Bei einer Führung durch Block 6 des Kernkraftwerks Lubmin konnte die THM-Gruppe eine nukleartechnische Anlage, die nie in Betrieb genommen wurde, aus der Innenansicht betrachten. Nach Mecklenburg-Vorpommern führte eine Exkursion der TH Mittelhessen, die im Zeichen der Kernkraft stand. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Physikers Prof. Dr. Joachim Breckow erhielten 42 Studierende Einblicke in nukleartechnische Anlagen.

Der Gießener Gruppe gehörten Immatrikulierte der Studiengänge Biomedizinische Technik sowie Medizinische Physik und Strahlenschutz an. Auf dem Programm der Studienreise stand zunächst der Besuch des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, das in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald die Grundlagen für ein Fusionskraftwerk untersucht. Dabei geht es darum, ähnlich der Sonne Energie aus der Verschmelzung leichter Atomkerne zu gewinnen. An dieser Alternative zur Kernspaltung wird schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts geforscht.

Beim seit 2015 in Greifswald betriebenen Reaktor Wendelstein 7-X handelt es sich um die weltweit größte Fusionsanlage vom Typ „Stellarator“, dessen Funktionsprinzip der magnetische Einschluss von heißem Plasma ist. Sein technisches Kernstück bildet ein System aus 50 speziell geformten supraleitenden Magnetspulen, die das Magnetfeld erzeugen. Bei einer Führung konnten sich die Studierenden ein Bild von den Anforderungen an einen Fusionsreaktor machen, die sich durch die hohen Temperaturunterschiede ergeben. Die Konstruktion der Spulensegmente nach millimetergenauer Vorgabe gilt als ingenieurtechnisches Meisterwerk und wurde an einem Modell demonstriert.

In der Nähe Greifswalds befindet sich ein weiteres Reiseziel, das von hohem Interesse für die akademische Beschäftigung mit Nukleartechnik ist: das ehemalige Kernkraftwerk Lubmin. Dessen Block 6 stand 1990 kurz vor der Fertigstellung, als entschieden wurde, die gesamte Anlage stillzulegen. Hier hatte die Exkursionsgruppe der THM Gelegenheit, nach einem Einführungsvortrag ein Kraftwerk russischer Bauart zu besichtigen, Eindrücke von dessen Rückbau zu gewinnen und Details über die Demontage eines Kraftwerksblocks zu erfahren, der nie Kernbrennstoff enthielt. Darüber hinaus vermittelte das dortige Informationszentrum den Gästen anhand von Modellen und Originalbauteilen zusätzliche studienrelevante Kenntnisse zu Themen wie Kernenergie, Rückbau, Endlagerung und Strahlenschutz.