
Manisha Shrestha hat Biomedizinische Technik im Bachelor und Master am Campus Gießen studiert. 2022 erhielt sie den Reza-Mehran-Preis und den Women in STEM-Award des Zonta-Clubs Burg Staufenberg-Gießen in Kooperation mit der THM für ihre außerordentlichen Studienleistungen und ihr soziales Engagement. Seit ihrem Masterabschluss im Jahr 2023 promoviert Manisha Shrestha am Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz (IMPS) in der Arbeitsgruppe von Prof. Boris Keil.
Überblick
geb. 1995 in Kathmandu, Nepal
- B.Sc. Biomedizinische Technik
- M.Sc. Biomedizinische Technik
- Doktorandin am Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz (IMPS)
- Preisträgerin des Reza-Mehran-Preis 2022
- Preisträgerin des 1. Women in STEM-Awards des Zonta-Clubs Burg Staufenberg-Gießen
- Mitglied im Rotaract Club Gießen von 2021-2023
Interview
Liebe Manisha, du hast deinen Bachelor in Biomedizinischer Technik sehr erfolgreich abgeschlossen und auch direkt den Master angehängt. Heute promovierst du in der Arbeitsgruppe von Professor Boris Keil. Wie kam es zu deiner Studienwahl?
Ich wusste lange nicht, dass es den Studiengang Biomedizinische Technik überhaupt gibt. Das ist so speziell, darauf wäre ich selbst nicht gekommen. Mein Ziel war ein Medizinstudium. Schon in Nepal habe ich mich darauf vorbereitet und Deutsch gelernt. Nach meinem Studienkolleg an der Goethe-Universität habe ich mich in ganz Deutschland für ein Medizinstudium beworben. Aber meine Noten war leider nicht perfekt genug (lacht). Es klappt nicht alles im Leben. Freunde aus dem Studienkolleg haben schon Biomedizinische Technik an der THM studiert und mir geraten, mich auch zu bewerben. Sie haben gewusst, dass mir Mathe und Physik am meisten Spaß machen. Sie haben gesagt: „Das hat auch etwas mit Medizin zu tun, aber weniger mit der Pflege, mehr mit der Hardware im Hintergrund.“ So habe ich mich für BMT entschieden.
War es die richtige Entscheidung?
Heute bin ich froh, dass es mit Medizin nicht geklappt hat. In Nepal war klar: Ich bin gut in der Schule, also studiere ich Medizin. Aber in dem Fach muss man viel auswendig lernen, und das mache ich nicht so gerne. Auch meine Forschung macht mir großen Spaß. Schon in der Schule waren meine Lieblingsfächer immer Mathematik und Physik. Deshalb hat mir mein Studium immer sehr viel Spaß gemacht. Vor allem der Schwerpunkt auf die Technik, weniger auf die Medizin, war gut für mich. Das Handwerkliche daran mag ich sehr. Natürlich bin ich auch froh, gerade hier in diesem Labor arbeiten und forschen zu dürfen. Ich war schon mit Professor Keil in Boston, aber unser Labor hier an der THM ist besser ausgestattet. In unserer Branche ist der Fachbereich weltweit aktiv und bekannt. Vor allem weil wir Babyspulen bauen, bei denen die Babys wach bleiben können und wie in einem Maxi Cosi liegen. Viel Networking geht natürlich über Professor Keil. Er hat Kontakte nach Chicago, Stanford, New Orleans und Boston. Aber auch zu Kliniken in Deutschland, wie dem UKGM in Gießen.
Wann hast du dich dafür entschieden, zu promovieren?
Ich habe meinen Doktorvater Prof. Boris Keil im Bachelorstudium kennengelernt. Nach der Prüfung in Electronic Circuits im 2. Semester hat er mir angeboten, als studentische Hilfskraft in seinem Team zu arbeiten. Das war die große Chance. Ich dachte, es ist einfach eine Tutorenstelle, aber dann hat er mir alles gezeigt: Wie Drittmittelanträge funktionieren und was wir für andere Leute bauen, und das hat mir noch mehr Spaß gemacht als eine Tutorenstelle. Trotzdem war ich mir nicht sicher. Möchte ich wirklich weiterstudieren, oder doch arbeiten gehen? Dann kam Corona und damit auch eine große Unsicherheit. Meine Arbeit und mein Studium haben mir so gut gefallen und mir Sicherheit gegeben. Also bin ich dabeigeblieben und mich für das Masterstudium eingeschrieben. Ich dachte, das sind ja nur anderthalb Jahre, das ziehe ich durch. Im Master habe ich dann meinen Mentor Mirsad Mahmutovic kennengelernt. Er hat für seine Doktorarbeit an einer Kopf-Spule für ein Humane Connectome (Brain Mapping) Projekt gearbeitet und ich habe ihn dabei unterstützt. Die Frage war: Wie sind die Nervenzellen strukturell und funktionell im menschlichen Gehirn miteinander verbunden? Das war zu der Zeit ganz neu, und noch nie vorher gemacht worden. Die freie Forschung und Recherche bei der Promotion haben mir sehr gut gefallen und als Prof. Keil mich gefragt hat, ob ich nicht auch im MRT-Bereich promovieren will, habe ich zugestimmt.
Worum geht es bei deinem Promotionsthema?
Ich entwickle eine Head-Neck Coil, eine Kopf-Hals-Spule. Meine Spule ist für die Forschung einer Vielzahl von neurodegenerativen Erkrankungen wie Zerebralparese (CP) gedacht. Meine Kopf-Hals-Spule soll MRT-Bildgebung mit großes Sichtfeld und hohe Auflösung ermöglichen. Beim herkömmlichen MRT wird meistens nur das Gehirn gezeigt. Das Besondere an meiner Spule ist, dass Gehirn und Rückenmark gleichzeitig untersucht werden können. Im Labor bauen wir jede Spule von 0. Es ist alles Handarbeit. Jedes kleine Detail, alle Kondensatoren werden von Hand gelötet. Bei meinem Projekt sind die 3D-Designs bereits fertig.
Rückblickend wirkt alles wie aus einem Guss: Studienkolleg, Bachelor, Master, PhD… Was ist dein Erfolgsrezept?
Ja, wenn ich zurückblicke, sieht alles sehr glatt aus. Aber in den jeweiligen Momenten war alles neu und sehr aufregend. Meine Freunde waren auf meinem Weg wirklich sehr wichtig. Ich war schon früh selbstständig und habe viele Entscheidungen eher mit meinen Freunden als mit meiner Familie besprochen. Wir haben gemeinsam das Studienkolleg besucht, gemeinsam den Bachelor angefangen. Natürlich habe ich mich auch oft sehr gestresst und viel gearbeitet. Aber das Wichtigste war, dass ich etwas gemacht habe, dass mir wirklich Spaß gemacht hat. Ich glaube, man kann nur wirklich gut in etwas sein, dass einem auch Freude macht.
Was würdest du heute Menschen raten, die gerne studieren wollen?
Such dir jemanden aus den Fachbereichen, mit dem du über den Studiengang reden kannst. Alumni, die schon mehr Erfahrung haben und diese Erfahrung teilen können. Welche Fachbereiche gibt es? Was werde ich lernen? In welchen Bereichen kann ich damit später arbeiten? Das ist wichtig, um eine gute Studienwahl zu treffen und sich über die eigenen Interessen klar zu werden.
Was war deine Lieblingsveranstaltung im Studium?
Meine Lieblingsveranstaltung war Mathematik mit Prof. Metz, er war mein Lieblingsprofessor. Leider fand ich Mikrobiologie nicht so spannend. Das waren Pflichtpraktika und ich wusste, das brauche ich nicht für meine Zukunft. BMT ist so aufgebaut, dass man erst Grundkenntnisse vermittelt bekommt und sich erst dann im fünften und sechsten Semester spezialisieren kann. Mein Mikrobiologie-Praktikum war eine Qual. Ich brauchte die Inhalte für mein späteres Studium nicht, und musste trotzdem alles lernen. Diese Disziplin hilft mir heute bei der Promotion. Niemand sagt mir, was ich zu tun habe. Ich bin frei, und muss mich selbst strukturieren. Freiheit braucht Disziplin und Struktur von innen.
Was hat dir im Studium gefehlt?
Ich wünsche mir mehr Veranstaltungen zum Thema MRT-Forschung und MRT-Grundkenntnissen. Das, was ich für meine Promotion brauche, bringe ich mir selbst bei oder frage Professor Keil. Im Studium haben wir wenig darüber gesprochen. Am liebsten hätte ich ein eigenes Fach MRT. Wenn ich darüber an der Arbeit spreche, sagt Professor Keil immer „Werdet ihr mal fertig, dann könnt ihr das machen“.
Gibt es ein Fach, dass dich ebenfalls interessiert hätte?
Ich habe im Nachhinein gemerkt, wie viel Spaß ich am Programmieren habe, und mich gefragt, ob ich nicht auch Informatik hätte studieren können. Aber ich bin froh, dass ich heute dort bin, wo ich bin. Eigentlich sind immer die richtigen Türen für mich aufgegangen.
Du hast 2022 den Reza-Mehran Preis für deine herausragende akademische Arbeit und dein ehrenamtliches Engagement beim Rotaract Club Gießen gewonnen, einem Ableger des Rotary Clubs. Wie kam es zu deinem Engagement?
Mein erster Kontakt mit Deutschland ist durch eine Kooperation mit dem Rotary Club Speyer und eine Schulreise entstanden. Als ich in Deutschland war und schließlich in Gießen angekommen bin, habe ich den Kontakt zur Rotaract Gruppe Gießen gesucht. Bei Rotaract habe ich bei verschiedenen Aktionen mitgeholfen. Wir haben zum Beispiel einen Gnadenhof bei Laubach unterstützt. Dadurch habe ich gleich Leute in Gießen kennengelernt, das war gut für mich.
Weißt du schon, wie es nach deinem Abschluss weitergeht?
Ich promoviere seit 2 Jahren. Das ist mein Leben. Das bleibt in meinem Kopf. Ich denke die ganze Zeit an mein Projekt. Aber ich habe noch keine konkreten Ideen für die Zeit nach der Promotion. Ich liebe Forschung. Dass ich selbst unabhängig bin und meine eigene Forschung machen kann, das finde ich toll. Aber ich würde auch gerne die Welt der Industrie besser kennenlernen. Wie funktioniert die Arbeitswelt in der Industrie, außerhalb der Hochschule? Vielleicht kann ich beides miteinander verbinden, so wie Professor Keil, der auch mit Firmen wie Siemens zusammenarbeitet. Mein Mentor hat eine schöne Stelle beim Max-Planck-Institut bekommen, einer Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie. Das reizt mich auch. Auf lange Sicht kann ich nicht sagen, ob ich in Deutschland bleibe, aber ich bleibe auf jeden Fall bei den Detektoren.
Jetzt ist die Frage: Was will ich eigentlich im Leben? Glücklich sein? Eine Familie haben. Forschung sehr gerne. Wann ist mein Leben auf einer Höhe, auf der es sich eingependelt hat?
Anmerkung der Redaktion
Eine sehr spannende Laufbahn bisher und wir sind gespannt, wie es weitergeht.
Vielen Dank Manisha für das Interview und auch die Teilnahme am Alumni-Career-Talk am 18. Dezember 2025.
Wer da nochmal reinhören möchte findet hier die Audio-Datei