Als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine und den betroffenen Menschen erstrahlt das Verwaltungsgebäude der THM in den ukrainischen Farben blau-gelb. Bild: Till SchürmannTHM-Präsidium äußert sich zum Krieg gegen die Ukraine:

Liebe Angehörige und Mitglieder der THM,

fassungslos schauen wir auf die militärische Eskalation in der Ukraine. Krieg im Herzen des europäischen Kontinents – ein Angriff eines Staates auf die territoriale Integrität seines Nachbarn. Ein Rechtsbruch, ein Tabubruch. Eine Zeitenwende, wie die Bundesregierung es nennt. Diese Zeitenwende trifft jeden Lebensbereich, auch die Wissenschaft. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat es kürzlich mit Blick auf die Ukraine auf den Punkt gebracht: „Jeder Krieg kennt nur Verlierer“.

All unser wissenschaftliches, gesellschaftliches und zwischenmenschliches Engagement im Osten Europas war – und bleibt weiterhin – ein Brückenbauen. Die THM hat stabile Verbindungen zu Hochschulen in der Ukraine wie in Belarus. Wir können derzeit kaum in Erfahrung bringen, wie es um jene Menschen steht, die wir Kolleginnen und Kollegen, auch Freunde nennen. Was wir wissen: Sie alle wollten nie einen Krieg, sondern ein auf Zusammenarbeit und Frieden, Wohlstand und Freiheit ruhendes, gemeinsames Europa.

Ausgerechnet einer globalen Pandemie ist es zu danken, dass keine Forschenden oder Studierenden der THM sich derzeit in den betroffenen Gebieten befinden. Gleichwohl gibt es Angehörige und Mitglieder der THM aus der Ukraine, aus Russland und Belarus. Viele von uns haben familiäre und freundschaftliche Verbindungen in jene Staaten. Ihnen gilt unsere Solidarität und auch ein Angebot: Kommen Sie auf uns zu, wenn Ihnen etwas auf dem Herzen liegt.

Verantwortlich zu machen ist der russische Machthaber Wladimir Putin, nicht die Menschen seines Landes. Wir müssen davon ausgehen, dass der überwiegende Teil der russischen Bevölkerung von dem Krieg ihres „Präsidenten“ im Nachbarland wenig bis nichts ahnt – die Kontrolle über klassische wie moderne Medien hat in den vergangenen Wochen nochmals zugenommen. Jene, die das Leid und die Vernichtung in der Ukraine erahnen können, stehen in den Abendstunden auf zentralen Plätzen in ganz Russland und wagen es, gegen den Angriffskrieg zu demonstrieren.

Es ist dieses Russland, es sind seine Menschen, denen wir jetzt und auch in Zukunft die Hand reichen. Die Wissenschaft hat sich stets als bedeutender zivilgesellschaftlicher Akteur, auch als Kommunikationskanal erwiesen. Wir sind überzeugt, dass gemeinsame Forschung und studentischer Austausch langfristig der Völkerverständigung dienen und den Frieden sichern. Die Geschichte, etwa zwischen Deutschland und Frankreich, belegt dies.

„Jeder Krieg kennt nur Verlierer“ heißt auch, dass sich die Zusammenarbeit mit einigen unserer osteuropäischen Partner mittelfristig verändern wird. Inwieweit, das ist derzeit schlicht nicht abzusehen. Kurzfristig begrüßt das Präsidium der THM alle Unterstützungsaktivitäten, die sich im Umfeld der Hochschule bilden. Mit unseren Partnern der beiden anderen mittelhessischen Hochschulen befinden wir uns in Abstimmung, auf welchem Wege wir selbst unterstützend aktiv sein können. Mittelhessen ist solidarisch mit der Ukraine. Wir wollen auch einen Funken Hoffnung spenden. Auch um sie selbst nicht zu verlieren. 

Ihr
Prof. Dr. Matthias Willems
Präsident