Das Tiefbauamt der Stadt Gießen, eine Arbeitsgruppe der FH Gießen-Friedberg unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Ulf Theilen und das Ingenieurbüro für Abfluss, Kläranlagen, Steuerung (iaks) aus Sonthofen kooperieren bei einem Forschungsprojekt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert die Arbeiten mit über 200.000 Euro. Bei dem in Deutschland einmaligen Forschungsvorhaben geht es darum, die Gießener Abwasserentsorgung zu optimieren.


In vielen Entwässerungsnetzen ist es nicht oder kaum möglich, das Abflussverhalten des Kanalisationssystems im Zusammenspiel mit der Kläranlage situationsgerecht und umweltverträglich zu steuern. Die Folge ist, dass häufig unnötig hohe Schmutzfrachten in die Gewässer abgeführt werden. Aber es werden auch die für die Aufnahme von Regenwasser bestimmten Becken zu groß dimensioniert, was die Ausgaben in die Höhe treibt.

Diese Situation hatte das Tiefbauamt der Stadt Gießen veranlasst, in Deutschland nach kompetenten Partnern zur Problemlösung zu suchen. Auf Grund der bisherigen guten Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Bauwesen der FH Gießen-Friedberg bot sich die Integration des dortigen Fachwissens in das Forschungsvorhaben an. In das Forschungsteam konnte darüber hinaus das Ingenieurbüro iaks einbezogen werden, das über besonders große Erfahrungen auf diesem Problemfeld verfügt und nun die fachliche und organisatorische Projektleitung hat.

Das aktuelle Gemeinschaftsprojekt hat das Ziel, den Betrieb des Klärwerks Gießen so zu verbessern, dass die Reinigungsleistung gesteigert und die Betriebskosten gesenkt werden können. Für das im Kanalnetz abfließende Wasser soll eine verfahrenstechnische Lösung konzipiert werden, die es ermöglicht, die bei Regen vielfach nötige Ableitung unbehandelten Mischwassers (Schmutz- und Regenwasser) in die Flüsse zu reduzieren. Die Verantwortlichen des Projekts, neben Prof. Theilen, der Siedlungswasserwirtschaft an der FH lehrt, sind das Tiefbauamtsleiter Dipl.-Ing. Clemens Abel und Dipl.-Ing. Martina Scheer, Ingenieur-Büro iaks, sehen darin einen weiteren großen Schritt zur Verbesserung der Gewässergüte der Lahn.

Die angestrebte Steuerung wird auf der Basis von Messungen der Abflussmengen und der Schmutzkonzentrationen für das Entwässerungssystem der Stadt Gießen mit den angeschlossenen Umlandbereichen entwickelt. Sie soll in der Praxis getestet werden und als Modell für die Anlagen anderer Kommunen dienen. Die Beteiligten wollen damit eine Reihe umweltrelevanter Ziele erreichen: Unter anderem soll der Anteil unbehandelten Mischwassers weitestgehend reduziert und der Zulauf der Kläranlage unter Beachtung ihrer aktuellen Belastung (Menge und Schmutzfrachten) geregelt werden.

Die erwarteten Verbesserungen der Kläranlagenleistungen werden vom Ingenieurbüro iaks durch eine Computersimulation berechnet, die verschiedene Szenarien der Abflusssteuerung durchspielt. Der Schwerpunkt der Untersuchungen der FH-Mitarbeiter liegt in der kontinuierlichen Erfassung und Auswertung der Verschmutzungswerte. Zu diesem Zweck werden sie im Testbetrieb Proben entnehmen und Online-Sonden einsetzen, deren Analyseergebnisse zum Abgleich der Computersimulation herangezogen werden. Als weiterer Forschungsschwerpunkt wird in diesem Projekt die Wirksamkeit verschiedener Aggregate zur Reinigung der Kanalisation überprüft.