Bereits zwei Mal haben die Fachbereiche Maschinenbau und Energietechnik (FB ME) und Elektro- und Informationstechnik (FB EI) in den vergangenen Jahren gemeinsame Auslandsexkursionen durchgeführt, um Studierenden die Möglichkeit zu geben, spannende Aufgaben aus dem Berufsalltag von Ingenieuren zu bearbeiten und interkulturelle Kontakte zu knüpfen. Die gemeinsame Arbeitsgruppe NUMAR (Nautik und Maritime Robotik) mit den Gründungsmitgliedern Prof. Thomas Glotzbach und Prof. Cathrin Schröder (beide FB EI) sowie Prof. Dirk Meyer (FB ME) hatte in 2023 und 2024 an einem internationalen Workshop teilgenommen und durch eigene Programmpunkte zum Programm beigetragen. Leider war dieses Jahr keine Teilnahme möglich, da der Workshop während der Vorlesungszeiten stattfinden wird. Um aber trotzdem den Studierenden wieder eine spannende Exkursionsteilnahme zu ermöglichen, wurde stattdessen ein attraktives Alternativprogramm ausgearbeitet.
Am Montag, den 06. Oktober 2025 ging es los:
Das Team vom FB EI fuhr nach Genua zur italienischen Forschungsinstitution CNR-INM (Consiglio Nazionale delle Ricerche - Institute of Marine Engineering). Mit der Gruppe um Massimo Caccia besteht seit Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem FB EI, was sich in der kooperierenden Betreuung studentischer Arbeiten, dem Aufbau einer maritimen Robotikplattform sowie gemeinsamen Veröffentlichungen auf Konferenzen zeigt und durch ein offizielles Kooperationsabkommen zwischen CNR-INM und THM besiegelt ist.
Nach der Ankunft in Genua wurden zunächst die Labore und die beeindruckenden maritimen Roboter der Kollegen aus Genua besichtigt. Diese sind seit über 30 Jahren in der Forschung, Entwicklung und Anwendung maritimer Robotik tätig und haben unter anderem in der Vergangenheit einen autonomen Oberflächenroboter im Rahmen einer wissenschaftlichen Exkursion in der Antarktis betrieben. Am nächsten Tag hieß es dann „Hands-On“ für die Studierenden. Am Yachthafen in Genuas Stadtteil Prá brachten sie einen der an der THM gebauten maritimen Roboter AXIOS zu Wasser und präsentierten die im vergangenen Semester im Rahmen der Lehrveranstaltung „Studieneinstiegsseminar 2“ entwickelten Lösungen. Als Aufgabenstellung galt das autonome Manövrieren des Roboters, die Aufnahme von verschiedenen Umweltdaten sowie die Entnahme einer Wasserprobe. Dies fand vor den kritischen Augen des CNR-Personals statt, die den Studierenden Fragen zur Vorgehensweise stellten und Tipps für Verbesserungen gaben.
„Somit konnten unsere Studierende nicht nur klassische Fähigkeiten aus dem Bereich der Elektrotechnik praxisnah trainieren, sondern auch ihre Erfahrungen in der Präsentation ihrer Ergebnisse und Diskussion in englischer Sprache verbessern – ganz wichtige Social Skills auf dem heutigen Arbeitsmarkt“, fasst Studiendekanin Prof. Schröder zusammen. Darüber hinaus unterstützten die Kollegen von CNR die THM-Studierenden bei auftretenden Problemen. So konnte etwa ein Wassertank in den Laboren zu Testzwecken genutzt werden, als Softwareänderungen im Bereich der Roboterbewegung durchgeführt und validiert werden mussten. Oder es konnte ein verloren gegangener Propeller kurzerhand neu 3D-gedruckt werden. Nach zweieinhalb intensiven Tagen endete der Aufenthalt in Genua mit einem gemeinsamen Abendessen mit den Kollegen vom CNR.
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Währenddessen hatte die Gruppe des FB ME ein anderes Ziel: Es ging an den Lago Maggiore. Der Grund für die zeitweise Trennung der beiden Gruppen lag darin, dass das Team ME ein von Studierenden entwickeltes und selbstgebautes Prototypenboot erstmalig testen wollte. „Gerne hätten wir die Gruppe aus EI begleitet,“ erklärt Prof. Meyer, „aber der Test eines neuentwickelten Bootes im starkfrequentierten Hafen von Genua erschien uns zu riskant.“ Am Lago Maggiore hatte die Gruppe aus ME bereits in der Vergangenheit Bootstest durchgeführt und war daher mit der Infrastruktur vor Ort vertraut.
Um das neue Prototypenboot auf dem See testen zu können, mussten vor Ort noch einige abschließende Arbeiten durchgeführt werden. Unterhalb der Bodenplatten wurden Styroporelemente als Auftriebsmasse eingebracht, die im Falle eines Wassereinbruchs ein Sinken des Bootes verhindern sollen. Außerdem wurden Sitzbänke konstruiert und eingebaut, die zusätzlich als Versteifungselemente für den Rumpf dienen.
Nach der Montage der umlaufenden Gummikante und der letzten Beschläge konnte schließlich die Jungfernfahrt beginnen. Die bei diesem Bootsrumpf angewandte Versteifungstechnik bewährte sich im Praxistest: Trotz einer Verlängerung des Rumpfes um etwa 80 cm gegenüber des ersten Prototypens konnte das Gesamtgewicht deutlich reduziert werden. Das Boot zeigte sich insgesamt als sehr fahrstabil – insbesondere dann, wenn im Bugbereich zusätzliches Gewicht eingebracht wurde.
Allerdings konnte die beim Vorgängermodell beobachtete Tendenz zum Schlagen bei höheren Geschwindigkeiten durch die Rumpfverlängerung noch nicht vollständig beseitigt werden. Für die nächste Entwicklungsphase sind daher weitere Optimierungsmaßnahmen vorgesehen, sodass der kontinuierliche Verbesserungsprozess auch im kommenden Jahr fortgesetzt wird.
Nachdem das Team des FB EI ihre Zelte in Genua abgebrochen hatte, führte ihr Weg sie dann auch an den Lago Maggiore, wo es zum Zusammenschluss mit dem Team ME kam. In der verbleibenden Zeit der Exkursion standen gemeinsame Experimente auf dem Programm. Dazu gehörte der Test einer Aufnahme- und Aussetzeinrichtung, mit der die EI-Roboter vom ME-Boot aus zum Einsatz gebracht oder evakuiert werden können. „Diese Thema ist aktuell von großer Bedeutung im Bereich der maritimen Robotik. Hier zeigt sich die Bedeutung der engen Kooperation zwischen den Fachbereichen ME und EI, die wir in der AG NUMAR betreiben“, resümiert Prof. Glotzbach den letzten Teil der Exkursion.
Am 13. Oktober wurden am Morgen noch Boote und Roboter verpackt, dann ging es auf die Rückreise nach Gießen. Alle Beteiligten freuten sich über das gute Gelingen der Exkursion, die den Studierenden viele Möglichkeiten zu praxisnahen Tätigkeiten gab, internationale Kontakte vertiefen und die Kooperation zwischen den beteiligen Fachbereichen ausweiten konnte.
Update: Nachträglich haben wir noch ein Video zur Exkursion erstellt – viel Spaß beim Anschauen!


