Wie fühlt es sich an, in einer Millionenmetropole wie Bangkok zu leben und gleichzeitig spannende Einblicke in die Eventbranche zu gewinnen?
EMT-Studentin Liv Wendel berichtet aus Thailand, wo sie aktuell ihr BPS-Praktikum absolviert.
Seit Oktober unterstützt sie ein Eventunternehmen vor Ort und übernimmt vielfältige Aufgaben: von der Organisation und Betreuung von Teambuilding-Events bis hin zur Erstellung von Aftermovies und der strategischen Abstimmung zwischen verschiedenen Teams. Besonders beeindruckt ist sie von den CSR-Projekten, die sie hautnah miterlebt: Ob in einer Waisenschule, beim gemeinsamen Kochen mit geretteten Lebensmitteln oder beim Bau von Fahrrädern für Schulkinder – diese Erlebnisse zeigen die gesellschaftliche Relevanz der Eventbranche.
Ihr Weg ins Ausland war geprägt von Herausforderungen, aber auch von großer Entschlossenheit. Mit ihrer Offenheit und ihrer Begeisterung möchte sie anderen Studierenden Mut machen, ebenfalls den Schritt ins Ausland zu wagen – und dabei über sich selbst hinauszuwachsen.
Lesen Sie hier das Interview mit Liv Wendel.
EMT: Warum wollten Sie Ihr Praktikum im Ausland absolvieren?
Liv Wendel: Mich hat es schon immer ins Ausland gezogen. Ich war nach dem Abi zwei Jahre reisen und wollte danach sogar im Ausland studieren, was durch Covid jedoch nicht möglich war. Als Herr Barwich dann in meinem 1. Semester erwähnt hat, dass es möglich/erwünscht ist, das BPS im Ausland zu machen, wusste ich, dass ich das machen würde.
EMT: Wie haben Sie ein passendes Unternehmen gefunden?
Liv Wendel: Das war tatsächlich nicht so einfach. Über Erasmus kann man viele Auslandspraktika finden, auch für Eventmanagement; allerdings waren mir diese nicht weit genug weg, da ich im Wintersemester unbedingt ins Warme wollte. Ich habe also hauptsächlich nach Praktika in Asien gegoogelt, habe aber schnell festgestellt, dass es sehr schwer ist, dort welche zu finden, ohne Vermittlungsgebühren an Agenturen zu zahlen (meistens 1000-3000 €!!). Auf meine Firma bin ich also erst nach mehreren Tagen Suche gestoßen über eine unserer Websites: https://www.internships-thailand.com/.
EMT: Was waren die größten Hürden im gesamten Prozess bisher?
Liv Wendel: Neben der Suche nach Praktikumsplätzen definitiv die Wohnungssuche in Bangkok! Die meisten Kondos in der Stadtmitte bieten nur Verträge mit einer Mindestmietdauer von einem Jahr an. Die Wohnungssuche hat also auch wieder viele Wochen in Anspruch genommen, und letztendlich musste ich mir ein Kondo über Airbnb mieten, was deutlich teurer ist. Im Nachhinein hätte ich zuerst in ein Hostel ziehen sollen und die Wohnungssuche von hier aus angehen sollen, weil es hier deutlich leichter ist als online. Ansonsten verlief eigentlich alles reibungslos und ich bin sehr dankbar, dass ich noch keine großen Probleme hatte.
EMT: Haben Sie sich auf die Zeit im Ausland besonders vorbereitet?
Liv Wendel: Ich hatte mir auf Instagram Reels zu Regeln und ein paar nützlichen Vokabeln angeschaut, aber das war eigentlich schon alles. Impfen wäre auf jeden Fall noch zu empfehlen (frühzeitig planen; da manche Impfstoffe zweimal verabreicht werden müssen – mit ein paar Monaten Pause dazwischen), aber ansonsten habe ich es eigentlich einfach auf mich zukommen lassen.
EMT: Welche Aufgaben haben Sie während des Praktikums übernommen?
Liv Wendel: Ich begleite all unsere Teambuilding-Events und muss daher die Abläufe kennen, falls die Teilnehmer Fragen haben. Manchmal werde ich auch als Teamleader oder Gamemaster eingesetzt und muss Spiele erklären, oder ein Team betreuen. Meistens helfe ich auch bei der Vorbereitung und stelle sicher, dass unser Equipment vollständig und sortiert ist. Bei manchen Events darf ich auch bei der Planung helfen, zum Beispiel Spiele vorschlagen oder ausdenken und einen ersten Zeitplan, sowie eine Packliste entwerfen. Ich bin auch ab und zu im Gespräch mit potenziellen Kunden und kläre die Rahmendaten sowie Wünsche ab, bevor meine Manager die Planung übernehmen. Hauptsächlich bin ich außerdem für die Aftermovies zuständig und dafür verantwortlich, dass unser Team das Event so festhält, dass ich daraus ein gutes Video für Youtube und unsere Kunden schneiden kann. Außerdem bin ich die „Brücke“ zwischen dem Marketingteam, dem Eventteam und sorge dafür, dass auch die neuesten Events und Ideen in unserer Onlinepräsenz vertreten sind und diese immer auf dem aktuellen Stand ist.
EMT: Was waren die tollsten Erlebnisse?
Liv Wendel: Die tollsten Erlebnisse auf der Arbeit sind definitiv unsere CSR-Events! Das sind auch Teambuilding-Events für große Firmen; allerdings sind sie darauf bedacht, Gutes zu tun, was ich sehr schön finde. Mein Lieblingsevent fand in einer Waisenschule statt, wo wir mit den Kindern gemalt, gespielt und Sport gemacht haben und ihnen am Ende Eis und Spielsachen geschenkt haben. Bei einem anderen Event haben unsere Kunden aus geretteten Lebensmitteln Gerichte für die Armen in der Community gekocht und gestern erst hatten wir ein Event, bei dem wir zusammen mit drei thailändischen Schuldkindern Fahrräder gebaut haben und ihnen diese dann geschenkt haben.
Diese Events zeigen mir, wie vielfältig die Eventbranche sein kann; außerdem lerne ich Thailand so nicht nur als Tourist kennen, sondern sehe auch Seiten, die ich ohne das Praktikum niemals kennengelernt hätte. Aber an sich machen mir all unsere Events Spaß, weil ich mit der Arbeit in ganz Bangkok unterwegs bin und die Stadt sowie ihre Sehenswürdigkeiten so kostenlos erkunden kann. Jedes Event ist also ein tolles Erlebnis. Abgesehen von der Arbeit war mein schönstes Erlebnis bisher das Yi Peng Festival in Chiang Mai, bei dem man tausende Laternen in den Himmel aufsteigen lässt. Das war wirklich sehr eindrucksvoll und wird mir noch viele Jahre in Erinnerung bleiben.
Wie hilfreich war das EMT-Studium, um in der Praxis bestehen zu können?
Liv Wendel: Das Studium hat einen auf jeden Fall gut darauf vorbereitet, wie stressig Events manchmal sein können und dass man in Stresssituationen schnell reagieren muss, aber dabei trotzdem ruhig bleiben muss. Vor allem Module wie IP2 oder Eventmanagement finde ich besonders wichtig in der Praxis und auch das Kommunikationstraining hilft mir hier dabei, trotz Sprachbarriere, Missverständnisse zu vermeiden.
EMT: Was würden Sie Ihren Kommiliton*innen empfehlen oder mit auf den Weg geben, die ebenfalls noch vor dem BPS stehen oder überlegen im Ausland zu studieren?
Liv Wendel: Macht euch keine Sorgen; man findet immer einen Weg. Denkt daran, dass es nur ein paar Monate sind – also: take the risk! Und selbst wenn es am Ende doch nichts für euch ist: Es ist schneller vorbei als man denkt und man kommt immer mit ein paar verrückten Geschichten nach Hause und hat neue Freunde aus der ganzen Welt. Seid einfach offen und erwartet keine deutschen Standards, dann wird das eine richtig coole Zeit.
EMT: Würden Sie wieder ein Praktikum im Ausland machen? Oder erwägen Sie sogar nach dem Studium im Ausland zu leben und zu arbeiten?
Liv Wendel: Ich würde es jederzeit genauso machen und hoffe, ich kann hiermit vielleicht den ein oder anderen motivieren, ebenfalls ins Ausland zu gehen. Langfristig habe ich mich schon immer im Ausland gesehen und werde dies nach dem Bachelor auch so schnell wie möglich angehen.
