Von links: Prof. Dr. med. Henning Schneider, Prof. Dr. Matthias Willems, Stefan Grüttner, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee,  Prof. Dr. Wolfgang Weidner  und Prof. Thomas Friedl. Quelle: HMSIMit dem Abschluss der Kooperationsvereinbarung über die Gründung eines Hessischen Kompetenzzentrums für Telemedizin und E-Health gab der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner am 1. August den Startschuss für die E Health-Initiative.

„Das gemeinsame Kompetenzzentrum der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) bündelt hessische Initiativen und wird uns bei der Implementierung neuer, bedarfsgerechter Versorgungsformen unterstützen. Telemedizin bringt Diagnosen vom medizinischen Experten schnell zu den Patienten und überbrückt Distanzen. Das wird perspektivisch gerade im ländlichen Raum eine wichtige Brücke sein, um Allgemeinmediziner und Fachärzte konsultieren und über bspw. eine Pflegekraft zuzuschalten, damit schnell medizinisch kompetenter Rat gegeben werden kann“, so Grüttner. Das Land stellt für Innovationsprojekte bis zu sechs Mio. Euro jährlich zur Verfügung. Das Kompetenzzentrum wird seine Arbeit zum 1. Januar 2018 aufnehmen.

„Wir werden die Digitalisierung des Gesundheitswesens intensiv voranbringen, auch um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern. Die E-Health-Initiative Hessen hat auch zum Ziel, das Gesundheitswesen noch besser und sicherer zu machen und hilft auch, Fehl- und Überbehandlungen wie unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Das spart den Patienten Zeit und Aufwand“, erklärte Grüttner in Wiesbaden.

Einer der inhaltlichen Schwerpunkte wird neben der Förderung von telemedizinischen Facharztnetzen die Organisation einer sektorenübergreifend abgestimmten medizinischen Notfallversorgung sein, die sich an der Dringlichkeit der Behandlung orientiert und den Ärztlichen Bereitschaftsdienst, den Rettungsdienst und die Notfallambulanzen von Krankenhäusern einbindet. Technisches Kernelement der Digitalisierung des Gesundheitswesens wird die schrittweise Einführung eines bundesweiten Systems von kompatiblen elektronischen Patienten- und Fallakten sein, damit Patienten ihre Gesundheitsdaten zu jedem von ihnen gewählten Arzt mitnehmen können.

Um länderübergreifende Initiativen zu stärken, hat die Gesundheitsministerkonferenz 2017 die Gründung eines Forums „Elektronische Patientenakte“ beschlossen. Auf Landesebene wird diese koordinierende Funktion das Kompetenzzentrum übernehmen. Das zur Förderung von innovativen Versorgungsformen erforderliche sektorenübergreifende Zusammenwirken wird über einen beim Kompetenzzentrum angesiedelten E-Health-Beirat erfolgen.

Die Medizinische Informatik wird in Hessen durch eine hochschulübergreifende Partnerschaft des Instituts für Medizinische Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Fachbereichs Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen gestärkt. Schwerpunkt der beiden Partner sind neue Versorgungsformen unter Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie. Dieses Expertenwissen wird nun im Hessischen Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health gebündelt. Die beiden Präsidenten Prof. Dr. Joybrato Mukherjee (JLU Gießen) und Prof. Dr. Matthias Willems (THM) begrüßten die Initiative des Landes: „Es freut uns, dass das Hessische Gesundheitsministerium mit dem Abschluss der Kooperationsvereinbarung eine strukturierte Zusammenarbeit mit uns eingeht, um gemeinsam telematische Lösungsangebote zur bedarfsgerechten Weiterentwicklung von Versorgungsangeboten sowie zur Stärkung von sektorenübergreifenden Versorgungsprozessen zu erarbeiten.“

Für die Entwicklung und Umsetzung von innovativen Versorgungsformen stellt die Landesregierung in 2017 rund 1,5 Mio. Euro und ab 2018 rund 6 Mio. Euro jährlich zur Verfügung.