Entwurf Ricarda Pautz und Karen LohausDas Oberhessische Museum in Gießen erfüllt derzeit nicht die Anforderungen, die an ein modernes Stadtmuseum gestellt werden: Die Räumlichkeiten sind zu klein, zu eng, die Zugänge nicht barrierefrei, es gibt keinen Raum für Sonderausstellungen. Viele gute Gründe für 24 THM-Studierende des Architektur-Masterkurses „Bauen im Bestand“ von Prof. Nikolaus Zieske, sich der bestehenden Museumsbauten anzunehmen und mutig zu planen. Das Ziel: aus dem Leib‘schen und dem Wallenfels‘schen Haus einen Ort zu schaffen, der Stadtidentität, Atmosphäre und Öffentlichkeit stiftet. Die Ergebnisse präsentierten sie im August in einer Ausstellung, die auf großes Interesse stieß.

Gemeinsam mit Jörg Wagner und Ingke Günther vom Stadtlabor eröffnete Prof. Zieske vom Fachbereich Bauwesen die Ausstellung. Er war sichtlich angetan von dem Enthusiasmus, mit dem die Studierenden ans Werk gegangen waren, und von der Vielfalt ihrer Lösungsvorschläge: „Es sind wirklich für Gießen provozierende Modelle erschaffen worden.“ Einige Vorgaben hatte er seinen Studierenden mit auf den Weg gegeben: Rund 300 Quadratmeter mehr Fläche, ein Raum für Museumspädagogik, ein Café, ausreichend Platz für besondere Exponate sollten untergebracht werden. „Der größte Knackpunkt für alle war sicherlich die Gewährleistung der Barrierefreiheit und die Definition des Haupteingangs“, so Zieske. Außerdem sollte das planerische Konzept den Platzcharakter des Kirchenplatzes besser unterstützen.

Ricarda Pautz und Karen Lohaus zum Beispiel haben einen Arkadengang vor die beiden Museumshäuser gesetzt. „Wir wollten damit das Museum als Museum erkennbar machen und außerdem die Arkadengänge der gegenüberliegenden Platzseite aufnehmen“, erläuterten die beiden Studentinnen. Das neue Portal diene dabei nicht nur als Eingang, sondern auch als Verbindung zum Stadtgeschehen durch das Café im Erdgeschoss. Das Wallenfels'sche und das Leib'sche Haus seien Rekonstruktionen aus den 70er, 80er Jahren. „Das hat es uns leichter gemacht, etwas davor zu setzen“, merkten sie an.

Ganz anders ist Franziska Ziegler mit dem Bestand umgegangen. In ihrem Entwurf „Stadtsilhouette“ setzte sie ein hochaufragendes vierspitziges Gebäude hinter die beiden Häuser. Ihr Kommentar dazu: „Ich mache damit deutlich, dass das Museum auf historischem Grund steht, der Keimzelle der Stadt und andererseits alles auch nur Kulisse ist, wie die bestehenden Museumsgebäude.“

Die Fülle an Ideen für die beiden Museumshäuser beeindruckte einen Besucher: „Ich hoffe, das ist ein Anstoß, dass sich die Gießener mit ihrer Stadt und ihren Gebäuden auseinandersetzen“. Stadträtin Monika Graulich freute sich ebenfalls: „Die Ausstellung ist eine tolle Anregung für die Debatte über die Zukunft des Museums.“

Quelle: THM Pressestelle, THMagazin Ausgabe 31 | Oktober 2018, Sonja Schwaeppe