PRESSEMITTEILUNG DES BDA MITTELHESSEN:
Studienpreis BDA Mittelhessen 2025 wird verliehen: BDA Mittelhessen zeichnet vier Studienprojekte der THM Gießen aus
Der BDA Mittelhessen verleiht den Studienpreis des BDA Hessen 2025 an insgesamt vier Studienprojekte des Fachbereichs Bau der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen.
Die feierliche Preisverleihung findet im Rahmen der Absolventenfeier des Fachbereichs Bau am 29. April 2026 um 17 Uhr in der Kongresshalle Gießen statt. Die ausgezeichneten Projekte sind bereits ab dem 27. April 2026 in einer Schaufensterausstellung in der BDA Galerie in Frankfurt am Main zu sehen.
Der diesjährigen Jury – Freya Dorbritz aus Bad Hersfeld sowie Patrick Tetzlaff und Johannes Wehner aus Fulda – standen mit einer Vorauswahl aus acht Studienarbeiten aus dem Bachelor- sowie fünf Studienarbeiten aus dem Masterstudium Architektur hervorragende Entwürfe zur Wahl. Die Arbeiten aus dem Bachelor reichten von baukonstruktiven Lösungen im Massiv- und Holzbau bis zum Entwurf von Gemeinschaftsbauten im städtischen wie ländlichen Kontext. Die Arbeiten aus dem Masterstudium spannten einen großen Bogen von der Planung eines neuen Stadtteils über das Weiterbauen im verdichteten Raum bis hin zur Umnutzung im denkmalgeschützten Bestand. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der thematischen Breite und der hohen visuellen Qualität der Arbeiten.
Ausgezeichnet wurden vier Arbeiten – je zwei aus dem Bachelor- und dem Masterstudiengang – die sich intensiv mit dem Bestand auf verschiedenen Ebenen auseinandersetzen: Von der Alltagsarchitektur bis zum Bauen im prominenten städtischen Kontext, vom Fortschreiben städtischer Strukturen bis hin zur Auseinandersetzung mit denkmalgeschützten Gebäuden.
Der BDA Mittelhessen bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden, ihren Lehrenden sowie bei Prof. Nikolaus Zieske für die Organisation und gratuliert den folgenden Preisträger*innen des Studienpreises 2025.
Zwei Auszeichnungen im Bachelor
Leon Lenz, Finn Johannson, Joshua Ruppel und Simon Hildebrandt wurden für ihren Entwurf „Wohnen und Arbeiten am Schwarzlachweg“ ausgezeichnet.
Der Entwurf überzeugt durch eine klare städtebauliche Setzung, die den Bestand respektiert und zugleich ein neues, kohärentes Quartier formuliert. Die Verfasser wählen konsequent den Weiterbau der vorhandenen Zeilen und binden die intensiv genutzten Freiräume sensibel in das Gesamtkonzept ein. Der ringförmig ergänzte Baukörper stärkt das bestehende soziale Zentrum und schafft einen geschützten, gemeinschaftlich nutzbaren Innenhof.
Die modulare Wohnstruktur ermöglicht eine hohe Vielfalt an Wohnformen und reagiert flexibel auf unterschiedliche Lebensmodelle. Mit Co-Working, Café und einem vielseitig bespielbaren Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss entsteht ein lebendiger Nutzungsmix, der Wohnen, Arbeiten und Nachbarschaft überzeugend miteinander verknüpft. Zugleich bleiben die im Grundriss aufgezeigten Durchwegungen der ringförmigen Struktur etwas zu schwach ausgeprägt. Im Hinblick auf Durchlässigkeit und Vernetzung in die Nachbarschaft wäre hier eine städtebauliche Zäsur wünschenswert gewesen.
Gestalterisch gelingt es, Bestand und Neubau durch eine ruhige, robuste Materialität – insbesondere durch den Einsatz von recyceltem, altrot eingefärbtem Beton – zu einem stimmigen Ensemble zu verbinden. Der Entwurf zeigt, wie nachhaltige Ressourcennutzung, soziale Offenheit und architektonische Qualität in einem zukunftsfähigen Quartier vereint werden können. Das Projekt setzt damit ein beispielhaftes Zeichen für eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung im Bestand.
Max Wende und Nils Repp wurden für ihre Arbeit „Potenziale der Alltagsarchitektur“ ausgezeichnet.
Die Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre prägt bis heute an unzähligen Stellen das Erscheinungsbild deutscher Städte. Viele dieser Gebäude, deren funktionaler Planungsansatz und oft vernachlässigter Zustand deutlich ablesbar sind, werden heute kaum noch verstanden und gelten gemeinhin als unattraktiv oder gar als städtebauliche Belastung. Zugleich verfügen sie über ein hohes Maß an grauer Energie und meist solide, wandelbare Grundstrukturen. Diesem Spannungsfeld widmete sich die Aufgabe in einem Wahlpflichtkurs zur Visualisierung – mit beeindruckenden Ergebnissen.
Die Arbeit der beiden Studierenden dringt tief in den Kern der beiden Beispielgebäude – einer Sporthalle und eines gemischt genutzten Stadthauses – ein und analysiert deren ursprüngliche Strukturen klar und nachvollziehbar. Mithilfe von zwei Entwurfsansätzen werden zunächst die Reparatur und anschließend die Transformation substanziell untersucht. Die Selbstverständlichkeit und neu gewonnene Ausdrucksstärke der entwickelten Ansichten sind beste Werbung für die Weiterentwicklung des Bestands. Nach Betrachtung dieser Bilder kommt wohl keine Bauherrschaft mehr auf die Idee, diese Gebäude abzureißen.
Zwei Auszeichnungen im Master
Henrik Eckert, Oleg Flek und Patrick Löw wurden für ihren Entwurf „Hofgut Hermannstein“ ausgezeichnet.
Das im 14. Jahrhundert errichtete Hofgut Hermannstein gehört zum denkmalgeschützten Gesamtensemble der angrenzenden Burganlage Burg Hermannstein. Gegenwärtig ist das Ensemble jedoch durch Leerstand sowie eine nur teilweise landwirtschaftliche und private Wohnnutzung geprägt. Der vorliegende Entwurf verfolgt das Ziel, das historische Hofgut zu reaktivieren und einen lebendigen Ort des Wohnens, Arbeitens und der Begegnung zu schaffen.
Auf städtebaulicher Ebene geschieht dies durch die konsequente Neustrukturierung des Areals in drei unterschiedlich geprägte Höfe – öffentlich, halböffentlich und funktional. Auf baulicher Ebene wird das Ensemble schlüssig um zwei landwirtschaftlich genutzte Gebäude ergänzt; zugleich werden die vorhandenen, teilweise leerstehenden Flächen unter Berücksichtigung der gegebenen Trag- und Raumstrukturen neu programmiert. Die Jury würdigt insbesondere die dem Konzept vorausgehende tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Bestand und seiner historisch gewachsenen, komplexen Struktur. Diese zeugt von einem verantwortungsbewussten Umgang mit vorhandenen Ressourcen, von Wertschätzung gegenüber einem geschichtsträchtigen Ort und von einem realistischen Blick auf die Anforderungen der Eigentümerschaft.
Besonders überzeugend sind die Zonierung und Gestaltung des öffentlichen Raums, die darauf aufbauende neue Wegeführung sowie die konsequente Weiterentwicklung des Areals, um eine zukünftige Nutzung sicherzustellen. Die Eingriffe in die Bestandsgebäude selbst bleiben demgegenüber etwas zurück. Insgesamt handelt es sich um eine sehr gelungene Arbeit, die das Potenzial und die Besonderheiten des Bauens im Bestand – insbesondere im denkmalgeschützten Kontext – ebenso sichtbar macht wie mögliche Lösungsansätze.
Moritz Hoffart und Sebastian Uellner wurden für ihren Entwurf „Instituto Cervantes“ ausgezeichnet.
Im Rahmen der Entwurfsaufgabe sollte an der Promenade des Deutzer Hafens ein hochbauliches Konzept für das Instituto Cervantes entwickelt werden, das eine Vielzahl unterschiedlicher Nutzungen vereint, darunter einen Veranstaltungsraum, Bereiche für Büroarbeit und Forschung sowie eine mehrgeschossige Präsenzbibliothek. Die Außengestaltung orientiert sich an industriellen Motiven des Deutzer Hafens und fügt sich damit harmonisch in die Umgebung ein; die Entscheidung gegen eine Ausbildung als städtebaulicher Solitär kann dabei durchaus diskutiert werden.
Die Jury würdigt insbesondere die Klarheit von Struktur und Konzept – sowohl auf der Ebene der Grundrisse als auch in der vertikalen Anordnung der Nutzungen. Störungsempfindliche Bereiche werden in die höher gelegenen Gebäudeteile verlagert. Im Erdgeschoss überzeugt die Gestaltung des Eingangsbereichs und die Programmierung der Flächen zu einem urbanen, einladenden Foyer als sozialem Treffpunkt, der zugleich zur Aktivierung des umliegenden Stadtraums beiträgt.
Der Entwurf wird durch ein tragendes Gerüst aus modularen, quadratischen Raumstrukturen geordnet, die auch wesentliche Funktionen wie Erschließung und Sanitärbereiche aufnehmen. Dazwischen entstehen Freiräume für offene und kommunikative Zonen. Durch diese konsequente Struktur erhält das Gebäude ein robustes Gerüst, das langfristige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ermöglicht – auch im Hinblick auf eine potenzielle Nachnutzung. Die Jury hält fest: eine sehr konsequent entwickelte Arbeit, die Funktionalität und Gestaltung in überzeugender Weise verbindet.
Hintergrund
Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA Hessen e. V. lobt jährlich den BDA Studienpreis aus. Der Preis ist ein Förderpreis für den Architekt*innennachwuchs und bietet jungen Studierenden die Möglichkeit, sich zu profilieren und zu positionieren. Der regional in den einzelnen Gruppen des BDA Hessen organisierte Studienpreis richtet sich an die Architekturfakultäten in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Kassel und Mittelhessen.
Mit der Auslobung verweist der BDA auf die Verantwortung der Architekt*innenausbildung als Grundlage für die künftige Qualität der gebauten Umwelt.
Ziel des Preises ist es, junge Talente frühzeitig zu fördern, wegweisende architektonische Ideen sichtbar zu machen und den Dialog zwischen Hochschullehre und beruflicher Praxis zu stärken. Die kulturelle Bedeutung des Planens und Bauens sowie die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Baukultur sollen dabei bewusst gemacht werden.
Christopher Althaus, Andreas Schmitt, Johannes Wehner
Vorsitzende des BDA Mittelhessen
Die Bildrechte liegen bei den Verfasser*innen der jeweils genannten Projekte.
Weitere Informationen zum Preis und den prämierten Projekten: https://www.bda-hessen.de/auslobungen/267533/