
Jakub ist in Bad Nauheim aufgewachsen und hat nach seinem Studium an der THM u.a in Freiburg, Berlin und Gdańsk gearbeitet, sowohl in der Forschung, der Industrie als auch in der öffentlichen Verwaltung.
Überblick:
- Absolvent im Fachbereich Maschinenbau (M) - Schwerpunkt Energie- und Antriebstechnik
2008 Diplomarbeit bei Prof. Dr.-Ing. H. Minkenberg, Prof. Dr.-Ing. K. Thielen war Korreferent. - 2016 Promotion TU Berlin. Thema: „Intellektuelles Kapital für die Zusammenarbeit in Industriellen Produkt-Service Systemen"
Lebenslauf
Bereits früh zeigte sich eine mathematische Begabung bei Jakub. Da er aus einem Nichtakademiker-Haushalt kommt, haben ihm nach dem Abitur die Netzwerke bzgl. der Orientierung und Beratung bei der Studienwahl gefehlt.
So entschied er sich zunächst für ein technisches Studium, möglichst in der Nähe und mit sicheren Berufsaussichten.
Das Maschinenbau Studium am Standort Friedberg absolvierte er in der Regelzeit, obwohl es Jakub bereits nach den ersten Semestern klar wurde, dass es nicht exakt das ist, was seinen Interessen entspricht. Für seine Diplomarbeit hat sich Jakub das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg ausgesucht. Dies wurde zu einer spannenden Chance in der Welt der Forschung Fuß zu fassen. Aufgrund seines Aufgabenfeldes musste er sich Programmieren beibringen und Kontakte zu Promotionsstudierenden knüpfen. So reifte in ihm nach und nach die Überlegung „vielleicht geht da noch mehr“.
Gesprächsmitschrift
Es folgte ein Umzug nach Berlin und dort hat Jakub sich dann bei der TU Berlin beworben.
Beim Vorstellungsgespräch genau die richtigen Antworten gegeben und den Job bekommen.
Als Student war Jakub eher schüchtern und zurückhaltend.
Aber danach wurde dann nachgeholt was er im Studium nicht gemacht hat: Auslandssemester
Im Beruf sollten dann die Auslandserfahrungen nachgeholt werden.
Gemeinsam mit seiner Frau wurde geschaut wo es möglicherweise hingehen könnte. Über den DAAD hat sie als erste Wahl Sydney angegeben - am Ende wurde es Danzig statt Sydney. Seine Frau arbeitete an der Uni und Jakub suchte sich in Danzig einen Arbeitgeber. Da in Polen einige internationale Unternehmen angesiedelt sind, die ihre Buchhaltung und IT ausgesiedelt haben fiel es nicht schwer: Jakub ist dort bei der Lufthansa „gelandet“. Dabei hat ihm geholfen, dass er während seiner Tätigkeit beim Frauenhofer Institut sich Programmierkenntnisse angeeignet hat. man kann nie wissen, wozu etwas, das man lernt gut ist oder später noch wird.
IT Lufthansa Systems
Deutsch und Englisch waren sowieso kein Problem und da er Polnisch konnte war das in Danzig von Vorteil. Dort zunächst als Programmierer begonnen. Durch die „deutsche Sozialisation“ und fließenden Sprachkenntnisse sehr gute Arbeitsbedingungen. In relativ kurzer Zeit Einsatz im Change-Management und persönlicher Assistent des Standortleiters. Meine Diplomarbeit war bei Prof. Dr.-Ing. H. Minkenberg, Prof. Dr.-Ing. K. Thielen war Korreferent.
Das war alles nicht geplant und alles andere als geradlinig, aber manchmal spielt das Leben und Zufälle.
Ich kann jedem nur raten – auch wenn ältere Generationen früher gesagt haben wenn man einen Job ergattert hat sollte man da bleiben – Nicht drauf hören! Die Veränderung ist so wichtig und Wechsel im Beruf bringt neue Perspektiven. Niemand braucht Mitarbeiter die 20 Jahre immer das Gleiche gemacht haben, weil diese meistens nicht so offen für neue Dinge sind. – Es gibt natürlich Ausnahmen, die durch Weiterbildung usw. sich weiterbringen.
Ich kann jeden nur bestärken: Schaut euch so viel wie möglich auf der Welt an, so viele Unternehmen, Forschungseinrichtungen. Das ist ganz toll.
Im Landesdienst Hessen im HMWK.
Gelernt von einem Freund aus der Babybommer Generation: Früher war es schwer einen Job zu bekommen. Bei 100 Bewerbungen hat man Absagen bekommen oder oft gar nichts gehört.
Heute ist es etwas anders. Früher blieb man länger im Unternehmen und wenn dann die Mitarbeit gehen geht damit auch Wissen verloren aber die Kultur überdauert, das spürt man.
Generationswechsel wird vollzogen aber die Kultur wechselt nicht so schnell.
Was ich Studierenden mitgeben kann: Sich unbeirrt auf den Weg machen.
Uns wurde im Studium davon abgeraten während des Studium ins Ausland zu gehen, sondern möglichst schnell in Regelzeit durchzukommen.
Im Studium hatte ich viel mit Prof. Dr. Thielen zu tun, da er sich damals schon mit dem Thema Wärmepumpen befasst hat, wo über das Thema noch gar nicht so viel gesprochen wurde.
Irgendwann haben dann fast alle darüber gesprochen.
Frage: Wie siehst Du das? Ist das sinnvoll oder eher nicht?
Jakub: Wärmepumpen sind ja keine neue Technologie. Während meiner Diplomarbeit habe ich gelernt, dass der erste Boom war in der Schweiz während des zweiten Weltkriegs weil Deutschland den Kohleimport in die Schweiz sehr „gestört“ hat. Daher haben die Menschen Wärmepumpen installiert - vor 80 Jahren. Die waren noch nicht so gut wie die heutigen aber man konnte mehr Wärme mit weniger Ressourcen gewinnen.
Strom, den wir beziehen (ca. 50%) kaufen wir ein.
Preislich sind wir abhängig von anderen Ländern und die Preise können sich stark ändern.
Hast Du das Gefühl, dass Du in Hessen bleibst?
Erstmal werde ich in Hessen bleiben. Seit einiger Zeit bin ich Familienmensch und möchte den Kindern ermöglichen, dass sie gute soziale Bindungen aufbauen.
Ich fühle mich beruflich sehr wohl und werde versuchen als Erwachsener erstmals planen an einer Stelle zu bleiben. Allerdings schließe ich nicht aus, dass sich das ändert, denn wenn man erstmal auf den Geschmack gekommen ist, was „da draußen“ für tolle Sachen auf einen warten, dann will man mehr. Aber mit Kindern wird es komplex und möchte ich den Kindern nicht antun.
Was könntest Du Studierenden mitgeben – ob beim Alumni-Talk „Alumni auf ungewohnten Lebenswegen“ oder beim Alumni Career Talk?
Ich habe mich oft auf Zufälle eingelassen.
Eines meiner schönsten Erlebnisse war während meines BPS bei Airbus in Schwaben. Erstmals hatte ich in Deutschland Sprachprobleme. Im BPS bin ich in Schwaben bei Airbus gewesen – 6 Monate mit großer sprachlicher
Herausforderung. Aber ich habe sehr viel fachlich mitgenommen und zwei Dinge haben mich sehr weitergebracht:
- Super Einblicke gewonnen wie Fabriken funktionieren – konnte ich in Berlin nutzen und hatgeholfen, die Stelle in Berlin zu bekommen
- Ein Kollege den ich nur einmal bei einem Kaffee gesprochen habe erwähnte dass er damalsim Ingenieurstudium seine Abschlussarbeit beim Fraunhofer Institut geschrieben hat. Da wäreich von mir aus nie darauf gekommen aber nach dem Gespräch habe ich weitergeschautwelche gibt es, was interessiert mich und haben die aktuell etwas für mich ausgeschrieben.
Wieder ein Zufall: das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hatten eine Diplomarbeit zum Feldtest mit Wärmepumpen ausgeschrieben. Habe mich beworben .. und hat geklappt.
➡️ Eine Begegnung im Leben verändert den Lebensweg ➕offen sein für das was kommt.
Manchmal muss man sich auf etwas einlassen. Ich habe mich nie damit abgefunden wenn ich unzufrieden war.
Entweder habe ich die Situation verändert – was oft nicht möglich war – oder ich bin gegangen – auf zu neuen Ufern.
Das war was ich gemacht habe: Die ständige Veränderung.
Beispielsweise habe ich als ich einen Praktikumsplatz im BPS suchte - was nicht einfach war, weil ich gemerkt habe, dass mein Studium Energie- und Antriebstechnik prädestiniert ist, um im Automobilbau zu arbeiten – will ich aber nicht.
Ich hätte gerne im Kraftwerksbetrieb gearbeitet – ein Schwerpunkt im Studium war z.B. Strömungsmaschinen, was oft gemieden wird. Ich fand das schon faszinierend hat aber bei den Bewerbungen nicht geklappt und das andere was mich sehr interessiert hat war die Luft- und Raumfahrt.
So habe ich mich beworben bei Firmen, die in Friedrichshafen ansässig sind. Hatte eine Einladung zum Praktikum und anschließender Diplomarbeit. Lag mir aber nicht so, da man hat topologische Karten für Kampfhubschrauber anfertigen müssen.
Dann war Airbus das nächste Vorstellungsgespräch und mit Fraunhofer war ich dann wenigstens im Energiesektor.
Allerdings möchte ich erwähnen, dass ich es damals als persönlichen Rückschlag empfunden habe, dass ich nicht die Stellen bekommen habe, für die ich mich interessiert habe. Das hat schon an mir genagt.
Aber es ging immer weiter.
Das ist etwas, das man Studierenden mitgeben kann: „Es klappt nicht immer alles auf Anhieb“
Ich habe einige Rückschläge gehabt, gerade auch zu Beginn meines Studiums und habe nicht auf Anhieb bekommen was ich wollte. Wichtig ist unbeirrt weiter zu gehen und irgendwo öffnet sich eine Tür und manchmal kommt man auch über Umwege zum Ziel!
Wie viele Arbeitgeber hast Du bisher gehabt?
8 mit dem BPS
Auch von einem anderen Absolventen kam die Aussage „Rückschläge sind eigentlich gut bzw. man kann daraus lernen“
In der Situation in der es auftritt ist es natürlich furchtbar aber du wirst den Kopf wieder nach oben strecken und dich umschauen in welcher Richtung es weitergeht.
Es ist nicht immer rosarot und ich war oft auch frustriert.
Mein Praktikum z.B. war mein downer und nicht nur wegen der anfänglichen Sprachprobleme.
Manchmal dauert es auch einfach ein wenig.
Wie gehen wir weiter vor?
- Alumni-Career-Talk: kurz 30 Minuten Absolvent berichtet und steht für Fragen zuVerfügung.
- Alumni-Talk „Ungewöhnliche Berufswege“: FH-Diplom Energie- und Antriebstechnik in Friedberg, Promotion in Berlin und jetzt Digitalisierung in Wiesbaden
- Exkursion nach Wiesbaden mit Netzwerk-Event zwischen Absolventen und Studierenden
Was wünschst Du Dir?
- Ab und zu Präsenz- und Zweck-Veranstaltung.
- Wenn z.B. eine Orientierungsveranstaltung für Studis, Podiumsdiskussion dazu, Kaffee wo man ins Gespräch komme dazu.
Auch der Vorschlag des „Alumni-Tag“ (Austausch zwischen Fachbereich – Absolventen – Studierenden) ist spannend.
Alles Optionen, von denen wir schauen, wie wir (Jakub und die THM) sie gemeinsam umsetzen.
Eine Anekdote zum Schluss:
Das Curriculum wurde verändert und uns Studenten wurde eine „Möhre“ vor die Nase gehalten: „Im neuen Bachelor-Studiengang müsst ihr kein Projektmanagement belegen.“ Ich hatte gerade die Hälfte der Vorlesung Projektmanagement hinter mir und empfand es als sooo langweilig. Damit fiel der Wechsel in die neue PO leicht.
Aber was sich nach meinem Studium wie ein roter Faden durch mein Leben zieht: Projektmanagement.
Und ich habe nun einen anderen Blick darauf.
Allerdings nach meinem Studium verfolgt mich in allen Positionen Projektmanagement, weil es einfach wichtig ist und man ja da dann auch weiß wieso es wichtig ist.
Jakub ist generell gerne bereit, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben:
„Selbst wenn es nur einer Person weiterhilft mache ich das gerne.
Jemand hat mich zur Seite genommen, ein Gespräch geführt und mein Leben verändert.
Die Person erinnert sich vermutlich gar nicht an mich aber für mich war die Begegnung wichtig."