, in dem der Ergänzungsstudiengang SM in Gießen stattfand.
Im Jahr 2005 Weiterbeschäftigung beim damals neu gegründeten Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz (IMPS) in Gießen. Von 2006 bis 2008 Tätigkeit bei einem Ingenieurbüro im Bereich Strahlenschutz und Kerntechnik, dort gehörte die Elektroplanung für Maschinen, die bei der Brennelementehantierung zum Einsatz in Kernkraftwerken im In- und Ausland zu meinen Aufgaben. Im Herbst 2008 Wechsel zum Hessischen Innenministerium in die Projektgruppe Digitalfunk, die sich um den Aufbau des Digitalfunknetzes für Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen gekümmert hat. Der damalige Referatsleiter hat meinen weiteren Werdegang maßgeblich beeinflusst, als er nach dem Vorstellungsgespräch mit einem Blick in meine Bewerbungsunterlagen festgelegt hat: „Ingenieur für Nachrichtentechnik … Feuerwehr … Rettungsdienst – Sie kümmern sich um die Leitstellen!“ Parallel zur Tätigkeit als Teilprojektleiter Leitstellen habe ich mir Gedanken über akademische Weiterbildung gemacht, um aufbauend auf dem FH-Diplom noch einen Masterabschluss zu erwerben. Vor allem um die Abläufe und den Zeitaufwand eines berufsbegleitenden Fernstudiums einschätzen zu können und hier weder Geld noch Zeit zu vergeuden, habe ich 2008/2009 das Fernstudium Gefahrenabwehr / Vorbeugender Brandschutz an der damaligen Technischen Fachhochschule (TFH) Berlin, jetzt Berliner Hochschule für Technik (BHT) absolviert. Das hat alles sehr gut geklappt, so dass auch das größere Projekt „Master per Fernstudium“ folgen konnte. Im Jahr 2009 gab es weit weniger Masterstudiengänge, die als ein berufsbegleitendes Fernstudium ausgelegt waren, als heutzutage. Meine Wahl fiel auf die TU Kaiserslautern (die als staatliche Universität das zweitgrößte Fernstudienangebot nach der Fernuni Hagen hat) mit dem Studiengang Medizinische Physik. Hierbei passten die Semestergebühren, die Entfernung nach Kaiserslautern und die Häufigkeit der Präsenzphasen (jeweils nur eine Präsenzphase zu Semesterende mit Tutorium und Klausuren) und natürlich auch das Studienfach. Hilfreich waren die medizinischen Vorkenntnisse aus 10-jähriger Tätigkeit im Rettungsdienst; den Teil ‚Strahlenschutz‘ habe ich komplett anerkannt bekommen und zudem alles in der Regelstudienzeit absolviert. Für die Masterarbeit habe ich mich für ein Thema zur Photodynamischen Therapie (PDT) entschieden und dabei die nach wie vor bestehenden Kontakte zur THM genutzt und den experimentellen Teil abermals im Labor für Optische Nachrichtentechnik bestritten. D.h. freitags nach Feierabend, auf dem Nachhauseweg von Wiesbaden, habe ich im ON-Labor verbracht, ebenso einige Samstage. Die Masterarbeit wurde in Papierform und elektronisch nach Kaiserslautern geschickt (Herbst 2012) und die Masterurkunde und -Zeugnis kamen dann ebenfalls mit der Post nach Hause (kurz vor Ostern 2013). Keine mündliche Abschlussprüfung und keine Absolventenfeier – das Fernstudium war an dieser Stelle eher anonym.
Durch meine berufliche Tätigkeit und die Mitarbeit in verschiedenen Fachgremien habe ich mich verstärkt mit „Kritischen Infrastrukturen“ befasst, woraus die Idee entstanden ist, die IT-Sicherheit in Leitstellen wissenschaftlich im Rahmen einer Dissertation zu untersuchen. Die zentralen Fragen habe ich in Form eines Exposés formuliert und bin an mehrere Professoren zwecks Betreuung des Promotionsvorhabens herangetreten. Die Rahmenbedingungen und der persönliche Kontakt passten beim Institut für Theoretische Informatik der Uni Lübeck am besten, so dass der dortige Institutsleiter mein Betreuer wurde. Bedingung für die Aufnahme als Doktorand war allerdings der Nachweis von Grundkenntnissen in Informatik, damit man mich als „Fachfremden“ aufnehmen konnte. Der Promotionsausschuss hat zu Auflage gemacht, dass die Themenfelder „Kryptografie“ und „Sicherheit in Netzen“ im Rahmen einer mündlichen Prüfung nachzuweisen sind; hierzu bestand ca. ein Jahr Vorlauf. Die besagten Themen habe ich 2018/2019 als Fernkurse an der Uni Bochum belegt (um nicht nur allein aus Lehrbüchern zu lernen, sondern die Inhalte „aufbereitet“ zu bekommen und Ansprechpartner für Fragen zu haben) und konnte die mündliche Prüfung im Herbst 2019 erfolgreich ablegen, so dass diesem Zeitpunkt dem Promotionsvorhaben nichts mehr im Wege steht.
Vom öffentlichen Dienst beim Land Hessen bin ich Anfang 2017 in die Privatwirtschaft gewechselt, zur Fa. IDH-consult, einem Ingenieurbüro für Leitstellentechnik und -planung. Anderer Arbeitgeber, aber kein Branchenwechsel. Anfang 2020 wurde ich zum Prokuristen bestellt und seit Anfang 2021 bin ich Geschäftsführer und Gesellschafter des Unternehmens.
Interview-Fragen
Mein Studium an der FH Gießen-Friedberg in Friedberg habe ich begonnen weil …
… die Nähe vom Wohnort Bad Nauheim zum Campus in Friedberg ideal war und ich keinen Platz im Wohnheim oder eine andere Unterkunft am Studienort suchen musste.
Als ich das erste Mal an die Hochschule kam …
… gab es den Gebäudeteil A1 noch nicht, der Haupteingang lag zur Wilhelm-Leuschner-Straße hin und man musste ein paar Treppenstufen hochsteigen, um ins Gebäude zu gelangen.
Denke ich an Friedberg/Gießen, denke ich sofort an ...
… den Baustil der späten 70er Jahre, der zu meinem Studienbeginn schon etwas in die Jahre gekommen war.
Ein unvergessliches Erlebnis während der Studienzeit war …
… der Ausflug des Labors für Optische Nachrichtentechnik im Sommer 2004 an den Rhein. Mit Schifffahrt bis nach St. Goarshausen, Wanderung durch den Taunus und zum Abschluss Rüdesheimer Kaffee (zum Glück erfolgte die An- und Abreise von und nach Rüdesheim mit der Bahn!).
Mein Lieblingslokal / Lieblingsort in Gießen war …
… gar keins; es hat sich nur selten ergeben, in Gießen oder Friedberg abends wegzugehen.
Unvergessen bleibt für mich …
… Karl-Friedrich Klein als Betreuer zweier Abschlussarbeiten
Vom Lernen konnte man mich sehr gut abhalten mit …
… Feuerwehraktivitäten
Wenn ich heute noch einmal entscheiden könnte würde ich … studieren/oder … werden.
Die Entscheidung zum Elektrotechnik-Studium war richtig und ich würde mich heute nicht anders entscheiden.
Als Tipp für Studierende um die Studienzeit optimal zu erleben …
Nicht nur hinter den Büchern verkriechen, auch das (Studenten-)Leben genießen.
Von meiner Hochschule bzw. dem Alumni-Management wünsche ich mir …
… regelmäßige (jährliche) Alumni-Treffen, z.B. je nach Fachbereich oder Studiengang.
Nach dem Corona-Ärger werde ich (endlich) …
… lange geplante Urlaubsreisen nachholen.
Haben Sie noch Kontakt mit Ihren Mitstudierenden aus Ihrer Zeit, und wenn ja, wie oft?
Einige Facebook-Kontakte
Haben Sie schon Mal nach Ihrem Abschluss die THM/FH Gießen als Gast besucht?
Ja, ist aber schon etwas länger her.
Was denken Sie, wenn Sie sich vorstellen in Ihrer Zeit hätten Sie die Erfahrungen heutiger Studierenden (Online-Vorlesungen usw.) erlebt?
Ich bin froh, dass es während meiner Schul- und Studienzeit keine Pandemiesituation gab, ungeachtet der heutigen technischen Möglichkeiten mit Videokonferenzen, Homeschooling usw. kann das die Lehre in Präsenz und vor allem Laborpraktika nicht ersetzen.
Anmerkung der Redaktion
Durch Zufall (oder gibt es überhaupt Zufälle?) kam der Kontakt zu Herrn Christiansen zustande und durch die vielen verschiedenen Studien- und Berufs-Stationen wollte ich gerne mehr von ihm erfahren.
Ein Professor, den ich zufällig nach dem Erstkontakt mit Herrn Christiansen auf dem Campus in Gießen traf und erwähnte, dass ich demnächst ein Treffen mit Herrn Christiansen zwecks Alumni-Management habe sprach in den höchsten Tönen von ihm. Als ich dann persönlich Herrn Christiansen in Friedberg begrüßen konnte war beeindruckend seine offene, freundliche aber auch klare Art.
Ist es Understatement, dass er sein Wirken als Fachbuchautor gar nicht erwähnte? Wir wissen jedenfalls von folgenden Veröffentlichungen:
- https://www.skverlag.de/buchshop/artikelbeschreibung/kategorie/leitstelle/artikel/handbuch-leitstelle-2-aufl-1.html
- Als Alleinautor (u.a. mit eingeflossenem Wissen aus dem SM-Studium):
https://shop.kohlhammer.de/berechnungen-im-abc-einsatz-34012.html#147=22 - Zurzeit in Entstehung (erscheint noch dieses Jahr):
https://shop.kohlhammer.de/digitalfunk-37836.html#147=22
Ein weiterer Austausch z.B. auch in einem Alumni-Talk ist in Planung und Herr Christiansen hat auch bereits für andere Alumni ein Stellenangebot in seinem Unternehmen IDH-consult an uns weitergegeben.
Wr wünschen Jens Christiansen für die Promotion viel Erfolg, für die nächsten Lebensabschnitte alles Gute
Die Idee mit regelmäßigeren Alumni-Treffen nehmen wir gerne auf und schauen wann wir die E-Techniker nach Friedberg einladen können.