Optisch ansehnlich gestaltet ist die KiM-Hochschulschrift. Grafik: THMDie Technische Hochschule Mittelhessen wächst seit Jahren – auf aktuell rund 18 000 Studierende. Wie an vielen Hochschulen entwickelt sich jedoch die Infrastruktur in der Lehre nicht im selben Umfang. Ein Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre – der „Qualitätspakt Lehre“ – soll dem entgegenwirken. Unter dem Leitgedanken „Klasse in der Masse (KiM)“ beteiligt sich seit 2012 auch die THM an dem Programm, ihr standen dafür in zwei Förderperioden bis Ende 2020 rund 12,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Zum Ende der zweiten Förderphase hat die THM unter Federführung von Projektleiterin Gisa von Marcard eine Hochschulschrift herausgegeben, die die Erfolge des Projektes „KiM“ zusammenfasst. Das Werk erläutert die durch die Förderung angestoßenen Veränderungen und Verbesserungen und wirft einen Blick in die Zukunft. Gisa von Marcard leitet das Projekt „Klasse in der Masse" an der THM. Foto: THMVor allem zeigt die Schrift auf, wie viele interne Veränderungen das Projekt an der THM veranlasst hat – angefangen etwa bei einer eigens eingerichteten Professur für anwendungsorientierte Hochschuldidaktik und akademische Personalentwicklung über die Ausweitung des Qualifizierungsangebots für Tutor*innen bis hin zu Ansätzen wie der App-Entwicklung auf einer Crowdsourcing-Plattform, in der die THM Pionierarbeit leistet.

„Die Hochschulschrift bietet eine theoretische Fundierung für jeden, der sich thematisch interessiert“, sagt von Marcard. Als zitierfähige Quelle und dank der Unterstützung durch das Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende barrierefrei digital abgelegt, ist auch die Hochschulschrift selbst in dieser Form eine Neuerung an der THM. „Die Schrift soll Appetit machen, die beschriebenen Formate selbst auszuprobieren“, sagt Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Specht, die sowohl für Studium und Lehre als auch für die strategische Hochschulentwicklung zuständig ist.

Denn das Fördergeld ist neben der Beschäftigung zahlreicher Tutorinnen und Tutoren während der Projektphase vor allem in die Entwicklung und Verbesserung von Prozessen und Ideen geflossen, die sich in die Zeit nach der Förderphase übersetzen lassen, wie von Marcard erläutert. „Da ist sicher nicht alles für jeden interessant“, bekennt sie – aber es sei eben für jeden etwas dabei: Nicht nur für Studieninteressierte, Absolventinnen und Lehrende, sondern alle THM-Angehörigen und die interessierte Öffentlichkeit. Und so, fügt Specht an, müsse die Hochschulschrift auch nicht wie eine wissenschaftliche Arbeit von vorne bis hinten durchgelesen werden, obwohl sie wissenschaftlichen Kriterien entspricht. Vielmehr biete sie schnelle Einstiegspunkte je nach Interessenslage.

Während des beinahe zehnjährigen KiM-Zeitraums sei „eine breite Akzeptanz zentraler Dienstleistungsangebote entstanden“, wie Specht es ausdrückt: „Das Projekt hat einiges im Hörsaal geändert, aber vor allem hat es zu einer positiven Organisationsentwicklung beigetragen.“ Die entwickelten Methoden und Programme ermöglichten es Lehrenden, sich selbst als „Lernbegleiter“ zu sehen. Nicht umsonst wählt von Marcard in der Hochschulschrift das Bild einer Bergwanderung für das Studium: Jeden Schritt müssen Wandernde selbst gehen, aber erfolgreich wird die Gipfelbesteigung nur mit erfahrener Unterstützung. Für das Projekt „KiM“, so Specht, hätten sich innerhalb der THM die zentralen Abteilungen als unabdingbare Begleitung erwiesen. Sie hätten von Marcard und ihrem Team die nötigen Freiräume geschaffen. Und tun dies auch weiterhin.

Denn dass „KiM“ der THM auch nach Abschluss der Förderperiode erhalten bleibt, ist gesetzt. „Bewährte Maßnahmen werden in angemessenem Ausmaß weitergeführt“, bekräftigt Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Specht die Entscheidung des Präsidiums unter Einbeziehung der Dekanate trotz noch ausstehender Budgetzusagen. Viele Prozesse haben sich in beinahe zehn Jahren verstetigt, sind fester Bestandteil der Lehre geworden. Ein Zurück zum Status quo ante ist weder erstrebenswert, noch gewünscht.

Die gesamte KiM-Hochschulschrift ist als PDF frei im Internet unter go.thm.de/kim abrufbar.

Aufteilung der 6,4 Millionen Euro KiM-Mittel in der zweiten Förderphase. Grafik: THM