Tara Matthäus im BPP in HawaiiIm Rahmen ihrer Berufspraktischen Phase (BPP) verbrachte EMT-Studentin Tara Matthäus ihr siebtes Semester auf der hawaiianischen Insel Oahu – und bewies dabei nicht nur Organisationstalent, sondern auch jede Menge interkulturelles Gespür.

Über persönliche Kontakte fand sie ihren Weg zu einer Organisation, die sich für sinnstiftende Gemeinschaftsangebote engagiert. Ihre Hauptaufgabe: Events für das lokale „Surfers Coffee“ zu planen und durchzuführen – ein Begegnungsort für Militärfamilien, Einheimische und Geflüchtete.

Trotz bürokratischer Hürden und kultureller Umstellungen war das Praktikum ein voller Erfolg – und ein weiteres Beispiel dafür, wie vielseitig und individuell ein BPS im Ausland sein kann.

Lesen Sie hier das Interview mit Tara Matthäus.

EMT: Warum wollten Sie Ihr Praktikum im Ausland absolvieren?

Tara Matthäus: Schon nach dem Abi habe ich ein halbes Jahr im Ausland (Uganda) verbracht, was eine unglaublich tolle Zeit war. Als ich auf der Webseite des Studiengangs die Angabe "BPP, möglichst im Ausland" gesehen habe, war mir sofort klar, dass ich gerne noch einmal die Chance auf eine solche Erfahrung nutzen möchte.


EMT: Wie haben Sie ein passendes Unternehmen gefunden?

Tara Matthäus: Nach erfolg- und antwortlosen Initiativbewerbungen, habe ich alle meine Bekannten nach Kontakten in der Karibik oder in Hawaii gefragt. Einer kannte einen, der einen Surfshop auf Oahu, Hawaii hat und der wiederum kannte die Organisation für die ich dann arbeiten konnte.


EMT: Was waren die größten Hürden im gesamten Prozess bisher?

Tara Matthäus: Ein Visum für eine so lange Zeit zu bekommen war nicht einfach. Da ein BPP für die Amerikaner weder in die Kategorie "Studium" noch "Praktikum" fällt, wurde mir von einer Visaberatungaorganisation empfohlen, mich einfach für ein Touristenvisum zu bewerben. Da haben mir an der Grenze ganz schön die Knie geschlottert. Auch sich in die amerikanische Kultur einzufinden, ist mir nicht leicht gefallen.


EMT: Haben Sie sich auf die Zeit im Ausland besonders vorbereitet?

Tara MatthäusNein, nicht wirklich. 


EMT: Welche Aufgaben haben Sie während des Praktikums übernommen?

Tara MatthäusDas klare Ziel, durch wöchentliche Freitagabend-Events im zugehörigen „Surfers Coffee“ ein Angebot zu kreieren, das ein gesundes Umfeld (ohne Drogen etc.) mit spannenden Aktivitäten kombiniert, war eine meiner Hauptaufgaben. Events wie Line-Dancing, Open-Mic-Sessions, handwerkliche Workshops, Musikunterricht auf der Ukulele (dem klassischen, hawaiianischen Instrument), Karaoke-, Kino– und Spieleabende konnten ein breites Publikum erreichen. Militär- und Flüchtlingsfamilien, junge und alte Paare hatten gemeinsam eine gute Zeit. Hier lag bald die komplette Organisation in meiner Hand: Termine mit Instrukteuren und Baristas abklären, Flyer und Poster in Auftrag geben und verteilen, Social Media Marketing, Auf- und Abbau des Events, während des Events als Ansprechpartner für Instrukteure und Gäste fungieren und gegebenenfalls Ton- und Lichttechnik.

Des Weiteren wurde ich als Betreuer und Ratgeber für eine Gruppe junger Erwachsener aus dem Leiterschafts-Training eingesetzt, die ein Konzert planen sollten. Hier konnte ich einige Inhalte aus dem Studium direkt weitergeben und die Gruppe so davor bewahren „in die falsche Richtung abzubiegen“.
Unterstützend tätig war ich bei einem Food-Truck Event, das halbjährlich durchgeführt wird. Dort war meine Aufgabe, den Auf- und Abbau zu koordinieren und für eine klare Kommunikation mit den Ausstellern zu sorgen.

Gegen Ende des Praktikums fand noch der Höhepunkt statt, für den ich, ebenfalls in voller Verantwortung, Valuetainment Events mit einem deutschen Speaker an vier Standorten auf der Insel organisiert habe. Diese Aufgabe war besonders herausfordernd, da es relativ lange unsicher war, ob es dem Speaker möglich sein wird, nach Hawaii zu kommen. Als die Reise dann bestätigt wurde, musste alles auf Hochdruck ausgeführt werden.


EMT: Was waren die tollsten Erlebnisse?

Tara Matthäus: Die glücklichen Menschen zu sehen, die sich über die Events gefreut haben.


Wie hilfreich war das EMT-Studium, um in der Praxis bestehen zu können?

Tara Matthäus: Da die Organisation nicht als klassisches „Event Business“ anzusehen ist, unter anderem da monetäre Ziele nicht im Vordergrund der Events stehen, hat sich die Arbeit dort zunächst ganz anders angefüllt als alle Projektarbeiten, die wir im Studium gemacht haben. Nach einer Weile habe ich jedoch gemerkt, dass einmal erlernte Muster und Vorgehensweisen auch gut auf andere Bereiche anwendbar sind, seien es klare Marketingstrategien, detaillierte Projektpläne oder die Fähigkeit, Events von Anfang bis Ende zu durchdenken. Allerdings brauchte ich Skills von CAD (zum Glück :D) oder Belastungsberechnungen (leider) nicht anwenden.


EMT: Was würden Sie Ihren Kommiliton*innen empfehlen oder mit auf den Weg geben, die ebenfalls noch vor dem BPP stehen oder überlegen im Ausland zu studieren?

Tara MatthäusEs lohnt sich auf jeden Fall, lasst euch nicht von der etwas höheren "Orgahürde" von so einer tollen Erfahrung abhalten. Und fangt am besten mindestens ein Jahr im voraus an, euch um alles zu kümmern. Ich höre auch oft, dass Leute nicht ins Ausland gehen, weil sie nicht so gerne/gut englisch sprechen. Stellt Euch diesen Befürchtungen und macht es trotzdem. (Nur so kann es besser werden). In den meisten Ländern ist Englisch auch nicht die Muttersprache und die Amerikaner sind super verständnisvoll für nicht perfektes Englisch, da viele überhaupt keine Fremdsprache sprechen. "You English is way better than my German", habe ich oft gehört.


EMT: Würden Sie wieder ein Praktikum im Ausland machen? Oder erwägen Sie sogar nach dem Studium im Ausland zu leben und zu arbeiten?

Tara Matthäus: Es ist mein größter Traum, teilweise im Ausland zu leben und zu arbeiten, jedoch würde ich nicht komplett auswandern.