Durch die industrielle Vorproduktion von Bauteilen lassen sich Baukosten erheblich senken. In Holland sind die Komponenten beim Systembau bereits zu 70 Prozent vorgefertigt. In Deutschland liegt diese Quote erst bei einem Drittel, die Tendenz ist allerdings deutlich steigend.

Ein kritischer Punkt im Fertigbau sind die Betonstützen, die das ganze Gebäude tragen. Sie werden bei herkömmlicher Bauweise auf der Baustelle komplett gegossen. Setzt man vorgefertigte Stützen aufeinander, müssen sie so miteinander verbunden werden, dass sie eine hinreichende Tragfähigkeit besitzen.

In ihrer Diplomarbeit am Fachbereich Bauwesen der Fachhochschule Gießen-Friedberg haben Almudena Miranda Chaparro und Magdalena Dietz das Tragverhalten von Fertigteilstützen empirisch untersucht.
In einer ersten Versuchsreihe betrachteten die beiden angehenden Bauingenieurinnen im Gießener Labor für Massivbau die Einflüsse unterschiedlich starker Verbindungsschichten (Fugendicken) und Mörtelfestigkeiten auf das Tragverhalten. Dafür gossen sie insgesamt 42 Betonwürfel. Je zwei dieser Prüfkörper wurden mit unterschiedlichen Vergussmörteln verbunden. Ziel der Versuche war es herauszufinden, welchen Einfluss die Festigkeit des Mörtels und die Fugendicke auf das Verformungsverhalten der Versuchskörper haben. Mit einer Presse wurden die Bauteile deshalb unterschiedlichen Drücken ausgesetzt. Die Messungen ergaben bei Mörteln mit geringer Festigkeit einen Verlust an Tragfähigkeit mit wachsender Fugendicke. Bei einer Mörtelfestigkeit, die über der des Betons liegt, hat die Fugendicke keinen Einfluss auf das Bruchverhalten. Eine Traglaststeigerung bei weiter gesteigerten Mörtelfestigkeit ist nicht feststellbar.
Für Prof. Dr. Jens Minnert, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Gerd Günther betreut hat, schließt die Arbeit von Chaparro und Dietz eine Forschungslücke. Erstmals stünden durch die Versuchsreihe Referenzmessungen für die Mörtelauswahl in Abhängigkeit von der optimalen Fugendicke zur Verfügung. Hiermit könne in der Baupraxis zuverlässig gearbeitet werden. Die Bauabnahme durch Prüfingenieure werde dadurch in vielen Fällen deutlich erleichtert.
In einer zweiten Versuchsreihe untersuchten die beiden Diplomandinnen Verbindungen zwischen stahlbewehrten Fertigteilstützen, die über Schrauben mittels Stützenschuh und Ankerbolzen hergestellt werden. Sie experimentierten dabei mit horizontal in die Stützen eingebauten Stahlplatten, die Drücke besser verteilen und die Traglast erhöhen. Ziel war es hier, die Zahl der nötigen Stützenschuhe zu verringern und dadurch kostengünstiger zu bauen. Laut Minnert wurde in dieser Testreihe ein viel versprechender Weg zur Optimierung von Fertigteilstützenanschlüssen aufgezeigt.