(Foto: Till Schürmann) Mithilfe selbstlernender Algorithmen wie zum Beispiel neuronalen Netzen ermittelt die Empfehlungsmaschine einen Vorschlag, welches Produkt dem Online-Kunden als nächstes angeboten werden soll. Eine neuartige Software, die Kunden Kaufempfehlungen im Onlinehandel gibt, entwickelt die TH Mittelhessen. Projektleiter an der THM sind die Friedberger Professoren Dr. Michael Guckert und Dr. Christian Schulze vom Kompetenzzentrum für Informationstechnologie. Sie kooperieren dabei mit der Unternehmensberatung Dastani Consulting aus Wettenberg. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 440.000 Euro.

Bei knapp 500 Milliarden Euro lag der Einzelhandelsumsatz in Deutschland im vergangenen Jahr. Der Anteil des Onlinehandels wächst stetig und wird 2017 voraussichtlich 15 Prozent betragen.

Im guten Fachgeschäft empfiehlt auch heute noch der Verkäufer zum neuen Hemd die passende Krawatte. Im Onlineshop sollen „Empfehlungsmaschinen“ diese Aufgabe übernehmen – eine Software, die potentiellen Käufern individuell Produkte vorschlägt. Basis dafür sind Daten über den Kunden und von Käufern, die sich in der Vergangenheit ähnlich verhalten haben.

Der Aufwand, solche Empfehlungsmaschinen zu entwickeln und zu betreiben, ist für kleine und mittelständische Unternehmen unangemessen hoch. „Wir wollen deshalb leistungsfähige Empfehlungssysteme als Dienstleistung anbieten, die Betreiber von Onlineshops ohne Entwicklungsaufwand und zusätzliche Investitionen in die eigene IT-Infrastruktur nutzen können“, erläutert Guckert.

Sein Kollege Schulze beschreibt, wie das System arbeiten wird: „Über die Analyse der Daten aus der Vergangenheit ermittelt die Software für jeden Kunden genau das Produkt, das zum jetzigen Zeitpunkt das beste Angebot darstellt – zum Beispiel ein Artikel, der zur zuvor gekauften Ware passt, oder für den durch den aktuellen Kauf ein neuer Bedarf entstanden ist. Wir entwickeln eine Prognoselogik, die die Kaufwahrscheinlichkeit für die verfügbaren Produkte berechnet. Das Produkt mit der höchsten Wahrscheinlichkeit bieten wir dem Kunden bei nächster Gelegenheit an.“

Zum Projektende soll das System als technisch einsatzfähiger Prototyp vorliegen. Dr. Parsis Dastani will das Produkt anschließend als eigenständigen Service mit der Möglichkeit der Anbindung an Standardsoftware anbieten. „Zu unseren weiteren Dienstleistungen werden die Unterstützung bei der Einrichtung und Wartung, strategische Beratung und eine Hotline gehören“, so der Geschäftsführer des Kooperationspartners.

Das Forschungsvorhaben läuft zwei Jahre und hat ein Gesamtvolumen von 615.000 Euro. Es wird im Rahmen der hessischen „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (LOEWE) unterstützt.