
Herr Professor Dipl.-Ing. Wolfgang Messer - Jahrgang 1939 - ist nicht nur ein emiritierter Professor unserer Hochschule sondern er ist auch einer der klassischen Alumni, denn er hat auch hier studiert.
Damals hieß die THM noch Polytechnikum.
Zu einem Alumni-Gespräch traf sich Professor Messer in Friedberg in der Bib-Lounge mit Klaus Schmidt (MND) und mir (Anke Roos).
Lebenslauf
1939 in Frankfurt am Main geboren
1957 - 1960 eine Lehre in Hanau zum Maschinenschlosser und anschließend
Studium:
1960 – 1963 Studium am Polytechnikum/Ingenieurschule (Umgangssprache „Poly“) Maschinenbau/Betriebsingenieurwesen.
Damals wurden von 600 Bewerbern 60 nach einer 3tägigen Aufnahmeprüfung aufgenommen.
Die Voraussetzung für das Hauptstudium waren das Bestehen des Vorexamens und der psychologischen Eignungstests für den REFA-Schein. Während der Semesterferien hatten Studierende außerdem die Möglichkeit, Schweißergrundscheine zu erlangen.
Innerhalb des Studiums hat Herr Messer auch die Prüfung zum „Schweißfachingenieur“ am Poly abgelegt.
1961 legte Prof. Messer über den DAAD (Deutschen Akademischen Austausch Dienst) in den Semesterferien ein dreimonatiges Auslandspraktikum in der türkischen Zuckerfabrik in Turhal ab.
1963 Examen Betriebsingenieur und Schweißfachingenieur
Erlangung der Hochschulreifeprüfung zusammen mit Günter Stern (s. Foto)
1963 – 1966 als selbständiger Konstrukteur bei Fried. Krupp Kranbau Wilhelmshaven, Werft-, Hafen-, Hüttenwerkskrane (den Neigungen folgend, berufliche Festlegung)
1966 – 1970 als Stipendiat des Friedrich Krupp Begabten-Fonds an die TH Darmstadt, Studium (allg. Maschinenbau), Diplomarbeit in Fördertechnik bei Prof. Dr. R. Neugebauer
1970 – 1971 Umsetzung der Diplomarbeit in Südafrika bei der Firma H.R. Lasch und Fa. ISCOR (Iron and Steel Corporation, heute Arcelor Mittal): Baukastensystem von einheitlichen Triebwerken für Hub-, Dreh- und Fahrwerken von Hüttenwerkskranen im metrischen System, als Werksnorm noch heute gültig. Umstellung des Stahlwerkes von Britisch Standard (BS) ins metrische System (SI, DIN).
Der Monats-Verdienst betrug 2.000,-- DM.
1971 – 1972 Statiker bei Friedr. Krupp Kranbau/Wilhelmshaven, Statik und Festigkeit von Brücken-, Portal- und Drehkranen bis zur Berufung an den Fachbereich M Bereich FB + GI zusammen (Prodekan war Professor Groetsch in Friedberg)
1972 – 2005 am „Poly“ bzw. FH

Ab 2005 bis 2019 Lehrbeauftragter im Fachbereich M u.a. auch in Fördertechnik, die alle wichtigen Gebiete des Maschinenbaus integriert: Antriebstechnik, Betriebsfestigkeit, CAD, FEM, Maschinenelemente.
1974 und 1981 war Herr Messer 4x für je 3 Monate in Südafrika, Fortsetzung und Ergänzung der in der Diplomarbeit begonnen Arbeiten.
Professor Messer hat sich auch in der Selbstverwaltung sehr engagiert und verschiedene Funktionen wahrgenommen.
1976 – 1977 zunächst Vertreter für den Bereich Friedberg, dann Fachbereichsleiter des dann selbständigen Maschinenbaufachbereichs in Friedberg
1987 – 1988 Prodekan des Fachbereich MP
1989 – 1990 beauftragter Dekan des Fachbereichs MGW, mehrfache Umzüge in der Amtszeit eines „peniblen Rektors“, Einstellung von Fr. Briesen, insgesamt 4 Fremd- und Weiterberufungen
Die Forschung und Entwicklung im Rahmen wissenschaftlicher und industrieller Beratungen auf seinen Fachgebieten „Fördertechnik“, „Leichtbau“ sowie "Maschinenelemente" (ein wichtiger Bestandteil. Herr Professor Messer hat auch) führten zu zahlreichen Patenten (in diesen Gebieten).
Fragenkatalog
Was hat Sie dazu bewogen, ein Studium an der THM /FH Gießen-Friedberg bzw. damals Polytechnikum („Poly“) anzutreten?
Das Friedberger Poly hatte einen sehr guten Ruf.
Denke ich an Friedberg, denke ich sofort an...
... den „Friedberger-Geist“.
Was war Ihr Lieblingslokal oder Ihr Lieblingsort in Gießen/Friedberg?
Abends um 17:00 Uhr ging mein letzter Zug … da war nicht viel mit Lokal-Besuchen.
Was hat Sie besonders geprägt: Welcher Dozent/Professor, welches Studienangebot?
Die Studienbereiche Maschinenbau, Stahlbau, Schweißtechnik
Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten? Hübsche Mädchen!
Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal entscheiden könnten?
Was mich heute immer noch interessiert: Geschichte, technische Geschichte.
Haben Sie ein Lebensmotto und wenn ja verraten Sie uns dieses?
Optimistisch - Menschen immer optimistisch begegnen und selber optimistisch bleiben.
Welchen Tipp haben Sie für Studierende um die Studienzeit optimal zu nutzen?
Friedberg lenkt nicht ab. Zeit ist nicht nur Geld. Studiendauer + Notenschnitt = Qualität!
Gibt es ein Hobby, das Sie im Studium das sich aufgrund des Studiums entwickelte? Schmiedeeisen
Was war für Sie in dieser Zeit ein unvergessliches Erlebnis?
Es war nicht ein einzelnes Erlebnis, sondern die Arbeit im Fachbereich
und im speziellen die sehr gute Zusammenarbeit mit Professor Grötsch (s. Foto).
Die gemeinsamen auch privaten Aktivitäten wie beispielsweise Ski-Urlaube.
Was wünschen Sie sich von Ihrer Hochschule bzw. dem Alumni-Management?
Dass der Fachbereich M den Friedberger Geist bewahrt.
Wir waren ein starker Fachbereich: Maschinenbau und Produktionstechnik
-> Maschinenbau, Gießerei- und Werkstofftechnik
-> Produktionstechnik und Wirtschaftsingenieurwesen bildeten dann den Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen und Produktionstechnik
Gibt es ein besonderes Buch, das Sie empfehlen können?
Hitlerwetter: Das ganz normale Leben in der Diktatur: Die Deutschen und das Dritte Reich 1938/39
Gebundene Ausgabe – 21. März 2022 von Tillmann Bendikowski (Autor)
(Besonders das Kapitel 5)
Haben Sie noch Kontakt mit Ihren Mitstudierenden aus Ihrer Zeit?
Ja, z.B. mit Karl-Heinz Degen .
Anmerkung des Alumni-Managements
Das Wort „Glück“ stand zu Beginn unseres Gesprächs im Raum und auch jetzt in der Nachbetrachtung kann ich nur vom Glück sprechen, das die Hochschule hatte und hat mit Professor Messer als Lehrkraft, Gestalter und Menschenfreund. Ich persönlich freue mich sehr Herrn Messer bei seinem Alumni-Treffen zum 50jährigen Abschluss-Jubiläum kennengelernt zu haben.
Professor Messer ist in seiner Freizeit Jäger und passionierter Waldhorn-Bläser.

Die letzte Abschlussarbeit betreute er gemeinsam mit seinem Sohn 2018 (siehe Bild).
v. links: Prof. Dr.-Ing. Markus Messer, Christoph Grammig (B. Eng.), Prof. a.D. Wolfgang Messer
Insgesamt hat Professor Wolfgang Messer mehr als 92 Semester am „Poly“ bzw. jetzt THM gelehrt und sich eingebracht. Bei seiner Verabschiedung von Prof. Messer an der THM bescheinigte ihm der damalige Dekan, Prof. Dr. Breuer „überdurchschnittliches Engagement, hervorragende fachliche Qualitäten, eine stets positive Art und die Fähigkeit, junge Leute für das Studium zu motivieren. Qualitativ haben Sie bereits sehr früh sehr hohe Maßstäbe im Fachbereich gesetzt.“
„Quantitativ wird Ihnen aber bestimmt niemand mehr Platz eins streitig machen. 46 Jahre Lehre entsprechen 92 Semestern oder cirka 13 Generationen von Studierenden.“
Mit viel Elan, offenem Blick und einem freundlichen Lächeln kam Herr Messer in die Bib-Lounge. So habe ich ihn immer an der THM erlebt. Positiv strahlend und interessiert an seinem Gegenüber. Leider hatten wir diesesmal nicht so viel Zeit für unser Gespräch - ich freue mich schon auf eine Fortsetzung und das nächste Treffen.