Dr Kolbe

Professor Dr. Peter Kolbe
Ein bewegtes Leben eines unserer Alumni. 
Herr Professor Dr. Peter Kolbe ist ein besonders gutes Beispiel für „lebenslanges Lernen.“

Peter Kolbe, geboren 1939 in Spremberg (Brandenburg); 1945 Flucht in den Westen; 8 Jahre Volksschule auf einem Dorf bei Hameln; Bauschlosserlehre (mit Gesellenbrief); Mathematik-, Physik- und Chemiekurse an der Volkshochschule Hameln, Studium des „Konstruktiven Ingenieurbaus“ an der damals noch Staatlichen Ingenieurschule in Gießen.
Als Bauingenieur in der Entwicklungsabteilung des Baukonzerns Wayss & Freytag AG in Frankfurt erlebt Kolbe 1967/68 die erste große Nachkriegsrezession, von der die Bauwirtschaft besonders hart betroffen wurde. Seine Frage „In welche Branche habe ich da hineingeheiratet?“ führt ihn in die Fachpresse, wo er Antworten auf seine Frage erhofft. Als Chefredakteur erfährt er zunächst, dass in der Fachpresse vorwiegend Nichtfachleute arbeiten. Kolbe recherchiert die große Abhängigkeit der Bauwirtschaft von politischen Entscheidungen. Von den Infrastrukturmaßnahmen als Basisleistungen für eine funktionierende Volkswirtschaft entfallen über 80% auf Bauaufgaben (Verkehrswegebau, Energieversorgung, Wasserver- und –entsorgung etc.). Und Monopolauftraggeber für diese Bauaufträge ist die Öffentliche Hand – vom Bürgermeister bis zum Bundeskanzler. – Aber das interessiert die traditionellen Baufachverlage nicht („Minister geben keine Anzeigen“).

Peter Kolbe – der zunächst an der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt München eine zweite Ingenieurprüfung als Schweißfachingenieur ablegt -- gründet einen eigenen Verlag und gibt das erste deutsche Ingenieurmagazin (bauanalysis – Ingenieurmagazin für das Bauwesen) heraus. Interviews mit Bundesministern und öffentlichen Instanzen bilden ein umfassendes Bild der „politischen Gemengelage“. Als Highlight gilt das erste Exklusiv-Interview eines Bundeskanzlers (Helmut Schmidt) als obersten Entscheidungsträger für Infrastrukturaufgaben mit einem Fachjournalisten -- Peter Kolbe (Helmut Schmidt Bibliographie 1947-2008. Wiesbaden, 2008, S. 248, Nr. 3327).

Eine Rezession hatte Peter Kolbe in den Journalismus geführt. Durch eine weitere Rezession – ausgelöst durch eine gravierende Ölpreiserhöhung infolge des Jom-Kippur-Krieges im Nahen Osten – musste Kolbe sein Ingenieurmagazin aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen. – Aber das Wirken Kolbes war an den Universitäten nicht unbemerkt geblieben. Und so holte der neue Lehrstuhlinhaber für „Bauwirtschaft und Baubetrieb“ an der TU Braunschweig, Prof. Dipl.-Ing. Klaus Simons (vormals Auslandsdirektor der Hochtief AG), Kolbe als „Persönlichen Assistenten“ an seinen Lehrstuhl, wo er -- unterbrochen durch Auslandsbaustellen-Einsätze in Saudi-Arabien und Algerien – nebenher ein Studium der Politik-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaft absolvierte und mit einer interdisziplinären Dissertation „Der Beitrag einer eigenständigen Bauwirtschaft zur Überwindung von Unterentwicklung in der Dritten Welt“ zum Dr. rer. pol. (Doktor der Staatswissenschaften) promovierte.

1995 wurde Peter Kolbe in eine Professur an die „Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin“ berufen. Hier war Kolbe u.a. als Landesvorsitzender des Hochschullehrerbundes hlb von Berlin für sieben Hochschulen mit 825 Professorinnen und Professoren zuständig. Weiterhin hat er einen „Hochschulverbund für Bauwirtschaft und Baubetrieb“ ins Leben gerufen, an dem sich hochschul- und länderübergreifend drei Universitäten und zwei Fachhochschulen aus Berlin und Brandenburg beteiligt haben und wo die Studenten der beteiligten Hochschulen je Semester gemeinsam an jeder der Hochschulen eine Tagesvorlesung zu absolvieren hatten. – Mittlerweile ist Prof. Kolbe emeritiert und arbeitet ehrenamtlich im „Deutschen Journalisten-Verband DJV“ mit. Sein besonderer Einsatz gilt den in muslimischen Ländern zum Tode verurteilten Studenten und Journalisten, für deren Begnadigung er sich einsetzt.