Klebverbindungen stellen ein weit verbreitetes Fügeverfahren dar. Aufgrund der geringen Schweißeignung moderner hochfester Stähle ersetzen Klebverbindungen im Automobilbau zunehmend traditionelle Fügeverfahren wie die Punktschweißverbindung. Neben der Gewährleistung einer ausreichend hohen Bauteilsteifigkeit stellen die Crashlastfälle maßgebliche Anforderungen an die Energieaufnahme einer Klebverbindung. Vom Klebschichtversagen kann die Faltung und somit die Energiedissipation der Gesamtstruktur wesentlich abhängen. Zur Auslegung geklebter Strukturen unter Crashbelastung, die im Regelfall mittels numerischer Simulation erfolgt, sind demnach Materialmodelle erforderlich, die das Versagen einer Klebung bei geringem numerischen Aufwand effizient beschreiben können. Hierzu bieten sich Kohäsivzonenmodelle an, die eine Ersatzmodellierung für Grenzschichtversagen darstellen.Die Modellparameter für solche Kohäsivzonenmodelle werden in der Regel in bruchmechanischen Versuchen direkt ermittelt. Hierzu werden gewöhnlicher Weise Versuche in den reinen, bruchmechanischen Einzelmoden I und II durchgeführt. Bislang wird meist eine Äquivalenz der Moden II und III angenommen. Für eine kombinierte Beanspruchung mehrerer Moden werden in den Modellen verschiedene Interpolationsmöglichkeiten vorgeschlagen. Zum realen Verhalten einer Klebung unter kombinierter Mode I / Mode III-Beanspruchung liegen derzeit jedoch noch keine experimentellen Daten vor.Ziel des Forschungsvorhabens ist es, einen Versuchsaufbau zu realisieren, mit dem es erstmals möglich wird, das Versagensverhalten einer Klebverbindung unter kombinierter Mode I / Mode III-Beanspruchung zu untersuchen. Die grundlegende Idee des Versuchsaufbaus orientiert sich dabei an etablierten bruchmechanischen Proben und stellt somit eine Erweiterung existierender Methoden dar. Infolge des neuen Versuchs wird es möglich sein, die Anteile der Einzelmoden am J-Integral erstmals getrennt voneinander zu erfassen und damit ein gezieltes Modenverhältnis vorgeben zu können. Als weitere innovative Untersuchung, kann die Abhängigkeit des Bruchverhaltens einer kombiniert beanspruchten Klebung von der Belastungsgeschichte überprüft werden. Im Falle einer solchen Unabhängigkeit des Bruchverhaltens von der Belastungsgeschichte besitzt das J-Integral die Eigenschaft eines Pseudo-Potentials zur Berechnung des Spannungsvektors unter kombinierter Beanspruchung. Eine solche mögliche Eigenschaft ist ein wichtiger Bestandteil von Kohäsivzonenmodellen, hierzu existieren jedoch bislang keine experimentellen Belege.Das Forschungsvorhaben liefert an dieser Stelle einen Beitrag zur Beantwortung offener Fragen hinsichtlich erforderlicher Eigenschaften von Modellen. Abschließend wird ein Kohäsivzonenmodell formuliert, welchem die neuen experimentellen Erkenntnisse zu Grunde liegen. Die Parameterbestimmung für dieses Modell erfolgt direkt aus dem neuen Versuchstyp, eine aufwändige inverse Parameteridentifikation ist nicht erforderlich.