Detlef Behrens nimmt nach erfolgreicher Disputation als erster Absolvent des Promotionsfachs Life Science Engineering am FCMH die Glückwünsche seiner Betreuerin Prof. Dr. Cornelia M. Keck und seines Betreuers Prof. Dr. Frank Runkel entgegen. Foto: privatSeit 2019 hat die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) das Promotionsrecht für Life Science Engineering (LSE) inne, das sie über das Promotionszentrum für Ingenieurwissenschaften (PZI) am Forschungscampus Mittelhessen ausübt. Nun trägt Detlef Behrens als Erster einen Doktortitel in diesem Fach. Dabei war der Weg des 56-jährigen zur Promotion alles andere als gewöhnlich.

Nach seinem Studium der Verfahrens- und Umwelttechnik an der Technischen Fachhochschule Berlin und einem Master of Business in Birmingham war Behrens viele Jahre lang als Projektmanager tätig. 2019 entschloss er sich dann am PZI zu promovieren, denn ein Doktortitel sei schon immer ein „Lebenstraum“ für ihn gewesen. Durch einen Lehrauftrag im Fachbereich LSE hatte er bereits guten Kontakt zu seinem späteren Betreuer Prof. Dr. Frank Runkel und so sprach er ihn vor rund vier Jahren auf das Thema Promotion an. Prof. Runkel, so berichtet Behrens, „war sofort bereit, die Betreuung zu übernehmen und war auch direkt begeistert von dem Thema“. Von Behrens‘ Vorhaben wusste neben seinen Betreuungspersonen jedoch kaum jemand. Für seine drei Kinder, Mutter und Bruder war der Doktortitel eine Überraschung. „Nur meiner Frau habe ich nach der Zulassung durch den Promotionsausschuss dann doch von diesem besonderen Projekt erzählt. Für den Tag der Disputation hatte ich Verwandte und Freunde nur zu einem ‚Vortrag von mir an der Uni‘ eingeladen. Als dann Prof. Runkel als Vorsitzender der Prüfungskommission die Disputation eröffnete, konnte man im Hörsaal 40 Kinnladen gleichzeitig runterklappen sehen“, ergänzt er lachend.

Behrens‘ Dissertation „Optimierung von Effizienz und Nachhaltigkeit in pharmazeutischen Reinräumen“ wurde gemeinsam durch Prof. Dr. Frank Runkel vom Fachbereich LSE (THM) und Prof. Dr. Cornelia M. Keck vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Philipps-Universität Marburg (UMR) unter Federführung der THM betreut. Behrens untersuchte in seiner Arbeit, wie der Betrieb von pharmazeutischen Reinräumen optimiert und dadurch Effizienz und Nachhaltigkeit gesteigert werden können. Seine Untersuchungen ergaben, dass Reinräume der Klasse C mit deutlich geringeren Luftwechselraten als industrieweit üblich nachhaltig und effizient betrieben werden können, ohne Kompromisse an behördliche Anforderungen. Signifikante Kosteneinsparungen durch reduzierten Energieverbrauch sowie eine verbesserte CO2-Bilanz sind damit ein direkter Nutzen für die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen und den Umweltschutz.

Für Behrens war klar, warum eine Promotion im Fach LSE über das PZI das Richtige für ihn war: „Durch mein früheres ingenieurtechnisches Studium und meine langjährige Tätigkeit als Projektingenieur und technischer Projektmanager in der pharmazeutischen Industrie war eine Promotion zum Dr.-Ing. für mich natürlich naheliegend. Da ich bereits über den Fachbereich LSE der THM den Kontakt zum Promotionszentrum für Ingenieurwissenschaften am Forschungscampus Mittelhessen hatte, war dies für mich die perfekte Institution, um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.“

THM-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems zeigt sich erfreut über die erste Promotion unter der federführenden Verantwortung seiner Hochschule: „Für die THM ist dies, wie für Herrn Behrens, ein besonderes Ereignis. Seine Promotion unter der Betreuung von Prof. Runkel belegt, dass HAWs das Promotionsrecht, für das sie schon als Fachhochschulen gekämpft haben, mit Verantwortung wahrnehmen können und dabei Qualität garantieren. Es sollte Alltag werden, dass Hochschulen wie die THM Federführung bei der Weiterqualifizierung wissenschaftlichen Personals bis zur Promotion übernehmen“.