GA Holzbau Vogelsberg Meina"Dass Bauen mit Holz mittlerweile viel mehr ist als urige Gartenhütten oder massive Blockhäuser, beweist die Wanderausstellung "Holz.Bau.Architektur. Entwerfen, Konstruieren und Bauen mit Holz", die man zurzeit im Gebäude E10 der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), Südanlage 6, betrachten kann. Moderne Schulgebäude, innovative Büroräume und gemütliche Eigenheime - aus 200 Einsendungen kann man hier noch bis zum 30. November die Gewinner des Holzbaupreises 2017 sehen, die vom Bund Deutscher Zimmermeister gekürt wurden. Welche Vorteile der Holzbau bringt und warum die Studierenden besser damit ausgebildet werden sollen, erklärt Prof. Achim Vogelsberg, Professur für Holzbau an der THM und Vorsitzender der Initiative "pro holzbau hessen", im Gespräch mit dem Anzeiger. 

 

"Die Studierenden, die unweigerlich an der Ausstellung entlang müssen, wenn sie zu Seminaren gehen, sollen inspiriert werden", sagt Vogelsberg grinsend. Er wolle den Weitblick schärfen, dass neben Metall und Beton auch andere Materialien einzusetzen sind - und teils sogar besser sind. Es dürfe bei der Ausbildung der Architekten und Bauingenieure nicht länger nur am Rande stattfinden. "Das Bauen mit Holz ist aktiver Umweltschutz", urteilt Vogelsberg knapp. Das liege daran, dass das CO2, welches in den Bäumen gespeichert ist, im Holz bleibt, wenn man es verarbeitet. Zudem wird bei der Herstellung der anderen Materialien viel Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gegeben. Studien belegen: Verglichen mit einer konventionellen Baukonstruktion entstehen beim Bau eines Ein- bis Zweifamilien-Hauses aus Holz zwischen 35 und 56 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen. Gleichzeitig ist Holz ein nachwachsender Rohstoff. "In Deutschland werden immer noch mehr Bäume angepflanzt als abgeholzt. Außerdem haben wir riesige Holzreserven. Das macht eine gute CO2-Bilanz." Würden die Bäume verbrannt werden oder in Naturparks verrotten, würden sie die gespeicherte Kohlenstoffmenge schlicht wieder in die Atmosphäre zurückgeben. Große Teile der Politik und Behörden wissen mittlerweile von den Vorteilen. "Es ist "in" geworden, Holz zu verwenden", bringt es Vogelsberg auf den Punkt. Der Sohn eines Schreiners, sei mit Holz aufgewachsen und habe schon immer einen "Drang zum Umweltschutz gehabt". Deswegen ist es ihm auch so wichtig, das Thema voranzubringen. Warum es bisher immer noch hinter dem Beton- und Stahlbau stünde, wisse er nicht genau. "Vielleicht ist die Holzbaulobby einfach schlechter als die der anderen oder weniger aggressiv", munkelt er. Dennoch seien vor allem Schulen in den letzten Jahren auf den Trend Holzbau aufgesprungen. 

Dies liege zum einen an dem positiven Image, aber auch daran, dass der Bau mit den seriellen Vorfertigungen wesentlich schneller ginge als mit anderen Materialien. "Innerhalb von eineinhalb bis zwei Jahren hat man eine fertige Schule", erklärt der Experte. Gleichzeitig gibt er aber auch zu, dass der Bau mit Holz mehr kostet. "Man sollte aber auch an die Lebenszykluskosten denken. Bei der Wärmedämmung spart man erheblich." Nur der Schallschutz sei ein Problem, das die Forschung noch zu behandeln hat. Ganz im Gegensatz zum Brandschutz. "Viele denken, dass Holz bei einem Feuer gefährlicher wäre, aber das ist schlichtweg nicht so." Bei einem Brand würde etwa Metall schneller weich werden und die Decke zusammenbrechen. Ein dicker Holzbalken könne die Decke viel länger tragen. Dennoch sind die Bauordnungen in Deutschland für den Bau mit Holz noch sehr eingeschränkt. Dass es auch anders geht, zeigt etwa Österreich. "In Wien wird zurzeit ein über 80 Meter hohes Hochhaus aus Holz gebaut, in London und in Oslo stehen ebenfalls bereits hohe Gebäude." 

Er wünsche sich nicht nur von seinen Studierenden eine höhere Sensibilität für das Material und seinen Vorteilen, sondern auch von der Politik. "Die Regularien müssen vereinfacht werden, das bremst die Entwicklung zu stark." Dass der Schutz von Menschenleben dabei garantiert bleibt, sei selbstverständlich. "Der Holzbau setzt sich einerseits aktiv gegen den Klimawandel ein und reagiert gleichzeitig auf die bereits entstandenen Auswirkungen." Man nehme schließlich das Holz, was die Natur einem gebe."

Quelle: Gießener Anzeiger (28.11.2017) von Jennifer Meina, Link: http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/hochschule/giessen-ausstellung-holzbauarchitektur-an-thm-zeigt-innovative-wohnideen_18350102.htm