Kooperationspartner: Prof. Klemens Zink vom THM-Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz, und Prof. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie an der Philipps-Universität Marburg (Foto: HA Hessenagentur/Jan Michael Hosan)Eine neue Behandlungsmöglichkeit von Krebserkrankungen der Lunge und der Speiseröhre will ein hessischer Forschungsverbund untersuchen. Ihm gehören Wissenschaftler der TH Mittelhessen, der Philipps-Universität Marburg, des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung Darmstadt und des Frankfurt Institute for Advanced Studies an. Sprecher der Gruppe ist Prof. Dr. Klemens Zink vom THM-Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz.

An Lungenkrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr 50.000 Menschen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei nur 15 Prozent, da die Tumoren gegenüber derzeit anwendbaren Therapien resistent sind. Das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum ermöglicht die Strahlenbehandlung mit Partikeln (Protonen, Kohlenstoffionen). Sie könnte eine effektivere und schonendere Behandlung für Lungenkrebspatienten möglich machen, da Kohlenstoffionen biologisch hoch effektiv sind und der Ionenstrahl eine präzise Positionierung möglich macht.

Tumoren im Brustkorb verformen und bewegen sich jedoch durch Atmen und Schlucken. Das verbietet zurzeit noch die Anwendung der Partikelstrahltherapie, da die Bewegung im Brustkorb „zu inakzeptablen Über- und Unterdosierungen sowohl im Tumor als auch im umliegenden gesunden Gewebe führt. Ziel unseres Projekts“, so Zink, „ist die Entwicklung geeigneter Verfahren zur Kompensation dieser Unsicherheiten, um mittelfristig durch die Partikelstrahltherapie die Überlebensrate der betroffenen Patientengruppe zu verbessern.“

Dazu sind zunächst Vorarbeiten nötig, die in einen Förderantrag der Wissenschaftlergruppe, in der Physiker, Chemiker, Informatiker und Mediziner zusammenarbeiten, beim „Kompetenzverbund Strahlenforschung“ münden sollen. Angestrebt wird eine Projektförderung mit einem Volumen von 3,5 Millionen Euro.

Der im vergangenen Jahr von den Universitäten Gießen und Marburg sowie der THM gegründete Forschungscampus Mittelhessen fördert das Projekt mit 75.000 Euro. Die Einrichtung unterstützt Aktivitäten, an denen Wissenschaftler von mindestens zwei der mittelhessischen Hochschulen beteiligt sind und die das Potential haben, als national oder international sichtbares Verbundforschungsvorhaben von einem Drittmittelgeber gefördert zu werden.