Am 10.05.2010 fand die feierliche Übergabe des Bewilligungsbescheides für das H-eLB Projekt des BliZ durch

Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann statt. Im Folgenden können Sie den Beitrag aus der Giessener Allgemeinen Zeitung vom 11.05.2010 lesen.

Gießen (si). Das an der Fachhochschule angesiedelte Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende soll erneut Pionierarbeit leisten. Vor zwölf Jahren als erste Hilfseinrichtung dieser Art an einer deutschen Fachhochschule g-egründet, hat das »BliZ« nun den Forschungsauftrag zur Entwicklung eines »visuellen Campus« erhalten.

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Über das »Hessische elektronische Lernportal für chronisch Kranke und Behinderte« (HeLB) werden Betroffene - zunächst an der FH Gießen-Friedberg und an der Justus-Liebig-Universität - maßgeschneiderte Hilfen bekommen: von Unterrichtsmaterialien, die die jeweilige Einschränkung berücksichtigen, bis zu Online-Klausuren, die dann möglich sein sollen. Mittelzusagen von insgesamt 1,4 Millionen Euro, verteilt auf viereinhalb Jahre, hat BLiZ-Leiterin Prof. Erdmuthe Meyer zu Bexten bei verschiedenen Geldgebern erhalten. Das Gros kommt vom hessischen Wissenschaftsministerium, für das Ressortchefin Eva Kühne-Hörmann am Montag den Bewilligungsbescheid überbrachte. Weitere Geldgeber sind das Bundesgesundheitsministerium, die Bundesagentur für Arbeit, der Landeswohlfahrtsverband und das hessische Innenministerium.

Nach einer bundesweiten Erhebung des Deutschen Studentenwerks sei jeder zwölfte Studierende körperlich einschränkt (und zwar nicht nur vorübergehend, etwa durch einen Beinbruch); jeder 60. müsse sogar mit extremen gesundheitlichen Problemen zurechtkommen. Sie seien gravierend benachteiligt, vor allem bei Studiengängen mit strikten Zeitplänen, sagte Meyer zu Bexten. So sei sie vor einem Jahr auf die Idee für das »HeLB«-Projekt gekommen. Weil das von ihr gegründete Zentrum seit zwei Jahren nicht mehr nur für Blinde und Sehbehinderte zuständig ist, sondern auch für chronisch Kranke, soll das Online-Portal den erweiterten Personenkreis ansprechen: Im einen Fall können das visuelle Hilfen sein wie Brailleschrift, im andere akustische Angebote, wenn Texte beispielsweise vorgelesen werden. Auch bei Grafiken und Diagrammen sind unterschiedliche Darstellungsformen denkbar. In jedem Fall sollen die Angebote individuell zugeschnitten werden. Möglich wird sogar die zu Hause geschriebene Online-Klausur. Versehen mit einer »elektronischen Signatur«, könne sie die eigenhändige Unterschrift rechtswirksam ersetzen, sagte Meyer zu Bexten. Dabei soll das Schummeln nicht möglich sein. Denkbar sei der Einsatz eines Augenscanners, der »auffällige Bewegungen« registriere, so die Professorin, die in Gießen das Fach Informatik lehrt. Über die Projektmittel werden unter anderem sechs schwerbehinderte Hochschulabsolventen drei Jahre beschäftigt werden.

Die Landesmittel kämen aus dem Innovationsbudget, sagte Kühne-Hörmann. Auch wenn ihr Ressort mit der Förderzusage zunächst gezögert habe: Jetzt sei klar, dass man dem Online-Portal große Bedeutung zumesse. Überhaupt lobte die Ministerin - am Tag vor Unterzeichnung des Hochschulpakts - mehrfach die Forschungs- und Lehrleistungen der FH als »außergewöhnlich«. Ob und wenn ja wie sich das auf die Mittelzuweisungen auswirkt, blieb allerdings offen.

FH-Präsident Prof. Günther Grabatin hatte bei der Begrüßung der über 150 Gäste in der FH-Aula das »BLiZ« und das Online-Portal ebenfalls in den größeren Kontext der anwendungsbezogenen Forschung an der FH gestellt. Von dem Projekt profitierten behinderte Studierende. Es zeige aber auch, dass Forschung und Entwicklung an der Hochschule einen immer größeren Stellenwert bekämen, sagte er.

Zu den Kooperationspartnern gehört auch das Paul-Ehrlich-Institut (Langen). Es hat das Projekt »ProBas« entwickelt, das sich gezielt der Weiterqualifikation schwerbehinderter Bachelor-Absolventen verschrieben hat. Annetraud Grote vom Personalreferat der Bundeseinrichtung stellte das Programm vor. Grußworte sprachen Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und der Landtagsabgeordnete Matthias Büger.

Gießener Allgemeine Zeitung  11.05.2010  - http://www.giessener-allgemeine.de/