Das Energiemanagementsystem an der THM wurde so aufgebaut, dass der Verbrauch jedes einzelnen Gebäudes erfasst werden kann. Das ist auf keinen Fall selbstverständlich. Oft werden Liegenschaften nur über die Abrechnungszähler der Energieversorger erfasst. Z.B. gab es am Campus A in Gießen bis vor etwa 6 Jahren nur einen Fernwärmezähler für mehrere Gebäude. Mittlerweile wird jedes Gebäude der THM einzeln erfasst, es sei denn, die Gebäude sind so eng miteinander verwoben, dass eine individuelle Zählung nicht möglich ist. Das ist z.B. in Friedberg bei den Bauteilen A1-A4 der Fall. Hier handelt es sich strenggenommen nicht um mehrere Gebäude, sondern um ein Gebäude, das im Laufe seiner Lebenszeit fortlaufend erweitert wurde.

Um den Energiefluss darzustellen, ist für alle Liegenschaften eine Zählermatrix angelegt worden. Nachfolgend am Beispiel Friedberg ist zu sehen, dass Erdgas von der linken Seite (gelb) geliefert - durch die Kesselanlage bzw. das Blockheizkraftwerk in Wärme umgewandelt - und in die entsprechenden Gebäude gefördert wird.

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In der Energiemanagementsoftware können jetzt die Abhängigkeiten der Zähler z.B. Hauptzähler und Nebenzähler eingetragen werden. In Friedberg lässt sich so der Jahresnutzungsgrad der Wärmeerzeugung bestimmen und kontinuierlich überwachen. Die Verluste über das Verteilnetz können eindeutig bestimmt werden. Einzelne Gebäude können miteinander verglichen werden. Dazu werden spezifische Verbräuche z.B. kWh/m² gebildet.

Die Erfassung der Zähler erfolgt größtenteils automatisch und ermöglicht es die die Verbräuche viertelstündlich abzubilden. Anhand dieser detaillierten Aufschlüsselung lassen sich die Verbrauchsprofile der Gebäude sehr genau darstellen und analysieren. Diese Informationen werden genutzt, um u.a. energetische Einsparpotentiale zu ermitteln oder die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen detailliert zu prüfen. Im Jahr 2018 ist beispielsweise der hohe elektrische Grundlastverbrauch im A10 aufgefallen. Daraufhin wurde die Lüftungstechnik optimiert und die Laufzeiten an die Nutzung angepasst.

Die stündlichen Verbräuche können mit dem potentiellen Ertrag einer PV-Anlage abgeglichen und der Eigenstromverbrauch des selbst gewonnenen Stroms sehr gut abgeschätzt werden.

Wie die nachfolgende Grafik zeigt, lassen sich auch die Erfolge durch den Einsatz einer solchen Software sehr gut darstellen. Durch die neue Photovoltaikanlage auf dem A5 musste in den Tagesstunden deutlich weniger elektrische Energie vom Energielieferanten bezogen werden als im Vorjahr (grau hinterlegte Säulen), da ein Teil des Bedarfes selbst gedeckt werden konnte. (Bild anklicken zur Vergrößerung)

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Ein weiterer großer Vorteil einer Energiemanagementsoftware ist die zeitnahe Aufdeckung von Mehrverbräuchen. Denn auffällige Verbrauchsprofile erzeugen eine Warnmeldung, sodass der Ursache nachgegangen und schnell Abhilfe geschaffen werden kann.