Dieses Neugeborene wird noch mit konventioneller Technik beatmet. Foto: Bibiz1/shutterstock.comDie Entwicklung einer neuartigen Beatmungstechnologie für Neugeborene fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,7 Millionen Euro. Unter Federführung der Gießener Thora Tech GmbH sind an dem Forschungsprojekt neben der Technischen Hochschule Mittelhessen die Justus-Liebig-Universität (JLU) und Acutronic Medical beteiligt.

Zwischen 3000 und 6000 Neugeborene leiden pro Jahr in Deutschland am Mekoniumaspirationssyndrom. Mekonium ist der Darminhalt des Fötus, der vor oder während der Geburt über das Fruchtwasser in die Atemwege eindringen kann. Folge ist eine schwere Dysfunktion der Lunge, die eine maschinelle Beatmung nötig macht. Bisher steht dafür die hochriskante extrakorporale Membranoxygenierung zur Verfügung, bei der das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff versorgt wird. Risiken dieser Therapie liegen in möglichen zerebralen Blutungen und neurologischen Entwicklungsstörungen.

Die Projektpartner arbeiten deshalb an einem Beatmungsgerät, in dem die Hochfrequenz-Jet-Beatmung eingesetzt wird. Es ist speziell auf die frühkindlichen Patienten zugeschnitten und beurteilt gleichzeitig die Lungenbelüftung in Echtzeit. „Die hierfür erforderliche Entwicklung einer auf die Physiologie und Pathologie von Neugeborenen maßgeschneiderten Technologie und die präklinische Machbarkeitsprüfung von Wirkungsnachweisen und Effekten auf Parameter des Gasaustausches, Lungenschädigung und -belüftung erfolgen in einem einzigartigen tierexperimentellen intensivmedizinischen Versuchsaufbau,“ erläutert Prof. Dr. Henning Schneider, der am Fachbereich Gesundheit der THM für das Vorhaben verantwortlich ist.

Andreas Weißflog, Geschäftsführer von Thora Tech, hat die Federführung im Projekt. Zu den Aufgaben der THM gehören im Rahmen des Forschungsprojekts die Entwicklung von Algorithmen, Tests von Labormustern am Lungenmodell und die messtechnische Begleitung einer Tiermodellstudie des Fachbereichs Veterinärmedizin der JLU. Dort sollen an 48 Ferkeln in der klinischen Praxis gängige Beatmungstechniken bei der Behandlung des Mekoniumaspirationssyndroms mit der neuen Technologie verglichen werden. Fachliche Unterstützung kommt auch von der Gießener Universitätskinderklinik, die nach Projektende die klinische Prüfung und Validierung des zu entwickelnden Systems vornimmt.

Thora-Tech-Geschäftsführer Dr. Andreas Weißflog erwartet, dass „das neue Beatmungsgerät und die klinische Anwendung bei entsprechenden Indikationen den intensivmedizinischen Ressourcenbedarf und die Kosten reduzieren helfen und durch Prognoseverbesserung die Eltern psychosozial entlasten.“

Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren. Das BMBF fördert das Vorhaben im Rahmen des Programms „Kleine Patienten, großer Bedarf – medizintechnische Lösungen für eine kindgerechte Gesundheitsversorgung“.