von U. Abel


Liste bekannter Mathematikerinnen
http://turnbull.dcs.st-and.ac.uk/history/Indexes/Women.html


Erste deutsche Doktorin der Mathematik

Marie Gernet (1865-1924)

Erste deutsche Doktorin der Mathematik und Lehrerin am ersten Mädchengymnasium
Quelle: http://www.didaktik.mathematik.uni-wuerzburg.de/gdm/mitteilungen/mit64.html

Bisher wurde gewöhnlich angenommen, daß Emmy Noether als erste in Deutschland geborene Frau an einer deutschen Universität in Mathematik promovierte. Studien im Universitätsarchiv Heidelberg erbrachten, daß bereits 1895 Marie Gernet (1865-1924) mit einer Dissertation bei Leo Königsberger, bei dem schon Sofja Kowalewskaja 1869 Vorlesungen gehört hatte, zur Doktorwürde geführt worden war. Der Vortrag beleuchtete das Promotionsverfahren, wobei Marie Gernet in der ersten mündlichen Doktorprüfung (Nov. 1894) im Fach Mechanik scheiterte und die Wiederholungsprüfung bestand, zeigte ihr Engagement bei der Reform des Mädchengymnasiums in Karlsruhe, an dem sie bis zu ihrem Lebensende tätig war, und bettete diesen Lebensweg einer promovierten Mathematikerin bzw. Mathematiklehrerin in die Entwicklung des mathematischen Frauenstudiums und der Promotionen von Frauen seit dieser Zeit (in Deutschland bis 1933) ein. 

Literatur:
Marie Gernet (1865 bis 1924) - erste deutsche Doktorandin in Mathematik und Lehrerin am ersten Mädchengymnasium, in: Mathematik in der Schule, 36 (1998) 10, S. 556-561.


 

 Moufang Moufang Erste beamtete Mathematik-Professorin in Deutschland

Ruth Moufang (10. Jan. 1905 – 26.Nov. 1977)

Links: 
http://www-groups.dcs.st-and.ac.uk/~history/Mathematicians/Moufang.html

http://www.didaktik.mathematik.uni-wuerzburg.de/gdm/mitteilungen/mit64.html

Ruth Moufang hat in Frankfurt Mathematik und Physik studiert und dort 1930 mit einer Arbeit aus den "Grundlagen der Geometrie" bei Max Dehn promoviert. Sie absolvierte einen Studienaufenthalt in Rom und nahm ein Jahr lang in Königsberg einen Lehrauftrag wahr. Sie hat sich zunächst dem Studium von Schließungssätzen in projektiven Ebenen gewidmet. Es gelang ihr, eine Klasse von nicht-desarguesschen Ebenen geometrisch und algebraisch zu kennzeichnen und damit wesentlich über den Hilbertschen Standpunkt hinauszugelangen. Diese von ihr beschriebenen Ebenen tragen heute ihren Namen.
Ihre Universitätskarriere wurde 1936 jäh unterbrochen. Sie konnte noch mit einer Arbeit über angeordnete Schiefkörper den Dr. habil. erwerben, aber die venia legendi wurde ihr verweigert, weil sie als Frau nicht die notwendigen erzieherischen und Führereigenschaften habe. Sie hat diese Diskriminierung offenbar als tiefe Kränkung erlebt, da sie die akademische Lehre und Forschung als ihren Lebensberuf ansah. Von 1937 an war sie im Forschungsinstitut der Fa. Krupp als Assistentin bzw. Abteilungsleiterin tätig. Ihr Arbeitsgebiet waren nun Randwertaufgaben und Differentialgleichungen der Elastizitätstheorie und der höheren Festigkeitslehre. 
Ab 1946 konnte Ruth Moufang dann ihre unterbrochene Universitätskarriere doch fortsetzen. Sie bekam 1948 an der Universität Frankfurt eine Stelle als Dozentin und wurde 1951 zur außerordentlichen Professorin ernannt. Sie war damit die erste beamtete Mathematik-Professorin in Deutschland. 1957 wurde sie zum persönlichen Ordinarius ernannt. Sie nahm Aufgaben als Direktorin des Mathematischen Seminars und als Dekanin wahr. Bis 1970 wirkte sie als ordentliche Professorin in Frankfurt.
Ruth Moufang hat die 1936 erfahrene Diskriminierung nie wirklich verwunden, zumal sie auch bei Krupp und selbst nach dem Krieg noch ähnliche Erfahrungen machte. In der Mathematik haben ihr ihre frühen Arbeiten Ruhm und Ansehen eingebracht. Als Professorin hat sie sich hohe Achtung bei Kollegen und Studierenden erworben.


Liste der Habilitationen (und B-Promotionen) in Mathematik, Didaktik der Mathematik und Geschichte der Mathematik von Frauen in Deutschland seit 1919
www-ifm.math.uni-hannover.de/%7Ebessen/habil.html

Eine fächerunabhängige Liste der Habilitationen von Frauen in Deutschland seit 1970 wird angestrebt, siehe:
www.fu-berlin.de/zefrauen/datenbanken/habil/habilda.html

EUROPEAN WOMEN IN MATHEMATICS
www.math.helsinki.fi/EWM/EWM.html
Deutsche Version:
mitglied.lycos.de/FriederikeSP/EWM/ewm-index.html


Aufsätze zum Thema „Frauen in der Mathematik“

Zum Beginn des mathematischen Frauenstudiums in Preussen.
In: NTM - Schriftenreihe für Geschichte der Naturwissenschaften, Technik und Medizin, 28 (1991) 2, 7-28.

Eine Karriere zwischen Schule, Industrie und Universität. Ein Porträt der Naturwissenschaftlerin Iris Runge (1888-1966) - Eine frühe Repräsentantin der Technomathematik.
In: Nagelschmidt, Ilse (Hrsg.), Frauenforscherinnen stellen sich vor. Ringvorlesung Teil III - Sommersemester 1995. Leipzig: Universitätsverlag, 1996, S. 35-81.

Frauenkarrieren in Mathematik und Naturwissenschaften, historische Erfahrungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
In: H. W. Hamacher und K. Klamroth (Hrsg.), Kinder, Familie, Karriere: Ein gesellschaftliches Problem, Aachen: Shaker Verlag, 1997, S. 51-69.

Einflussfaktoren auf die Karriere von Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften.
In: R. Tobies (Hrsg.), "Aller Männerkultur zum Trotz": Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften, Frankfurt a.M., New York: Campus Verlag 1997, S. 17-67.

Mathematikerinnen und ihre Doktorväter.
In: R. Tobies (Hrsg.)," Aller Männerkultur zum Trotz": Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften, Frankfurt a.M., New York: Campus Verlag 1997, S. 131-158.

Promotionen von Frauen in Mathematik - ausgewählte Aspekte einer historiographischen Untersuchung.
In: Mitteilungen der Mathematischen Gesellschaft Hamburg, 16 (1997) S. 39-63.

Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften. Anfänge des Studiums und der akademischen Karriere. In: Ringvorlesungen zu Themen aus der Frauenforschung.
Johannes Gutenberg- Universität Mainz, Bd. 6, Mainz 1997, S. 25-43.

Dissertationen von Frauen in Mathematik - Merkmale, Tendenzen, Besonderheiten.
In: Toepell, Michael (Hrsg.), Mathematik im Wandel, Anregungen zu einem fächerübergreifenden Mathematikunterricht (Mathematikgeschichte und Unterricht, Bd. 1), Hildesheim, Berlin: Verlag Franzbecker 1998, S. 398-412.

Felix Klein und David Hilbert als Förderer von Frauen in der Mathematik.
In: Acta Historiae rerum naturalium necnon technicarum / Prague Studies in the History of Science and Technology, N.S. Vol. 3 (1999) S. 69-101.

"Aller Männerkultur zum Trotz": Frauen erwerben den Doktortitel in Mathematik.
In: E. Dickmann; E. Schöck-Quinteros (Hg.), Barrieren und Karrieren. Die Anfänge des Frauenstudiums in Deutschland (Schriftenreihe des Hedwig Hintze-Instituts Bremen, Bd. 5). Berlin: trafo-Verlag (2000), S. 231-252.

Determinanten von Karriereverläufen in der Mathematik unter geschlechtsvergleichender Perspektive.
In: Renate von Bardeleben (Hg.), Frauen in Kultur und Gesellschaft. Ausgewählte Beiträge der 2. Fachtagung Frauen-/Genderforschung in Rheinland-Pfalz. Tübingen: Stauffenburg Verlag 2000, S. 461-469.

Frauen in der Mathematik.
In: Tangente, Klett-Magazin, 4 (2000), Nr. 40, S. 2-4.

Sponer-Franck, Hertha (1895-1968).
In: Ogilvie, Marilyn; Harvey, Joy (eds.), The Biographical Dictionary of Women in Science. Pioneering Lives from Ancient Times to the Mid-20th Century. New York / London: Routledge 2000, Vol. 2, pp. 1219-1221.

"Naturwidrige Amazonen?" Forscherinnen zwischen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. In: Wächter, Christine (Hg.), Frauen in der Technologischen Zivilisation (Technik- und Wissenschaftsforschung, Bd. 35). München, Wien: Profil Verlag GmbH 2000, S. 121-138.

Mit A. Abele, H. Neunzert und J. Krüsken: Frauen und Männer in der Mathematik – früher und heute.
In: Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (2001), H. 2, S. 8-16.

Women and Mathematics. 
In: NTM-International Journal of History and Ethics of Natural Sciences, Technology, and Medicine, N.S. 9 (2001), 191-198.

Baden als Wegbereiter: Marie Gernet (1865-1924) erste Doktorandin in Mathematik und Lehrerin am ersten Mädchengymnasium.
In: M. Toepell (Hg.), Mathematik im Wandel, Anregungen zu einem fächerübergreifenden Mathematikunterricht, Bd. 2. Hildesheim: Franzbecker Verlag, S. 228-241.

In Spite of All Male Culture: Women in Mathematics.
In: The World is Different with Mathematics. European Women in Mathematics Proceedings of the 9th General Meeting (Loccum, Germany, 30 August 30- 4 September 1999).
Hindawi Publishing Corporation 2001, S. 25-35.

Femmes et mathématiques dans le monde occidental, un panorama historiographique. 
In: Gazette des mathématiciens (société mathématique de france), 0ctobre 2001, n° 90, 26-35.

"Naturwidrige Amazonen?": Zur Rolle von Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. 
In: Kretschmann, Martina; Stein, Monika (Hg.): Computer, Algorithmen und Quarks nur für Mädchen! (Dokumentation zur 1. Brandenburgischen Sommer-Universität für Schülerinnen in Naturwissenschaft und Technik). Potsdam: Universitätsbibliothek 2002, S. 62-69.


Bücher zum Thema „Frauen in der Mathematik“

Lilly Beerman, Kurt A. Heller, Pauline Menacher,
Mathe: Nichts für Mädchen?
Huber, Bern, 1992
ISBN 3456821522

Erika Schildkamp-Kündiger,
Frauenrolle und Mathematikleistung.
Cornelsen, Berlin, 1974
ISBN 3590143088

Wilderich Tuschmann, Peter Hawig,
Sofia Kowalewskaja. Ein Leben für Mathematik und Emanzipation.
Birkhäuser Verlag
ISBN 3764328827

Renate Tobies,
"Aller Männerkultur zum Trotz". Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften.
Campus Fachbuch, 1997
ISBN 3593357496

Helga Krahn, Cornelia Niederdrenk-Felgner,
Frauen und Mathematik: Variationen über ein Thema der Aus- und Weiterbildung von
Lehrerinnen und Lehrern.
Kleine Verlag, Bielefeld, 1999
ISBN 3893703195

Hel Braun,
Eine Frau und die Mathematik 1933-1940. Der Beginn einer wissenschaftlichen Laufbahn.
Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 1990
ISBN 3540521666

Annette Grabosch und Almut Zwölfer (Hrsg.),
Frauen und Mathematik. Die allmähliche Rückeroberung der Normalität?
Attempto, Tüb., 1992
ISBN 3893081461