Prof. Dr. Boris Keil erhält eine Förderung von rund einer Million Euro für eine hochmoderne, modulare „Werkbank“ zur Konstruktion von Anregungsspulen für Magnetresonanz-Tomographen. (Foto: THM)Gleich zweimal in Folge war die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) in der neuen „Großgeräteaktion“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erfolgreich – als einzige Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. Mit den beiden Förderungen aus den Ausschreibungen 2021 und 2022 erhält die THM mehr als zwei Millionen Euro für komplexe Forschungsaufgaben der Kompetenzzentren AutoM und BioTecMed.

Seit Januar 2022 wird eine „Servohydraulische Hochgeschwindigkeitsprüfmaschine für dynamische Untersuchungen an Werkstoffen und Bauteilkomponenten“ gefördert. Im Kompetenzzentrum Automotive, Mobilität und Materialforschung wollen Prof. Dr. Stephan Marzi und Prof. Dr. Stefan Kolling, beide vom Fachbereich Maschinenbau und Energietechnik, das Verhalten von Werkstoffen unter Hochgeschwindigkeitsbelastung erforschen. Ihr Interesse gilt Materialien, die im Schienen-, Automobil- und Schiffsbau sowie der Zahnmedizin oder dem Bauwesen eingesetzt werden. Dabei stehen seit Beginn der Energiewende nachhaltige natürliche Werkstoffe, aber auch neue Speichermedien wie Festkörperbatterien für die Elektromobilität und gewichtsparende Verbindungstechniken zunehmend im Fokus. Deren „hochdynamisches Verhalten“ – also etwa bei einem Unfall – ist aber bislang kaum erforscht, der Bedarf an Daten in Wirtschaft wie Wissenschaft laut DFG groß. Die neue Maschine soll Zug-, Druck- und Biegeversuche unter konstanten Geschwindigkeiten bis zu 20 Meter pro Sekunde ermöglichen, auch soll die Prüfung größerer Proben möglich sein.

Seit diesem Jahr wird eine „Multiport-Hochfrequenz-Workstation zur Entwicklung von Empfangs- und Sende-Systemarchitekturen in der Magnetresonanz-Bildgebung“ gefördert, die Prof. Dr. Boris Keil am Fachbereich Life Science Engineering nutzt. Keil forscht an der Optimierung der Ergebnisse von Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT) durch Verbesserung der sogenannten Anregungsspulen. Speziell in der MRT-Hardware-Entwicklung müssen die komplexen Sachverhalte aus Physik, Elektronik, Hochfrequenz-Technik und Informatik sowie medizinische Aspekte zu neuen und anwendbaren Konzepten zusammengeführt werden. Dafür wird ein messtechnisches Konglomerat orchestriert, „das unsere gesamte Arbeit deutlich nach vorne bringt“, so Keil. Im Aufbau gleicht dieses Konglomerat einer hochtechnisierten und mit einem Hochleistungsrechner verbundenen Werkbank: „Mit dem Gerät werden neue Erkenntnisse für MR-Methodik geschaffen, damit die MRT ihr volles Potenzial zur Bereitstellung wichtiger klinischer Informationen weiter ausschöpfen kann“, schreibt die DFG. Konkret: „Wir wollen erreichen, dass MRTs schneller und sensitiver werden“, so Keil – also Patienten kürzer belasten und dennoch bessere Ergebnisse liefern. Forschungspartner in der Anwendung der in Gießen gefertigten Spulen sind etwa die großen US-amerikanischen Medizininstitute.

„Diese zweifache Förderung belegt Qualität und Bandbreite der Forschung an der THM“, kommentiert Präsident Prof. Dr. Matthias Willems die Förderzusagen. Bei einer Förderquote von 20 Prozent der Anträge sei ein zweifacher Erfolg ungewöhnlich und spreche daher für die Güte der THM-Anträge. Er freue sich zudem, dass die Anwendungsbereiche so grundverschieden seien: Die Forschung von Marzi und Kolling mache den mobilen Alltag in Zukunft sicherer. Keils Arbeit hingegen könne dort helfen, wo selbst hochspezialisierte Medizin heute noch an ihre Grenze stößt.