
Prof. Dr. Bettina Just - erste Mathematik-Professorin im Fachbereich MNI -
entsprach äußerlich nicht dem klassischen Bild des Mathe-Profs.
Mathe (und überhaupt Strukturen) zu durchdringen ist ihr Ding
Ein kurzer Steckbrief
Mit 27 Jahren bereits in Mathematik promoviert (ohne die zwischenzeitliche Geburt des ersten Kindes wäre dies sogar mit 26 gewesen) an der Goethe-Uni in Frankfurt.
Beste naturwissenschaftliche Dissertation des Jahres, weil ich eine 120 Jahre alte mathematische Fragestellung (mit neuen Methoden aus der Informatik) gelöst habe!
Normalerweise ist mit diesem Abschluss und Auszeichnung ein Weg in der Forschung zu erwarten.
Dann folgte bei Bettina jedoch ein eher klassischer Weg für Frauen: Heirat, 2 Kinder.
Eine Forschungskarriere war nicht planbar mit zwei Kindern daher wurde es eine Stelle in einer Versicherung.
Männer in dieser Situation hätten vermutlich gesagt: klar mach ich Hochschulkarriere. „Für mich war das aber damals nicht denkbar mit 2 Kindern“
Vorteil für die Industrie-Tätigkeit war allerdings: Lernen wie Management funktioniert. „Ich bereue es nicht.“
Je nach Umfeld war ich die Informatikerin unter Mathematikern oder Mathematikerin unter Informatikern.
Als das jüngste Kind Abitur hatte, wollte ich mich auch beruflich verändern. Ein Freund: „Bewerb dich bei Fachhochschulen“. FHs hatte ich bis dahin nicht auf dem Schirm, aber er hatte ja so recht. Ich habe gleich den Ruf der damaligen FH Gießen-Friedberg erhalten, und die Arbeit dort ist mir immer noch Berufung, nicht nur Beruf :)
Fragenkatalog
Gab es als Prof. ein besonderes Erlebnis, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist (ob lustig oder besonders prägend und egal ob mit Studis oder Kollegen)?
- Hilfsbereitschaft im Kollegenkreis ist besonders hervorzuheben.
Es gibt immer jemanden der einem hilft bei Fragen oder Problemen und dies von Anfang an.
Ein lustiges Erlebnis: war eine Vorlesung der Diskreten Mathematik von mir, in der mich die „Tafelblindheit“ befiel:.
Ich erklärte die Fibonacci-Folge, bei der die nächste Zahl immer die Summe der beiden vorherigen ist und begann die Folge der Zahlen an die Tafel zu schreiben:
1 , 2 , 3 , 5 , 8 , ...
1 + 2 = 3 ….
2 + 3 = 5
3 + 5 = 8
5 + 8 = ?
„tafelblind“ ⇒ 5 + 8 = 11 ⇒ ein Raunen im Hörsaal
Die 11 auf 12 korrigiert ⇒ ein Moment absoluter Stille im Hörsaal und dann auf einen Schlag ein schallendes, herzhaftes Gelächter XD.
So eine freundliche und angenehme Atmosphäre in einer Gruppe von fast 200 Menschen.
Gemeinsam mit Thomas Letschert habe ich eine Vorlesung entwickelt „Kategorien-Theorie“ (kurz „Cats“):
- Ein Student fragte, ob ich mich damit auskenne, das Thema würde ihn sehr interessieren. Ich kannte mich überhaupt nicht aus.
- Thomas Letschert initiierten daraufhin den LCCNT-Tag (Lambda-Calulus, Cats and Nerdy Talk), in der Projektwoche, aus dem der Beschluss erwuchs, eine Veranstaltung über ein ganzes Semester zu machen.
- Im ersten Termin erklärten wir den Studis „Wir lehren Kategorien-Theorie und kennen es auch noch nicht“
- Es war ein wunderbares Miteinander, die Studis waren hoch motiviert und es gab eine gute Fehlerkultur.
Zum Ende sagte ein Studi „es war spannend, und auch faszinierend zu sehen, wie Thomas Letschert und Bettina Just lernen.“
Gibt es einen Tipp, den Sie heutigen Studis geben können.
- Vertraue auf die eigenen Fähigkeiten.
Finde die Wege. (Wer will findet Wege -, wer nicht will, findet Gründe) - Fleißig sein!
Was trieb Dich an, das Buch zu schreiben?
Die Freude daran, das Thema so gut durchdrungen zu haben, dass es ganz leicht erklärt werden kann. Und die Tatsache, dass ich vom Springer-Verlag während eines Vortrags über Quantencomputing angesprochen wurde mit dem Vorschlag, ein Buch zu schreiben :).
(Wo siehst Du) die THM in der Zukunft
In 3 Jahren werde ich pensionert. Die Jungen müssen also ran. Ich hoffe bzw. glaube, dass die THM die eigenen Stärken ausbauen muss. Auch gerade die Praxisnähe zum Mittelstand, und die Fähigkeiten in der Lehre.
Kannst Du dich daran erinnern, als Sie das erste Mal an die Hochschule kamen?
Der Probevortrag an der THM bei der Bewerbung auf die Professur. Es hat mir so viel Spaß gemacht – zum Glück nicht nur mir, sondern auch den Studierenden.XD
Womit konnte bzw. kann man Sie vom Lernen abhalten?
Das ist schwer, ich bin neugierig und will immer neue Dinge verstehen. Die Schönheit der Mathematik wird wohl nie aufhören, mich zu begeistern, und es gibt da auch nach Jahrzehnten immer noch so viel zu entdecken. Aber meine Kinder und jetzt Enkelkinder können mich schon vom Lernen abhalten
Gibt es ein Hobby, das Sie im Studium weitergebracht hat oder sich dort entwickelte?
Vor allem natürlich die Mathematik, die ist mein Hobby, seit ich denken kann 😉.
Weitere Hobbies sind aktuell das Skatspiel, und ich besichtige gerne Dome mit ihrer faszinierenden Architektur.
Gibt es ein besonderes Buch, das Sie empfehlen können?
„Das Spinoza-Problem“ von Irvin D. Yalom und „Das Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben.
Was sind Ihre nächsten Pläne (Beruflich, Reisen, ..…)
- Erstmal das Semester gut zu Ende bringen – das Wintersemester ist immer etwas verschärft.
- die zweite, erweiterte Auflage des Buchs schreiben
- viel Zeit mit den Kindern und Enkeln verbringen
Ach ja und einen Workshop über Quantencomputing in Frankfurt am Main bei den „IT-Tagen“ im Dezember
Was für eine Veranstaltung sollte vom Alumni-Management organisiert werden?
Vielleicht eine Exkursion zur Experiminta in Frankfurt?
Anmerkung des Alumni-Managements
Bettina Just kenne ich noch aus meiner Tätigkeit im Fachbereich MNI als offen für Neues, freundlich und klar im Auftreten und ihren Ausführungen.
Aussagen von Bettina Just, die sie gleichzeitig sehr gut beschreiben:
- Ich liebe meinen Beruf – meine Berufung.
- Es macht viel Spaß mit den Studis – mir, aber zum Glück anscheinend auch den Studierenden :). .
- Mathe (und überhaupt Strukturen) zu durchdringen ist mein Ding
Prof. Dr. Bettina Just hat das Netzwerk „Quanten an HAWs“ mitgegründet und
beim Hasso-Plattner-Institut hat Dr. Bettina Just mit Ihrem Kurs „Einführung in das Quantencomputing“ mittlerweile über 7.000 Hörer.
Weiterführende Links zum Thema: