In der Zeit vom 28.09. bis 2.10.02 führten 25 Studierende der Studiengänge Mathematik und Physikalische Technik sowie einige Studierende des Fachbereichs IEM unter Leitung der Professoren Ulrich Abel und Hans-Justus Eifert sowie Laboringenieur Michael Scheidel (alle MND) eine Exkursion nach Hamburg durch.

 

MND-Hamburg2002
25 Studierende des Fachbereichs MND besuchten technische und wirtschaftliche Einrichtungen der Hansestadt.


Die Anreise erfolgte am Samstag oder Sonntag in Kleingruppen mit der Deutschen Bahn. Beide Tage standen für Stadtbesichtigung und Hafenrundfahrt zur Verfügung. Die Unterbringung erfolgte in der Hamburger Jugendherberge "Auf dem Stintfang" direkt oberhalb der berühmten Landungsbrücken. Von der Aussichtsterrasse bot sich ein prächtiger Blick über die Elbe und den Hamburger Hafen.

Am Montag führte der erste offizielle Besuchstermin die Studierenden der technischen Studiengänge mit Prof. Eifert vormittags zum Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY). Es ist eines der weltweit führenden Zentren der Hochenergie-physik, wo die spannende Welt der Elementarteilchen an dem großen unterirdischen Beschleunigerring HERA erforscht wird. Ein zweiter Forschungs-schwerpunkt bilden die Experimente mit Synchrotronstrahlung, die eine Vielzahl von Untersuchungs¬möglichkeiten in der Atom- und Festkörperphysik, Chemie, Geologie, Material¬forschung, Molekularbiologie und Medizin aufzeigt. Der Besuch beim DESY offen¬barte den Studierenden, dass viele unterschiedliche technische Arbeitsgebiete miteinander vernetzt werden müssen, um so ein bekanntes Großforschungszentrum zu betreiben.

Am Montagnachmittag stand für die Studierenden der technischen Studiengänge mit Prof. Eifert die Fa. Rofin-Sinar Laser GmbH auf dem Besuchs¬programm. Sie ent-wickelte sich seit mehr als 25 Jahren zu einem der führenden Hersteller von Lasern für die industrielle Materialbearbeitung. Der Laser ermöglicht aufgrund seiner Präzision, Flexibilität und Leistungsfähigkeit neue kostensparende Lösungen in  Konstruktion und Fertigung. Besonders die Studierenden der Physikalischen Technik sammelten in dieser Firma viele praxisnahe Eindrücke zu Einsatzmöglichkeiten im späteren Berufsleben.

Gleichzeitig folgten 13 Mathematikstudenten mit Prof. Abel einer Einladung der Mathematischen Abteilung eines der größten deutschen Unfall- und Lebensversicherer, der Hamburg-Mannheimer Versicherung. Das Unternehmen der ERGO-Gruppe mit Sitz in Hamburg beschäftigt etwa 3860 Mitarbeiter sowie 25000 haupt- und nebenberufliche Vermittler.
Nach einem einleitenden Vortrag des Hauptabteilungsleiters über das Unternehmen berichteten fünf Referenten über ihre Arbeit. Die vorgestellten Themen aus den Bereichen Tarifentwicklung, statistische Untersuchungen, Biometrie, Bilanzsysteme und Betriebswirtschaft ermöglichten wertvolle Einblicke in das zukünftige Berufsfeld und vermittelten eine realistische Vorstellung von der Tätigkeit eines Mathematikers in einer Versicherung.

Am Dienstagvormittag besuchten sämtlich Exkursionsteilnehmer das 1990 in Dienst gestellte ICE-Betriebswerk Hamburg. In einer 430 m langen und 65 m breiten Halle (so groß wie 4 Fußballfelder) können acht ICE-Züge gleichzeitig in nur einer Stunde gewartet werden. Nach einem einleitenden Vortrag, in dem auch die Bereiche Datenverarbeitung und Datenfernübertragung zur Sprache kamen, schloss sich die Besichtigung eines ICE-Triebkopfes an. In der untersten Hallenebene konnte der Wechsel eines Radsatzes beobachtet werden.

Am Nachmittag stand das weltbekannte Traditionsunternehmen Blohm & Voss auf dem Programm, das in diesem Jahr seinen 125. Gründungstag feiern konnte. Blohm & Voss steht für Qualität im Schiff- und Maschinenbau und ist Hersteller von Hoch¬technologie-Schiffen wie Fregatten, Korvetten, schnellen Kreuzfahrtschiffen sowie MEGA-Yachten. Der Einsatz von neuen Fertigungstechnologien (Kombination von Laserstrahlschneiden und –schweißen, Automatisierung der  Fertigung sowie modulare Bauweise) und verbesserte Messtechniken mit einer für den Stahlschiffbau bisher nicht gekannten Präzision führte zu einer erheblichen Steigerung der Produktivität.  Für alle Teilnehmer war es sehr beeindruckend mächtige Schiffs¬kompo¬nenten und ganze Schiffe in riesigen Fertigungshallen und Trockendocks zu bewundern, die mit modernsten Methoden der Lasertechnik exakt gefertigt und vermessen wurden. Insbesondere die Studierenden der Physikalischen Technik erkannten, wie innovativ die Methoden der Lasertechnik sich auf den Schiff- und Maschinenbau ausgewirkt haben.

Den Abschluss bildete am Mittwoch der Besuch der Hamburger Lufthansawerft, in der Großraumjets der Lufthansa nach einem festgelegten Zeitplan gewartet und überholt werden. Die umfangreichste Überholung eines Flugzeuges - ein sog. D-Check - wird in Intervallen von 5-10 Jahren durchgeführt, benötigt ca. 6 Wochen und bis zu 70000 Arbeitsstunden. Besonders für die Studierenden der technischen Studiengänge war die große Palette der innovativen Prüf- und Reparaturverfahren interessant, mit denen Flugzeug¬komponenten und –einbauten getestet wurden. Die Kontrolle der Außen¬haut des Flugzeugs erfordert besonderen Aufwand. Fachleute suchen mit Hilfe von Wirbel¬strom¬sonden und Röntgengeräten nach Haarrissen und Korrosionsschäden an Niet¬verbindungen und im Rumpf. Schweißnähte in den Druckleitungen des Triebwerksbereiches unterliegen darüber hinaus einer speziellen Überprüfung, der Isotopen-Kontrolle. Um beispielsweise den Bordcomputer einer Boeing 747 durchzutesten, würde ein Fachmann mindestens zwei Wochen benötigen. Ein Prüfcomputer erledigt das in zwei Stunden und liefert noch ein ausführliches Protokoll dazu. Beeindruckend waren die enormen Abmessungen der Großraumjets, die in den riesigen Hallen standen. Auf Arbeitsplattformen konnten die Exkursions¬teilnehmer einen Blick in die Tragflächen werfen und den Innenraum eines ausge¬bauten "Jumbos" in Augenschein nehmen.

Insgesamt nahmen alle Teilnehmer der Exkursion viele praxisnahe Eindrücke mit, und es boten sich einige Kooperationsmöglichkeiten im Rahmen von Berufs-praktischen Studien¬semestern und Diplomarbeiten an.

Am Mittwochabend traten die Exkursionsteilnehmer die Heimreise an. Mit dem ICE führte die Reise nach Kassel, und nach Umsteigen in den Interregio war noch vor Mitternacht Friedberg erreicht.