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Roman KrausTexas hatte er schon als Jugendlicher bereist, und während des Studiums zog er Australien in die engere Wahl. Doch dann las Roman Kraus an der Fachhochschule in Friedberg, was zwei Studenten über ihren Aufenthalt in Kuba berichteten. Die Vorstellung, dort ein Auslandssemester zu absolvieren und Spanisch zu lernen, gefiel ihm auf Anhieb.

Der 25-jährige Mechatronikstudent aus Karben informierte sich bei Prof. Wolf-Rainer Novender, der die Kontakte der FH Gießen-Friedberg mit der Technischen Universität Havanna koordiniert. Der Hochschullehrer vom Fachbereich Informationstechnik - Elektrotechnik - Mechatronik empfahl ihm, das Semester vor seiner Diplomarbeit für die Auslandsphase in Kuba zu nutzen. Im August 2008 brach Roman Kraus nach Havanna auf. Im selben Flugzeug saß sein Friedberger Kommilitone Marius Hanner, der ebenfalls internationale Studienerfahrungen auf der Karibikinsel sammeln wollte.

Auf dem Heimatcampus in der Wetterau hatten beide die Spanischvorlesung besucht und sich Grundkenntnisse angeeignet, die sie rasch durch learning by doing in Kuba ausweiteten. Da ihr fachliches Programm identisch war - beide besuchten Lehrveranstaltungen zur Thermodynamik, Automatisierungstechnik und zum Computer Aided Engineering - konnten sie gemeinsam lernen und einander beim Verständnis des auf Spanisch vermittelten Lehrstoffs unterstützen. Aber auch die dortigen Dozenten trugen mit starkem persönlichem Engagement zu ihrem Lernerfolg bei. „Die Betreuung an der Hochschule war sehr gut. Von einem Professor bekamen wir sogar Privatunterricht im Studentenwohnheim, da das von uns gewählte Fach in diesem Semester eigentlich gar nicht angeboten wurde", lobt Roman Kraus.

Durch die Unterbringung im Wohnheim in direkter Nachbarschaft zur Uni waren die beiden gut in das studentische Leben integriert. Dadurch, dass sie im Haus für Kurzzeitgäste wohnten, erlebten sie eine starke Fluktuation der Bewohner. Beim Fußball oder Volleyball unmittelbar vor der Haustür verbrachten sie ihre Freizeit in Gesellschaft von Studierenden vieler Nationalitäten. Darunter waren Peruaner, Kolumbianer, Kanadier, Spanier und Kommilitonen aus unterschiedlichen afrikanischen Staaten, doch keine Kubaner. Denn für die einheimischen Studenten war ein anderer Wohnblock vorgesehen. Aber Land und Leute lernten beide bei Ausflügen kennen. Nach einigen organisatorischen Schwierigkeiten hatte jeder einen kubanischen Personalausweis bekommen, was den Vorteil brachte, dass sie bei Museumsbesuchen oder Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der moneda nacional (Landeswährung) bezahlen durften. Für Gäste mit Touristen-Status lagen die Preise um das 24-fache höher. Auch in finanzieller Hinsicht konnten sich die Friedberger Studenten in Kuba durchaus willkommen fühlen: Aus einem Förderprogramm erhielten sie monatlich je 260 Euro. Die Kosten für die Flüge, das Wohnheimzimmer und das Mensaessen wurden ebenfalls übernommen.

Roman Kraus kann sich durchaus vorstellen, später eine Weile im spanischsprachigen Raum als Ingenieur zu arbeiten. Doch zunächst will er jetzt an der FH in Friedberg sein Studium mit dem Diplom abschließen. Auf die Frage nach den bleibenden Eindrücken seines Halbjahres in Kuba nennt er den Gegensatz zwischen dem Lerneifer der kubanischen Studenten und dem Mangel an aktuellen Informationsquellen (Lehrbüchern, Internetzugängen). So werde es jungen Leuten dort sehr erschwert, sich mit neuen Ideen auseinanderzusetzen. Und eine weitere Erkenntnis hat er mit nachhause gebracht: „Viele Lebensmittel kosten in Kuba ein Vielfaches, und das bei deutlich niedrigeren Löhnen. Die beiden schweren Hurricans Ende letzten Jahres haben die Situation in Kuba noch weiter verschärft. Durch diesen Auslandsaufenthalt ist mir erst bewusst geworden, in welchem Überfluss wir in der Ersten Welt leben."