Das AuditoriumWie Kommunen künftig auch wirtschaftlich optimal die Versorgung ihrer Kunden mit Wasser und die Entsorgung des Abwassers leisten werden, ist eine hochaktuelle Frage. Dass eine Fachtagung über dieses Thema aber rund zweihundert Interessierte zur Teilnahme mobilisierte, hat die Verantwortlichen an der FH Gießen-Friedberg positiv überrascht. 

FH-Präsident Prof. Dr. Dietrich Wendler äußerte bei der Begrüßung seine Freude über die starke Nachfrage, die er als Beleg dafür wertete, dass dieses Weiterbildungsangebot der Hochschule auf den realen Bedarf zugeschnitten sei. Da die Aula des Fachbereichs Bauwesen zu klein für die Veranstaltung war, hatte man das Auditorium in die Gießener Kongresshalle „umgeleitet“.

Dort hieß auch Dekan Prof. Dr. Wolfgang Moosecker die Teilnehmer willkommen und stellte ihnen das Studienspektrum des Fachbereichs kurz vor.  Als Initiator der Tagung „Organisationsmodelle in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ führte Prof. Dr. Ulf Theilen, der an der FH Gießen-Friedberg das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft in Lehre und Forschung vertritt, in das Programm ein. Er erklärte, das Thema sei gleichermaßen interessant für Ingenieure, Juristen, Betriebswirte und die politisch Verantwortlichen von Gemeinden.
Einerseits befinde sich die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland technisch auf einem sehr hohen Niveau und nehme international eine Spitzenstellung ein. Andererseits bedrohe die Finanzknappheit der Kommunen mit dem Diktat der Wirtschaftlichkeit die Beibehaltung von Leistungen und die gebotene Qualität. Allein die erforderliche Sanierung der bestehenden Anlagen würde laut einer aktuellen Umfrage in Deutschland mehr als 50 Milliarden Euro kosten.

 „Gibt es eine optimale Organisationsform? Welche Formen der kommunalen Zusammenarbeit gibt es? Unter welchen Bedingungen können private Unternehmen eingebunden werden?“, so lauteten Prof. Theilens Ausgangsfragen. Mit deren Beantwortung befassten sich anschließend zehn Vorträge, denen auch viele Studierende des Fachbereichs mit der Vertiefungsrichtung Infrastrukturplanung aufmerksam folgten.

Für den Hessischen Städte- und Gemeindebund, der die Tagung gemeinsam mit der DWA, dem BWK sowie der Ingenieurkammer Hessen unterstützte, skizzierte dessen Geschäftsführender Direktor Karl-Christian Schelzke die gegenwärtige politische Situation und machte deutlich, wie sehr die Finanzkrise der kommunalen Haushalte den Spielraum für notwendige Investitionen einschränkt.

Außerdem kamen z.B. die rechtlichen Rahmenbedingungen für die zukünftige Wasserversorgung und -entsorgung, die Neuorganisation der Abwasserentsorgung in Gießen, die Organisation eines großräumigen Zweckverbandes und die Übertragung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung an private Unternehmen anhand von Fallbeispielen aus Hessen zur Sprache. Unter den Referenten waren Fachleute aus Hochschule, Kommunalverwaltung sowie beratenden und ausführenden Unternehmen.