Mit der Grundsteinlegung feierte die Fachhochschule Gießen-Friedberg den Beginn eines Erweiterungsbaus am Platz der Deutschen Einheit in Gießen. Der bis zu viergeschossige Neubau, für den Prof. Herbert von Wehrden einen Vorentwurf angefertigt hatte, wurde von den Friedberger Architekten Prof. Bremmer, Lorenz, Frielinghaus geplant. Er wird knapp 13 Millionen Euro kosten und eine Hauptnutzfläche von 2500 Quadratmetern bieten. In dieser Summe sind die Sanierungskosten für die ehemalige „Bodenkunde“ (Wiesenstraße 3 – 5) und die Kosten für ein offenes Parkdeck enthalten, mit dem die Hochschule an der Ringallee die nötigen Stellplätze nachweist.
In einem Kopfgebäude, das gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Studien-Informations-Centrum am Platz der Deutschen Einheit ein Eingangstor zur Fachhochschule markiert, wird im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss eine Cafeteria mit Galerie untergebracht. Sie soll 140 Sitzplätze bieten. Darüber ist ein Hörsaal geplant, in dem 300 Zuhörer Platz finden werden. Das Gebäude setzt sich fort in einem Baukörper, der nördlich der ehemaligen „Bodenkunde“ annähernd parallel zur Wiesenstraße verläuft. Dieser langgestreckte Bau wird, ebenso wie ein Anbau, der östlich der Bodenkunde nach Süden vorspringt, Labor-, Seminar- und Vorlesungsräume sowie Büros für den Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik beherbergen.
Für FH-Präsident Prof. Dr. Günther Grabatin dokumentiert der Neubau, „dass wir eine ausgezeichnete Perspektive in der hessischen Hochschullandschaft haben, denn er zeigt den Willen der Landespolitik, die FH Gießen-Friedberg zu stärken“. Rechne man den Erweiterungsbau in Friedberg dazu, der im Februar begonnen wurde, investiere das Land in den nächsten Jahren 34 Millionen Euro für die Fachhochschule. Er betrachte dies als Anerkennung der Entwicklung der Hochschule in den vergangenen Jahren und als eine Unterstützung für ihren zukünftigen Kurs.
Der Neubau, so Grabatin, eröffne auch eine städtebauliche Perspektive. „Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Studien-Informations-Centrum markiert er das Tor der Hochschule zur Stadt – und zwar ein offenes Tor, das Gießens Bürgerinnen und Bürger auf den Campus der FH einlädt.“
Die Rede des Hessischen Wissenschaftsministers Udo Corts wurde von lautstarken studentischen Protesten begleitet. Auf Transparenten wandten sich die Studierenden gegen die Einführung von Studiengebühren und forderten rasche Hilfe des Landes für den Neubau des zerstörten Biotechnologielabors in Gießen. Corts rechtfertigte die Studienbeiträge mit zusätzlichen Einnahmen, die den Hochschulen zugute kämen. Um 20 Prozent würden dadurch die Einnahmen der FH Gießen-Friedberg steigen. Dies, so der Minister, ermögliche „einen Quantensprung in der Lehre“.
Gießens Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann sieht den mittelhessischen Hochschulstandort mit dem Neubau weiter gestärkt. Gießen habe sich erfolgreich als „Stadt der Wissenschaft“ positioniert. Der Magistrat habe das Wohl der Hochschulen im Auge und werde auch in Zukunft Fachhochschule und Universität in ihrer Entwicklung unterstützen.
Die Projektleitung liegt beim Hessischen Baumanagement (hbm). Der Landesbetrieb übt die Bauherrenfunktion aus und koordiniert sämtliche Arbeiten. Nach den Worten von Friedhelm Graulich, Leiter der hbm-Niederlassung Mitte, werde der Bau bis zum September 2007 abgeschlossen sein, so dass die Fachhochschule das Gebäude mit Beginn des Wintersemesters nutzen könne. Das Richtfest sei für Anfang nächsten Jahres geplant.