Im Rahmen von einschlägigen Vorarbeiten ließ sich eine ausgewiesene Ratenabhängigkeit des Bruchverhaltens von hyperelastischen Klebungen unter einer rein schälenden Beanspruchung der Rissspitze feststellen. Da jedoch in diesen Versuchen die Steifigkeit der Klebung von der Dehnrate weitgehend unbeeinflusst blieb, scheint hier eine Superposition von visko-elastischen und schädigungsmechanischen Werkstoffmodellen nicht trivial möglich zu sein, zumal auch zeitabhängige Effekte wie Kriechen und Relaxation zu einem Rissfortschritt in der Klebung führten.
Weder sind die gegenwärtig verfügbaren Werkstoffmodelle dazu in der Lage, ein solches Verhalten phänomenologisch zu beschreiben, noch ist das eigentliche Bruchverhalten solcher Klebungen verstanden. Nichtsdestotrotz werden hyperelastische Klebungen im Automobilbau zur Anbindung von Windschutzscheiben an die Karosserie verwendet und übernehmen somit eine strukturell relevante Funktion im Gesamtfahrzeug.
Dieses Forschungsvorhaben umfasst experimentelle, theoretische und numerische Arbeiten. Auf experimenteller Seite bestehen Herausforderungen durch die hohen angedachten Prüfgeschwindigkeiten. Hier ist ein besonderes Augenmerk auf die Messkette und die verwendete Sensorik zu legen, um die Gefahr von Fehlinterpretationen der gewonnenen Messdaten durch kurzzeitdynamische Effekte, die bei dynamischen Versuchen auftreten, zu minimieren.
Aus der gewonnenen experimentellen Datenbasis soll ein Versagensmodell abgeleitet werden, welches das beobachtete Verbindungsverhalten hinreichend genau vorhersagen kann. Insbesondere soll dieses Modell dazu in der Lage sein, Effekte aus Belastungsgeschwindigkeit, Kriechen und Relaxation für die beiden Belastungsarten Schälung und Scherung vorherzusagen.