Franki Tchame hat Wirtschaftsinformatik im Bachelor und Master am Campus Friedberg studiert und wurde 2009 für seine herausragenden akademischen und ehrenamtlichen Leistungen mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet.
Bis heute engagiert sich Franki Tchame als Vorstandsvorsitzender der Kamerunischen Studentengemeinde Friedberg. Seit 2012 ist der Alumnus der Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit als Unternehmensberater im Bankensektor tätig. Als Senior Manager für Financial Services, Digital Transformation und Data Management verantwortet er seit 2024 den Bereich Operational Excellence – Digitalisierung bei auctabis in Frankfurt am Main. 2024 hat er in seinem Heimatort in Kamerun die tsQuared-Academy gegründet: Eine Berufsschule für kosmetische Handwerksberufe mit angeschlossenem Beauty Salon. Franki Tchame ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Bad Nauheim.
Das Interview hat Anne Mittmann vom International Office geführt und diente auch der Vorbereitung auf den "Alumni Career Talk" mit Franki.
Lebenslauf
Jahrgang: 1982
Studium: Bachelor und Master Wirtschaftsinformatik, Campus Friedberg
Tätigkeit: Senior Manager – Financial Services | Digital Transformation | Data Management
auctabis, Frankfurt am Main
Auszeichnungen:
- Alumnus der Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
- DAAD-Preisträger 2009
Ehrenamtliche Tätigkeit: Mitglied der Kamerunische Gemeinde Friedberg (KGFried e.v), ehm. Vorstandsvorsitzender der Kamerunischen Studentengemeinde Friedberg (CASFRI)
Interview
Du hast 2006 dein Studium Wirtschaftsinformatik an der THM begonnen, erst auf Diplom und später im Bachelor und Master. Wie kam es zu deiner Studienwahl?
Ich habe vorher in Kamerun vier Jahre Mathematik studiert. Mathematik war schon immer mein stärkstes Fach, aber das Studium an der Uni Yaoundé I in Kamerun war zu praxisfern. Wirtschaftsinformatik war in Kamerun noch relativ neu und unbekannt. Ich habe mir gedacht, das ist die Zukunft, das muss ich machen. Meine Schwester hat damals in Darmstadt Elektrotechnik studiert, ich hatte also schon einen Kontakt in Deutschland und wusste durch sie, dass die Ausbildung gut ist. Am Studienkolleg in Marburg habe ich den Deutschkurs gemacht und Orientierungsangebote für Studieninteressierte besucht. Das hat mich endgültig in meiner Entscheidung bestärkt.
Seit 2012 bist du als Unternehmensberater tätig und verantwortest aktuell als Senior Manager den Bereich Operational Excellence – Digitalisierung bei auctabis in Frankfurt. Wie ist dir dein Berufseinstieg gelungen?
Entscheidend war mein Praktikum im Bachelor bei zeb im Bereich IT-Entwicklung und Integration. Ich hatte davor schon als Werkstudent im administrativen Bereich gearbeitet, aber bei zeb konnte ich das umsetzen, was ich an der Hochschule gelernt habe und meine Bachelorarbeit schreiben. Ich habe mich dort wohlgefühlt und bin gut betreut worden. Deshalb bin ich auch nach meinem Masterabschluss geblieben, obwohl es auch andere Angebote gab. Als junger Berater habe ich die zeb-Produkte bei Banken eingeführt und Customizing gemacht, das war sehr technisch. Aber mich hat vor allem die fachliche Beratung interessiert. Deshalb bin ich 2016 zu Capco in den Compliance-Bereich gewechselt und habe regulatorische Projekte betreut. Mit meinem technischen und fachlichen Know-how bin ich dann 2019 zu tomoro gegangen mit dem Ziel, datengetriebene Projekte beim Kunden zu realisieren. Das habe ich lange und sehr gerne gemacht, aber irgendwann keinen Fortschritt mehr für mich gesehen. Es gab zwei Optionen: Entweder gehe ich intern zu einer Bank, oder zu einer großen Beratung. Ich habe mich für eine kleine Beratung entschieden, um mehr Gestaltungsfreiheit zu haben und den Bereich Operational Excellence – Digitalisierung aufzubauen. Seit 2024 verantworte ich bei auctabis den Bereich Operational Excellence – Digitalisierung mit allem, was dazu gehört: Akquise der Projekte, Delivery und auch Personalmanagement. Ich bin ein Mann für die Schnittstellen, ich möchte Bereiche miteinander verbinden. Das ist abwechslungsreich und macht mir großen Spaß.
Hat dein Studium dich auf dein Berufsleben vorbereitet?
Ja, auf jeden Fall! Es ist die wichtigste Grundlage, um ins Arbeitsleben einzusteigen. Im Studium bekommt man Werkzeuge an die Hand, um Probleme zu lösen. Dazu kommt aber die eigene Persönlichkeit. Bin ich Verkäufer und gehe gerne raus zum Kunden, oder entwickle ich lieber etwas in Ruhe im Backoffice? Bin ich ein Entscheider, oder möchte ich lieber Entscheidungen umsetzen? Als Unternehmensberater mache ich grundsätzlich keine Überstunden, das ist im Vertrag nicht vorgesehen. Manche Arbeitstage haben 8, andere 10 und manche 12 Stunden. Ich kann mir meine Zeit flexibel einteilen, aber muss für den Kunden gut erreichbar sein. Als Unternehmensberater im Bereich Financial Services habe ich meine Projekte in Städten wie Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf oder München. Wenn wir Projekte in der Schweiz, Österreich oder Frankreich gewinnen, sind wir die Woche über vor Ort. Montags hin, ins Hotel, donnerstags bzw. freitags zurück. Wer darauf keine Lust hat und jeden Tag pünktlich um halb 5 Feierabend machen will, ist in der Branche falsch.
Was hat dir im Studium gefehlt?
Im Studium lernen wir Hard Skills, aber wir brauchen auch Soft Skills, um beruflich weiterzukommen. Soziale Events sind wichtig, da werden die Geschäfte gemacht: Beim Fußball, beim gemeinsamen Essen, beim After Work. Ich muss wissen, wie ich mich in solchen Situationen verhalte, um einen guten Eindruck zu machen und den Kundenkontakt nachhaltig zu pflegen. Stichwort Business Knigge: Da spielen Kleinigkeiten eine große Rolle. Ich verantworte den Bereich Digitalisierung und bin überzeugt, dass viele Dinge dadurch schneller, einfacher, effizienter werden. Aber sind die Menschen, die das Produkt kaufen, die den Input geben und das System verstehen müssen, damit es funktioniert. Deshalb sind menschliche Beziehungen durch nichts zu ersetzen. Ich kann fachlich super sein, aber wenn der Kunde mir nicht vertraut oder mich nicht versteht, komme ich nicht weiter.
Du kommst aus Kamerun und warst lange Vorstandsvorsitzender der Kamerunischen Studentengemeinde in Friedberg. Gab es nach dem Studium auch den Gedanken, zurückzugehen?
Ich hatte nie das Gefühl „ich muss unbedingt weg von Deutschland“. Es gab schon Angebote, zum Beispiel aus der Schweiz, aber durch die Nähe zu Frankfurt hatte ich hier beruflich viele Möglichkeiten. Ich lebe sehr gerne in Bad Nauheim, meine Familie fühlt sich wohl, die Kinder wachsen hier auf. Trotzdem ist uns die Verbindung nach Kamerun und zu unserer Familie dort sehr wichtig. Ich hatte schon lange den Wunsch, eine Brücke zwischen Deutschland und Kamerun zu bauen. Mein Heimatort ist etwa 30 Minuten von Yaoundé entfernt. Es gibt wenig Arbeitsplätze, wenig Geld und wenig Fachkräfte, weil die meisten zum Geld verdienen und Geld ausgeben nach Yaoundé fahren. Deshalb habe ich 2024 eine Berufsschule für Handwerksberufe im kosmetischen Bereich mit Beauty-Salon gegründet: die tsQuared-Academy. Junge Menschen bekommen dort eine fachliche und praktische Ausbildung und können das Gelernte vor Ort direkt anwenden und Geld verdienen. Sie können sich etwas aufbauen und werden finanziell unabhängig. Ich wende das an, was ich in Deutschland gelernt habe: Ordnung, Pünktlichkeit, ein hoher Qualitätsanspruch und gutes Material. THM StudiumPlus hat Tische, Stühle und auch PCs gespendet, um die Berufsschule gut ausstatten zu können. Auf diese Weise kann ich meiner Heimat etwas zurückgeben und habe die Möglichkeit, regelmäßig dort zu sein.
Was wünscht du dir für die nächsten fünf Jahre?
Ich bin bei auctabis aktuell sehr zufrieden und kann viel Erfahrung sammeln. Wenn es klappt, möchte ich mich langfristig selbstständig machen. Dann wäre ich flexibler, alle drei Monate nach Kamerun zu fliegen und mich dort um die Berufsschule, den Salon und meine Verwandtschaft zu kümmern.
Hast du einen Karrieretipp für unsere Studierenden?
Menschliche Kontakte sind alles, die muss man pflegen. An der Hochschule, im Praktikum, als Werkstudent, im Job. Nach 10 Jahren sitzen deine Kommilitoninnen und Kommilitonen als Entscheider in bestimmten Firmen, aber ohne Kontakt ist das Potenzial verloren gegangen. Wenn dich jemand kennt und dir vertraut, ist das eine super Basis für eine Zusammenarbeit. Das gilt auch für ausländische Studierende, die vielleicht nicht in Deutschland bleiben wollen. Im Studium könnt ihr den Grundstein legen für ein Netzwerk in ganz Europa, oder sogar weltweit. Das funktioniert auch digital: Ich musste nicht auf Jobsuche gehen, ich bin von Headhuntern über LinkedIn gefunden worden. Mein LinkedIn-Profil ist immer aktuell.
Wie ist deine Verbindung heute zur THM?
Michael Guckert und ich sind noch gut im Kontakt. Er hat mich damals auf den DAAD-Preis hingewiesen und auch bei der Bewerbung bei der Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit unterstützt und Empfehlungsschreiben geschrieben. Nach dem Studium war der Kontakt erst mal weg, aber wir haben uns zufällig wieder getroffen und sehen uns seitdem regelmäßig. Deshalb auch hier mein Tipp für die Studierenden: Bleibt einfach in Kontakt und zeigt den Leuten, was ihr könnt. Und wenn ihr die Chance bekommt und euch jemand an die Hand nimmt, nutzt diese Chance und sagt Ja.
Kurz nachgefragt
Denke ich an Friedberg…
…denke ich an die THM.
Ein unvergessliches Erlebnis…
…war die Verleihung vom DAAD-Preis. 1000 Euro, Blumen und die Anerkennung vom Präsidenten für meine Arbeit hat mir viel bedeutet und mich weiter motiviert.
Vom Lernen abhalten konnte man mich am besten…
…mit Essen.
Könnte ich mich heute nochmal entscheiden…
…würde ich Wirtschaftsmathematik studieren. Mathematik war mein bestes Fach und Wirtschaft ist immer eine gute Idee.
Vom Alumni-Management wünsche ich mir…
…Kontakt zu anderen Alumni und Studierenden der THM.
Mein Lieblingsfilm…
... ist „Gladiator“; er zeigt, was im Leben alles passieren kann.
Das komplette Interview finden Sie als PDF hier
Wir freuen uns schon auf den - Alumni Career Talk mit Franki Thame am 16. Oktober 2025, von 13:30 Uhr - 14:00 Uhr