2015 04 WatzWind- und Solarenergie fällt auch an, wenn man sie nicht braucht. Zeitweise gibt es deshalb „zu viel Strom“. Speist man ihn in das Netz ein, besteht die Gefahr von Störungen, die die Stromversorgung gefährden.

Thorben Watz von der Technischen Hochschule Mittelhessen hat in seiner Bachelorarbeit im Studiengang Energiesystemtechnik eine Möglichkeit untersucht, solche Überschüsse zu speichern und so eine stark schwankende Einspeisung in das Stromnetz zu verhindern. Mit dem „Einsatz von Schwimmbecken als thermische Pufferspeicher“ befasste sich der 23-Jährige am Beispiel der Lahn-Dill-Bergland-Therme in Bad Endbach.

Dabei wird überschüssige elektrische Energie mit einem Durchlauferhitzer in Wärme umgewandelt und zum Heizen des Schwimmbeckens genutzt. Watz hat das Verfahren anhand des großen Außenbeckens in Bad Endbach simuliert. Es hat ein Volumen von knapp 250 Kubikmetern. Der Energiefachmann hat eine maximale Wassertemperatur von 32 Grad definiert, die sich an einer VDI-Richtlinie für die technische Ausrüstung von Schwimmbädern orientiert. Die Pufferkapazität, die sich aus der Differenz zwischen definierter Höchst- und Standardtemperatur ergibt, liegt bei 1,7 Megawattstunden.

Der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromproduktion beträgt heute 28 Prozent. Er soll bis 2050 – so die Bundesregierung – auf 80 Prozent steigen. Prof. Reinhold Altensen vom Gießener Institut für Thermodynamik, Energieverfahrenstechnik und Systemanalyse, der die Bachelorarbeit betreut hat, sieht deshalb eine Hauptaufgabe der Netzbetreiber darin, die stark schwankende Einspeisung von Strom aus Photovoltaik- und Windenergieanlagen in den Griff zu bekommen und so für stabile Netze zu sorgen.

2015 04 WindAltDas untersuchte Verfahren ist technisch gut geeignet, hierzu einen Beitrag zu leisten. „Bislang fehlt allerdings der Anreiz für Schwimmbadbetreiber, das Konzept umzusetzen. Sie haben erhöhte Betriebskosten, weil bei höheren Wassertemperaturen der Frischwasserbedarf wegen steigender Verdunstungsmengen wächst, und sie müssen in die Anlagentechnik investieren“, so Thorben Watz. Der Ingenieur für Energiesystemtechnik setzt auf einen Lerneffekt: „Ich denke aber, dass es für die Netzbetreiber in Zukunft durchaus sinnvoll sein kann, diese Kosten zu übernehmen, weil so große Mengen Überschussstrom kostengünstig abgefangen werden können“.