Kenneth Schilbe hat in Friedberg sein Maschinenbau-Studium (Bachelor und Master) erfolgreich absolviert. Wie viele Alumni der THM hat er zuvor aber auch bereits eine Ausbildung abgeschlossen und die Technikerschule besucht. ktuell ist er bei einem Weltmarktführer in Weilburg beschäftigt
Das Interview hat Anne Mittmann vom International Office geführt und diente auch der Vorbereitung auf den "Alumni Career Talk"am 20.11.2025
Lebenslauf
- Fluggerätmechaniker, Instandhaltungstechnik
- Technikerschule
- Maschinenbauingenieur
Konstruktion / Leichtbau - BE und Maschinenbau / Mechatronik - MS - Mechanical Design Engineer
Interview
„Sichtbar werden, Chancen nutzen, dranbleiben“
Ein Gespräch mit Kenneth Schilbe, Entwicklungsingenieur bei KLA
Herr Schilbe, Sie haben Maschinenbau im Bachelor und Master an der THM am Campus Friedberg studiert und sind heute Entwicklungsingenieur bei KLA, Weltmarktführer im Bereich der Wafer-Kontrolle, in Weilburg. Wollten Sie schon immer in die Halbleiterindustrie?
Wollten Sie schon immer in die Halbleiterindustrie?
Ich habe nach meinem Realschulabschluss bei Lufthansa-Technik drei Jahre lang als Fluggerätemechaniker gelernt und ein Jahr dort gearbeitet. Ich war hauptsächlich international auf Station, immer mehrere Monate auf verschiedenen Flughäfen in der ganzen Welt. Danach habe ich zwei Jahre lang meinen Techniker und auch mein Fachabitur in Butzbach gemacht. Erst danach habe ich angefangen, Maschinenbau in Friedberg zu studieren. Mein Traum war es, Auditor beim Luftfahrtbundesamt zu werden. Aber Träume ändern sich, und die Halbleiterindustrie boomt. Vor allem jetzt, wo es der Automobilindustrie schlechter geht, ist die Halbleiterindustrie ein attraktiver Arbeitgeber.
Was hat Ihnen im Studium besonders geholfen?
Maschinenbau ist kein Spaziergang, das kann man nicht so nebenbei studieren. Das muss man wollen. Meine erste Mathematikvorlesung werde ich nie vergessen. Der Dozent kam rein, hat sich umgeguckt und den Saal imaginär geteilt: „Die eine Hälfte wird das erste Semester nicht schaffen, ein Viertel wird die Prüfung nicht bestehen und ein Viertel kommt durch.“ Da hat er mich an meinem Ehrgeiz gepackt, so viel war klar. Ich wollte unbedingt im letzten Viertel sein. Besonders geholfen hat mir dabei meine Lerngruppe. Wir haben mehr oder weniger zusammengelebt, so viel Zeit haben wir miteinander verbracht. Wir haben uns gegenseitig motiviert, angespornt, unterstützt. Da sind Freundschaften fürs Leben entstanden. Und vielleicht noch ein ganz konkreter Tipp: Wir saßen immer in der ersten Reihe. Ganz egal bei was, ganz egal wo. Wir saßen vorne, wir haben alles mitgekriegt, und wir konnten die Fragen der Professoren in der Regel auch beantworten. Man muss sich melden, sonst wird man nicht gesehen und verpasst Chancen. Ich bin ein offener Mensch, mir fällt das nicht so schwer. Andere müssen das üben. Im Studium haben wir Zeit und Raum, uns zu entwickeln. Es gibt Menschen, die sehr ungern vor anderen reden. Es muss aber sein. Ich muss trotzdem Präsentationen halten, mich melden, mal nach vorne gehen. Das Studium ist ein Trainingsfeld für Kommunikation. Wer dort lernt, seine Leistung zu zeigen, hat im Berufsleben einen echten Vorteil.
Hat Sie das Studium gut auf Ihren Job vorbereitet?
Fachlich auf jeden Fall, aber auch menschlich. Als Entwicklungsingenieur bei KLA brauche ich Informationen, um meine Projekte erfolgreich abschließen zu können, und diese Informationen kommen nicht von selbst angeflogen. Also muss ich mit den Menschen sprechen und Beziehungen pflegen, um meine Arbeit machen zu können. Gleichzeitig gibt mir das Sicherheit: Wenn ich transparent kommuniziere, was ich tue, sind alle auf dem neusten Stand. Es gibt natürlich Einzelkämpfer, wie überall, aber ich bin überzeugt, dass ein gutes Netzwerk das A und O ist. Und das baut man sich schon im Studium auf. Meine Werkstudentenstelle bei ABB Robotics habe ich auch deshalb bekommen, weil ein Kollege von mir dort schon gearbeitet hat. Und auch heute habe ich ein Netzwerk mit Freunden und Bekannten, mit denen ich mich fachlich austauschen kann. Das hilft enorm.
Sie sind aber nicht bei ABB Robotics geblieben, sondern nach dem Studium zu KLA gegangen. Wie ist es dazu gekommen?
Während meiner Masterarbeit hat die THM eine Online-Jobmesse organisiert, und ich habe dort meinen CV hochgeladen. KLA hat mich daraufhin kontaktiert und mich zum Gespräch eingeladen. Ich kannte KLA zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mir war nicht klar, dass ein Weltmarktführer der Halbleiterindustrie in Weilburg zwischen Acker und Wald sitzt. Und ich war auch unsicher, ob das wirklich das Richtige ist. Aber da sieht man auch wieder, wie wichtig gute Freunde sind. Mein Kollege hat gesagt: „Geh hin, hör es dir an, absagen kannst du immer noch.“ Das war am Ende die beste Entscheidung.
Was genau macht KLA – und was ist Ihre Rolle dort?
Ich bin Design Ingenieur für Hardware. Ich entwickle alles, was man physisch sehen kann. Mittlerweile sind das keine kleinen Brackets mehr, sondern ich bin auch im Schaltschrank und der Maschine selbst unterwegs. Wir legen wirklich Wert auf beste Qualität. Es geht immer darum, etwas zu optimieren. Dafür muss ich mit allen Fachabteilungen, den Projektleitungen, den Suppliern, Purchasing, Manufacturing, mit den Kunden und auch mit den Elektrikern sprechen, damit das Produkt am Ende stimmt und einen Mehrwert generiert. Und auch nicht nur in Deutschland. KLA kommt aus dem Silicon Valley und ist Weltmarktführer für Chip-Inspection-Tools, beziehungsweise Wafer-Inspection – also Maschinen, die die Qualität und Struktur von Halbleitern prüfen. Wir haben einen Marktanteil von über 80 %, weil Firmen wie Samsung oder Intel unsere Kunden sind. Dabei produzieren wir keine Chips per se, sondern wir sorgen dafür, dass das digitale Layout auf die Wafer kommt. Wir haben Kunden weltweit, also arbeite ich mit Teams weltweit – in den USA, Israel, Dänemark, Japan. Am Ende liegt die Verantwortung bei mir, dem Kunden ein finales, einsatzbereites Produkt zu liefern. Dafür brauche ich fachliches Knowhow, aber auch Soft Skills wie interkulturelle Kompetenz und entsprechende Sprachkenntnisse. Bei uns kann man nie sagen „Ich habe ausgelernt, jetzt weiß ich alles.“ Es gibt immer noch Entwicklungsmöglichkeiten.
Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit?
Den Gestaltungsspielraum und die Vielfalt. Ich kann meine Ideen einbringen und Projekte von Anfang bis Ende begleiten. Aber man muss auch liefern. In internationalen Unternehmen heißt es oft „learning by doing“. Einarbeitung kostet Zeit und Geld – also muss man früh Verantwortung übernehmen und proaktiv in den Job reingehen, auch wenn der Stresspegel steigt. Meine Ausbildung bei Lufthansa hat mir geholfen, mit Druck umzugehen. Dort war der Ton oft sehr direkt, da bekommt man ein dickes Fell. Genau das braucht man auch in der Industrie. Ich habe zum Glück ein super Team, das von meiner damaligen Chefin aufgebaut wurde. Sie hat viel Wert auf gute Zusammenarbeit gelegt und die Potenziale und Charaktere der einzelnen Teammitgliedern so erfolgreich aufeinander abgestimmt, dass wir als High Performance Team ausgezeichnet worden sind.
High Performance klingt nach großer Auszeichnung, aber auch nach viel Arbeit. Lassen sich Beruf und Privatleben gut vereinen?
Es ist wichtig, seine Prioritäten zu kennen und entsprechend zu setzen. Ich arbeite viel, aber ich habe auch Elternzeit genommen – das war mir wichtig. Wenn es privat gut läuft, läuft auch der Job besser. KLA hat das verstanden: Ein Unternehmen funktioniert nur, wenn es den Menschen darin gut geht.
Was raten Sie Studierenden oder Berufseinsteigern?
Hängt euch rein, organisiert euch und bleibt authentisch. Ich kann mich nicht auf Dauer verstellen, auch nicht im Vorstellungsgespräch. Sonst wirke ich verkrampft, und das macht keinen guten Eindruck. Ganz wichtig finde ich auch, das eigene Hirn einzuschalten und Dinge selbst anzugehen. Es wird niemand kommen, der die Arbeit für mich macht, also muss ich selbst kümmern und zeigen, was ich kann. Aber nicht falsch verstehen: Einzelkämpfer haben es in der Regel viel schwerer. Deshalb ist es so wichtig, Kontakte zu pflegen und Netzwerke aufzubauen. Das hilft immer, ganz egal ob im Job, in der Uni, oder privat.
Was wünschen Sie sich vom Alumni Service der THM?
Ich finde es super, wenn der Alumni Service echte Karrierewege von echten THM-lern sichtbarer macht und zeigt, was man mit einem Studium an der THM alles erreichen kann. Einfach als Inspiration für die nachkommenden Generationen. Es studieren und arbeiten so unterschiedliche Menschen an der THM, da gibt es eine große Vielfalt. Aber wir alle sind, oder waren, an der THM und diese Gemeinsamkeit finde ich wichtig.
Das komplette Interview finden Sie als PDF hier
Wir freuen uns schon auf den - Alumni Career Talk mit Kenneth Schilbe am 20. November 2025, von 13:30 Uhr - 14:00 Uhr