Flexibel und mobil: die neue Analysesoftware wird als Web-Anwendung und App zur Verfügung stehen.Ein neues System zur Analyse von Finanzdaten entwickelt das Kompetenzzentrum für Informationstechnologie der Technischen Hochschule Mittelhessen. Projektleiter sind die Professoren Dr. Christian Schulze und Dr. Michael Guckert vom Friedberger Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 265.000 Euro. Partner ist das Bad Homburger Unternehmen Content Software.

Die Analyse von Finanzdaten kommt heute ohne komplexe Software nicht mehr aus. Für die Beurteilung von Wertpapieren, Unternehmen oder Volkswirtschaften nutzen Analysten Systeme bekannter Anbieter wie Bloomberg, VWD oder Thomson Reuters. Die Dienste, so Schulze, sind relativ teuer und werden pro Arbeitsplatz abgerechnet. „Der Kunde ist durch Lizenzverträge mittelfristig gebunden. Das Datenangebot ist beschränkt, und fremde Quellen lassen sich nur schwer integrieren. Hierzu sind oft kostenintensive Eigenentwicklungen nötig. Nur so lässt sich auf individuell strukturierte Daten zugreifen und der individuelle Bedarf in der Auswertung bedienen“, so der Datenbankfachmann.

Content Software und die THM wollen deshalb ein flexibleres Modellierungs- und Analysewerkzeug entwickeln. „Die Software soll unterschiedlich strukturierte Daten aus heterogenen Quellen zusammenführen können und sie für finanzwirtschaftliche Analysen nutzbar machen“, fasst Guckert das Projektziel zusammen. „Der Kunde ist nicht mehr auf eine Quelle beschränkt, und er kann Modelle und eigene Verfahren für Auswertungen auf der Plattform hinterlegen. Individuelle Insellösungen, die für spezielle Anwendungsszenarien Ergebnisse liefern, aber bereits bei geringfügigen Änderungen aufwendig angepasst werden müssen, gehören der Vergangenheit an“, sagt Guckert, der das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik vertritt. Das neue System soll als Web-Anwendung und als mobile App zur Verfügung stehen. Es wird leichter und mit geringerem Zeitaufwand bedienbar sein.

Content Software sieht ausgezeichnete Vermarktungschancen in der Finanzbranche. Aus Kundengesprächen wisse man, dass es ein großes Interesse an einem kostengünstigen flexiblen Modellierungs- und Analysewerkzeug bestehe. Neben Bestandskunden zum Beispiel aus dem Investment Banking und der Wertpapieranalyse kommen etwa Ratingagenturen, Wirtschaftsforschungsunternehmen und Bonitätsprüfungsgesellschaften als Nutzer in Frage.

Das zweijährige Forschungsvorhaben hat ein Gesamtvolumen von 650.000 Euro. Es wird im Rahmen der Förderlinie 3 der hessischen „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (LOEWE) unterstützt. Damit bezuschusst die Landesregierung Verbundprojekte, bei denen Hochschulen mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen zusammenarbeiten.