Textorientierte Screenreader-Lösungen

Unter Linux sind die befehlsorientierte Textkonsole und die grafische Oberfläche voneinander getrennt. Schon 1996 gab es die ersten Entwicklungen eines Screenreaders für die Textkonsole. Dieser Screenreader namens brltty unterstützt eine Vielzahl von Braillezeilen und einige Hardwaresynthesizer sowie Softwaresprachausgaben. Zudem kann brltty an diverse Anwendungen angepasst werden. brltty wird auch heute noch weiterentwickelt.

Der heute bekannteste Screenreader für die Textkonsole ist Suse-Blinux. Der von der Firma Suse Linux AG entwickelte, frei verfügbare, Screenreader liegt seit Version 7.0 der Distribution Suse Linux bei.
Es unterstützt neben vielen Braillezeilen und Hardwaresprachausgaben auch die freie Softwaresprachausgabe txt2pho bzw. mbrola und Suse Blinux, eine Unterstützung für festival ist in Entwicklung.
Für Suse-Blinux gibt es eine Reihe von Profilen zur Anpassung von Anwendungen. Da SuSE-Blinux als Hintergrundprogramm (daemon) läuft ist es auch möglich alles zu beobachten, was das System macht. Es können sogar die Bootmeldungen gelesen werden. Das Praktische für Blinde ist, dass SuSE-Blinux viele Braillezeilen schon während der Installation des Linuxsystems automatisch erkennt. Dadurch wird es möglich, dass der Blinde das Betriebssystem alleine und mit totaler Unterstützung eines Screenreaders installieren kann. Dies gab es bis dahin noch nicht. SuSE-Blinux wird ständig weiterentwickelt.

Screenreader für die graphische Oberfläche

Linux ist schon seit vielen Jahren kein reines textbasiertes Betriebssystem mehr. Es existieren seit langer Zeit grafische Oberflächen, wie man sie u. a. von Windows-Betriebssystemen kennt.
Die zwei bekanntesten sind Gnome und KDE. Für beide Oberflächen sind Hunderte von Programmen vom Email- bis zum DVD-Brennprogramm verfügbar.
In den letzten Jahren wurde einiges getan, damit zukünftig auch Blinde die grafische Oberfläche nutzen können. Zu diesem Zwecke wurden u. a. das Gnome Accessibility Project und das KDE Accessibility Project gegründet.
Das bekannteste und vielversprechendste Programm ist dabei Gnopernicus, welches u. a. von Mitarbeitern der Firma Sun Microsystems und Baum Retec AG entwickelt wird.
Gnopernicus ist eine auf Gnome basierende, vollständige Screenreader-Lösung. Es unterstützt eine Vielzahl von Braillezeilen und verschiedene Sprachausgaben wie z. B. freetts . Neben allen Gnome-Programmen wird auch der Browser Mozilla und die Office-Suite Openoffice.org unterstützt. Eine Nutzung von KDE-Programmen über Gnopernicus befindet sich in der Entwicklung.

Linux für Sehbehinderte

Derzeit gibt es zwei Projekte, die eine Bildschirmvergrößerung entwickeln. Zum einem ist das kmag, welches im kdeacessiblity-Paket enthalten ist. Zum anderen gibt es gnome-mag, welches Teil vom gnopernicus-Projekt ist. Beide Programme unterstützen derzeit einfache Vergrößerungsfunktionen wie Mausverfolgung, etc.
Neben den Vergrößerungsprogrammen gibt es die Möglichkeit, sowohl unter Gnome und KDE sämtliche Elemente und Farben anzupassen, Schriften sowie den Mauscursor zu vergrößern. Auf der Textkonsole ist es zudem möglich, mit dem Programm SVGATextMode die Zeilenanzahl zu verringern, so dass die Schrift größer erscheint.

Was macht Linux für Blinde und Sehbehinderte attraktiv?

Selbständige Administration ist auf Grund der textbasierten Umgebung ohne Probleme möglich.

Großes Softwareangebot, textbasierte Programme werden im Gegensatz zu DOS noch weiterentwickelt. Die Software ist zum größten Teil frei. Der blinde User kann teilweise Einfluß auf die Entwicklung einer bestimmten Software nehmen, damit sie besser für ihn nutzbar ist. Linux ist ein Multiuser Betriebssystem und ermöglicht reines Multitasking.

Der blinde User kann deshalb nicht nur eine Anwendung laufen lassen, wie das zu DOS-Zeiten der Fall war, sondern so viele parallel, wie er möchte. Linux kann auf die Bedürfnisse des Users mit relativ geringem Aufwand optimal zugeschnitten werden, z. B. durch selbst geschriebene Skripte usw.

(überarbeitet von Lars Stetten)