2020 03 THM Gründerabend 1Auf Einladung des Alumni-Managements und der Abteilung für Forschung, Transfer und wissenschaftlicher Nachwuchs (FTN) stellten im Februar Ehemalige der TH Mittelhessen sich und ihr Unternehmen einem interessierten Publikum vor. Beeindruckend und inspirierend waren die Geschichten der fünf erfolgreichen Unternehmer, die auf dem Podium des MAGIE Makerspace in der Gießener Walltorstraße Platz genommen hatten. Vor 60 vorwiegend studentischen Zuhörerinnen und Zuhörern berichteten sie über ihren ganz eigenen Weg zur erfolgreichen Gründung eines Unternehmens.

Andreas Ditze beispielsweise studierte in den Jahren 1993 bis 2001 Informatik an der THM (damals noch FH Gießen- Friedberg). Seit 2001 ist er Gesellschafter und Geschäftsführer der tripuls media innovations gmbh in Marburg. Sein Unternehmen zählt mit rund 35 Mitarbeitern zu den Top-Internetagenturen in Hessen. Er selbst empfand das Gründen als „unglaubliche Chance auf ein super-selbststimmtes Leben“, wie er erzählte. Er warnte aber auch davor, die möglichen Risiken außer Acht zu lassen: „Wir hatten schwierige Zeiten zu überstehen und mussten realistisch kalkulieren, wie lange unsere Agentur ohne fremde Mittel haushalten kann.“ Als wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Gründen sah Ditze die Teamarbeit. „Man darf kein Einzelkämpfer sein, sondern braucht ein Umfeld, das einen in der Spur hält.“ Vom Studium an der THM zehre er immer noch. „Zudem habe ich hier viele Kontakte geknüpft und gerade durch die Arbeit im AStA viel für meinen ‚Menschwerdungsprozess‘ gelernt.“

Dirk Rudolf, Gründer des OpenBanking & Smart Data Unternehmens FinTec- Systems, entwickelte sein erstes Geschäftsmodell schon zu Schulzeiten mit der Seite „Referate.de“. Während des Studiums schuf er mit „Sofort-Überweisung“ ein Online-Bezahlsystem, das sich im wachsenden Internet-Markt schnell etablierte. Nach dem Verkauf von Sofortüberweisung an Klarna 2014 gründete er FinTecSystems. Er und seine Kollegen haben, anders als Andreas Ditze, auf Fremdkapital gesetzt.

Mario Konrads Idee „Gutscheine an Studierende zu verschenken“ ist in Gießen wohlbekannt. Fast alle im Publikum kannten die VISCOR-Gutscheinhefte. „Bereits als Schüler wollte ich Geld verdienen und hatte schon einige Projekte am Laufen.“ Während seines BWL-Studiums gründete er mit einem Partner seine Agentur. „Die Studienzeit ist die beste Zeit zu gründen“, meinte er. Da sei man noch bescheiden und mit wenig zufrieden.

Andreas Heilemann, Diplom-Wirtschaftsingenieur und Gründer der Firma ADDITIVE, stimmte ihm zu. „Wenn erst mal Familie und Kinder da sind, wird das mit dem Gründen schwieriger, da braucht man stabile finanzielle Verhältnisse.“ Heileman, der Anfang der 90er Jahre seinen Abschluss in Friedberg gemacht hatte, behandelte seine Firmengründung in seiner Diplom-Arbeit. „Ich konnte mein Studium sofort nutzen und mindestens 50 Prozent des Gelernten direkt in meiner Arbeit umsetzen“, sagte er. Auch er warnte vor Einzelkämpfertum: „Man braucht Partner, die einen ergänzen.“

2020 03 THM Gründerabend 2Einen wiederum völlig anderen Weg hatte Georg Reitschmidt eingeschlagen. Der Bauingenieur machte sich mit einem großen Konzern als Auftraggeber im Rücken selbständig und bietet mit seiner Firma Umsetzungslösungen für Digitalisierungsprozesse in der Baubranche an. „Wir hatten in unserem speziellen Fall einen extrem guten Marktzugang und weniger Risiko als andere.“ Als Geschäftsführer sehe er die Herausforderung darin, auch mal abschalten zu können und die Arbeit nicht immer mit nach Hause zu nehmen. „Man muss auch die Verwaltungsaufgaben abgeben und sich davon verabschieden, alles selber machen zu müssen.“ Sein Studium habe ihm im jeden Fall geholfen, „die Sprache der Branche zu verstehen.“

Ins Leben gerufen hatte die Veranstaltung Anke Roos vom Alumni-Management der THM gemeinsam mit Pamela Schück von der Abteilung FTN. „Wir wollten damit unsere Alumni in den Fokus rücken“, so Anke Roos. Die großartige Resonanz sei überwältigend. „Alle 60 Plätze waren innerhalb kürzester Zeit gebucht“, freute sie sich. Auch THM- Präsident Prof. Matthias Willems zeigte sich angetan von der neuen Veranstaltungsreihe. „Mit solchen Veranstaltungen und einem solchen Raum wie dem Makerspace bewegen wir Mittelhessen.“ Er dankte den Gründern, dass sie ihre Erfahrungen an die heutigen Studierenden weitergeben und vielleicht so dem ein oder anderen Mut machten, selbst zu Gründern zu werden. „Das Ziel unserer Hochschule ist es, Gründungen in Mittelhessen zu forcieren und unsere Region zu stärken“, sagte er. Die Moderation des Abends übernahmen Johannes Schmid und Nils Seipel, die mit ihrer Agentur flux impulse den Makerspace in Kooperation mit der THM und dem Technik- und Innovationszentrum Gießen GmbH betreiben.

Für die Verpflegung sorgten Larissa und Sven Braun vom Foodtruck und Catering Fett & Lecker, ebenfalls THM-Absolventen. Die Veranstaltungsreihe soll im Sommer in Friedberg fortgesetzt werden. Ein dritter Termin ist vor den Weihnachtsferien geplant.

Quelle: THMagazin Ausgabe 37, Sonja Schwaeppe

 

Kurzvorstellung der Gründer