Studierende am THM-Fachbereich Bauwesen haben die B429-Brücke an der Eselswiese mit moderner Bauwerksdiagnostik und digitalen Methoden unter die Lupe genommen, unterstützt von Hessen Mobil.Studierende des Masterstudiengangs Bauingenieurwesen der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) dürfen an realen Infrastrukturprojekten lernen, regelmäßig unterstützt von Hessen Mobil: In diesem Sommersemester standen an der Lahnbrücke der B429 an der Eselswiese südwestlich von Gießen moderne Verfahren der Bauwerksdiagnostik, Bauwerksdigitalisierung und Zustandsbewertung im Mittelpunkt.

Die Brücke, an der derzeit Instandsetzungsarbeiten stattfinden, besitzt eine hohe verkehrstechnische Bedeutung für die Region. Nach den Planungen des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr soll das Bauwerk bis zum Jahr 2044 durch einen Ersatzneubau ersetzt werden. Unter anderem bereits umgesetzte Verstärkungsarbeiten gewährleisten bis dahin einen sicheren Betrieb. Für die Studierenden des Wahlmoduls „Brückenbau“ bot die Brücke damit ein anschauliches Praxisbeispiel für die Entwurfsplanung eines möglichen Ersatzneubaus.

Begleitet wurde die Exkursion von Prof. Dr.-Ing. Bertram Kühn, Prof. Dr.-Ing. Walter Sharmak, Kerstin Lenz und Thomas Berkenkamp vom Fachbereich Bauwesen sowie Dr.-Ing. Timm Wetzel von Hessen Mobil. Ziel war es, den Studierenden aktuelle Methoden der Bauwerksprüfung praxisnah zu vermitteln und diese unmittelbar an einem bestehenden Ingenieurbauwerk anzuwenden.

Dabei kamen verschiedene Mess- und Prüfverfahren zum Einsatz, die typischerweise bei der Zustandsbewertung von Brücken angewendet werden. Mithilfe eines Ferroscans untersuchten die Studierenden beispielsweise die Lage und Anordnung der Bewehrung im Stahlbeton. Ergänzend machten sie sogenannte Phenolphthaleintests, um die Carbonatisierungstiefe des Betons zu bestimmen. Dabei wird untersucht, inwieweit die schützende Alkalität des Materials bereits reduziert ist – ein wichtiger Hinweis auf mögliche Korrosionsrisiken der Bewehrung.

Darüber hinaus entnahmen die Studierenden Bohrmehlproben, die im Anschluss im Labor auf ihren Chloridgehalt analysiert werden. Solche Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse über korrosionsfördernde Einwirkungen und den allgemeinen Zustand des Bauwerks. Zusätzlich wurde mittels Rammsondierung die Bodenbeschaffenheit im Umfeld der Brücke untersucht, um erste geotechnische Randbedingungen zu erfassen.

An dem Ortstermin beteiligt war außerdem der internationale Kurs „M23 – ICT for Construction Projects and BIM“ aus dem Fachgebiet Digitalisierung im Bauwesen. Der gemeinsam von der Universität Porto, der Universität Santander und der gastgebenden THM angebotene Masterstudiengang vermittelt nachhaltige und digitale Perspektiven auf Gebäude, Infrastruktur und den urbanen Raum.

Die internationalen Studierenden übernahmen unter anderem Drohnenaufnahmen sowie mobile Laserscans zur digitalen Erfassung der Brückengeometrie. Auf Grundlage der gewonnenen Daten entsteht ein virtueller Raum, der künftig mithilfe von Virtual-Reality-Technologien begehbar sein soll. Weitere Analysen und Erkundungen des Bauwerks können dadurch perspektivisch in ein digitales Reallabor verlagert werden.

Der gemeinsame Ortstermin verdeutlichte die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen innerhalb des Bauingenieurwesens. Durch die Verbindung klassischer Bauwerksuntersuchungen mit modernen digitalen Erfassungs- und Visualisierungstechnologien erhielten die Studierenden praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Bauwerksdiagnostik und Digitalisierung im Bauwesen. Die direkte Anwendung der Prüf- und Messmethoden an einem realen Brückenbauwerk ergänzte die akademische Lehre um wichtige praktische Erfahrungen in den Bereichen Bauwerksprüfung, Bauwerkserhaltung und Entwurfsplanung.