Die Präsentation, bei der (von links) Hanni Geist (DAAD San Francisco), Justin Harford (US-Außenministerium), Zeki Öztürk, Monika Maria Möhring (THM) und Katherine Haan (Chicago State University) kooperierten, stieß auf großes Interesse.Ein Auslandssemester oder ein Praktikum in einem fremden Land gehört zu den gefragten Bestandteilen der akademischen Ausbildung. Im Fall von schwerbehinderten oder chronisch kranken Studierenden müssen solche Phasen mit besonderer Umsicht geplant und begleitet werden. Denn oft werden die angekündigten Vorlesungen in Englisch doch nur in Spanisch angeboten, oder der „barrierefreie“ Platz im Wohnheim ist nur über Treppen zu erreichen. Daher gilt es, durch bewährte Partner den Erfolg von Leben und Lernen im Ausland sicherzustellen.

Das Zentrum für blinde und schwerbehinderte Studierende (BliZ) der Technischen Hochschule Mittelhessen widmet sich seit 25 Jahren der gleichberechtigten Ausbildung von Menschen mit Behinderungen in allen Belangen des Studiums. Durch zahlreiche Austausch- und Forschungskooperationen gelingt es aktuell, jährlich etwa 20 beeinträchtigten Studierenden erfolgreich ein Semester im Ausland zu ermöglichen. Im Gegenzug empfängt das BliZ schwerbehinderte Studierende aus dem Ausland zum Studium von englischsprachigen Angeboten aller Fachbereiche. Dazu wurde ein Netz von Partneruniversitäten in der gesamten Europäischen Union, in den USA und Brasilien, in Australien und in Südost-Asien geknüpft.

Durch dieses Engagement gehört die THM, was den Austausch körperlich eingeschränkter Studierender betrifft, zu den führenden Hochschulen weltweit. Folglich erhielten Prof. Dr. Monika Maria Möhring, die Geschäftsführende Direktorin des BliZ, und Zeki Öztürk, der im Zentrum schwerbehinderte Studierende berät, die Einladung, in den USA bei einer internationalen Tagung von ihren Erfahrungen zu berichten. Auf der aktuellen „Diversity Abroad Conference“ in Chicago präsentierten sie ein vom BliZ entwickeltes Rahmenwerk zur Studienqualität der von ihnen betreuten Studierenden in MINT-Fächern und betriebswirtschaftlichen Studienprogrammen. Sie gaben den Zuhörern eine im BliZ entwickelte Checkliste für erfolgreichen Austausch an die Hand, die klar die Erwartungen und Rahmenbedingungen benennt sowie die Rollen von sendender und empfangender Institution festlegt.

Unterlegt wurde diese Präsentation durch Informationen eines Vertreters des US-Außenministeriums, das eine Initiative („MIUSA“) zum internationalen Austausch behinderter Studierender fördert. Die Chicago State University steuerte die Sicht einer kooperierenden Hochschule und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD, San Francisco) einen Beitrag zu den Rahmenbedingungen bei. Darauf aufbauend referierten Möhring und Öztürk abschließend über konkrete Erfolge, wobei sie mit Fallbeispielen sowohl ausgesendete als auch empfangene Studierende vorstellten. Die von den fünf Beteiligten über Monate hinweg in Videokonferenzen entwickelte Präsentation stieß auf derart großes Interesse, dass die Sitzplätze im Konferenzsaal nicht ausreichten.  

In der Folge bekundeten einige Universitäten aus den USA und Kanada ihr Interesse an einer Kooperation mit der THM und dem BliZ. Mit dem US-Außenministerium wurden gemeinsame wissenschaftliche Aktivitäten zum Thema Austausch vereinbart. Eine Fortsetzung der Kooperation mit dem DAAD auf der Diversitätskonferenz im Jahr 2024 ist bereits in Planung.