2021 12 Promotion Krieglstein 01Tim Krieglstein feierte im Dezember 2021 den erfolgreichen Abschluss seiner kooperativen Promotion zum Thema „Drehelastische Bettung von Sandwichelementen in Verbindung mit dünnwandigen Z-Kantprofilen unter abhebenden Lasten“ an der Universität Innsbruck. Sein Doktorvater war Univ.-Prof. Dr. techn. Gerhard Lener und zweiter Gutachter Univ.-Prof. Dr.-Ing. Bernd Naujoks von der Bergischen Universität Wuppertal. Sein Mentor Prof. Dr.-Ing. Bertram Kühn beschäftigte diese Fragestellung bereits seit einigen Jahren. Ursprünglich ging sie auf eine Anfrage aus der Ingenieurpraxis zurück, die ein Kollege vor nunmehr 7 Jahren an ihn stellte: „Kann man nicht auch unter abhebenden Lasten eine drehelastische Bettung von dünnwandigen Kantprofilen durch aufgeschraubte Sandwichelemente ersetzen, um günstigere Ergebnisse im Biegedrillknicknachweis zu bekommen?“ Laut Eurocode 3 ist dies bis heute nicht zulässig, aber Prof. Kühn war unmittelbar klar, dass es einen Effekt geben muss, nur wie groß, dass wusste man bislang nicht. Und auch die einschlägige Fachliteratur sprach je nach Autor von gar keinem Effekt oder von bis zu 50% des Effektes bei andrückenden Lasten, doch wieviel genau unter welchen Randbedingungen anzusetzen ist, war nirgendwo zu finden.

Daraufhin stellte Prof. Kühn gemeinsam mit Tim Krieglstein im Sommer 2017 einen Forschungsantrag bei der hessischen Förderung „Forschung für die Praxis“, der mit 35.000 € bewilligt wurde. Inklusive der Sachmittel aus der Industrie kamen sie auf rund 45.000 €, die für die Finanzierung der durch Tim Krieglstein durchgeführten einjährigen Versuchsreihe ausreichten. Ganz herzlicher Dank an dieser Stelle an die hessische Landesregierung, die mit diesen Förderungsmitteln – wie man sieht – sehr erfolgreich junge Forscher und Lehrende speziell von Fachhochschulen in höchst effizienter Art und Weise an praxisnahe Forschung heranführt.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen schrieb Herr Krieglstein dann seine Promotionsarbeit, die bis hin zu einem physikalisch begründeten Ingenieurmodell und einem konkreten Bemessungsvorschlag alles beinhaltet, sodass die neuen Regelungen – zumindest theoretisch – direkt in der Baupraxis angewendet werden könnten. Erste Vergleichsrechnungen zeigten zudem, dass gegenüber dem heutigen Stand nach Eurocode zwischen 40 und 60% Materialeinsparung möglich sind. 

Zusätzlich fand Herr Krieglstein auch noch heraus, dass grob geschätzt auf etwa 2/3 der Fläche der Bundesrepublik bei Hallen mit flachen Dachneigungen der Nachweis unter abhebenden Lasten bemessungsmaßgebend ist, das heißt dieses Einsparpotential kann zukünftig breitflächig Verwendung weit über die Landesgrenzen Hessens hinaus finden.

Zwei Veröffentlichungen zu dieser Thematik sind aktuell in der Fertigstellung und werden im Januar und März in der Zeitschrift „Konstruktiver Ingenieurbau“ des Reguvis-Verlages sowie in der Zeitschrift „Stahlbau“ des Verlags Ernst & Sohn erscheinen. Ferner ist nach erfolgreicher Verteidigung der Promotionsarbeit zeitnah mit dem Druck der eigentlichen Promotionsarbeit zu rechnen.

Tim Krieglstein durfte sich über eine Förderung über den Strategischen Forschungsfond der THM in Form eines Promotionsabschluss-Stipendiums freuen und richtet seinen herzlichen Dank an die Abteilung Forschung, Transfer und wissenschaftlicher Nachwuchs (FTN), welche die Findung der passenden Forschungsförderung sowie die Antragstellung und Abwicklung hervorragend unterstützt hat. Gleicher Dank richtet sich auch an die beteiligten Industriepartner den Stahlhersteller ArcelorMittal GmbH, das Stahlbauunternehmen Christmann & Pfeiffer Construction GmbH & Co. KG und den Ideengeber das Ingenieurbüro Verheyen-Ingenieure GmbH & Co. KG für die umfassende ideelle wie auch finanzielle Unterstützung des Forschungsvorhabens ohne das die Promotionsarbeit nicht möglich gewesen wäre. 

Zusammenfassend stellt Prof. Kühn fest: „Alles in allem ein toller, sehr praxisnaher Erkenntnisgewinn und im Sinne von ressourcenschonender, nachhaltiger Bauweise ein sehr großer Schritt nach vorne.“